Die Sache ist vom Tisch

von Luxus Lazarz

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„Lass die Dinge nicht schleifen, du musst dran bleiben, wenn du etwas erreichen willst.“

 

Man, oh man, was für eine Drangsal, in ein Schicksal – das nichts Ehrliches mit mir am Hut hat. Ich weiß nicht mehr genau, wo diese Worte erstmals herkamen und wiederholt in mein Ohr glitten, jedenfalls hab ich sie mir eingeprägt. Und von einem gewissen Standpunkt aus betrachtet, entsprechen diese Gedanken tatsächlich vergangener Erfahrung. Doch aus anderer Sicht, eventuell der des Herzens, haben sie kaum noch Gültigkeit.

Der, der liebt, ist immer dran, will jedoch nichts erreichen und das Muss – ist für ihn stets ein Kann. Fast glaub ich schon, die Liebe spielt mit mir. Macht mich manchmal über Tage träge und dann kommen wieder total viele Ideen und auch der passende Energieschub dazu, um zumindest einigen von diesen – zum Ausdruck zu verhelfen. Dann tue ich an diesem einen Tag soviel, wie zuvor in der ganzen Woche nicht geschafft.
Andererseits könnte dies auch eine Art Ausgleich sein. Viele Jahre des Lebens war es nämlich umgekehrt. Da hatte ich, der Mensch, nur einen Tag zum Ruhen und an den anderen Sechsen wurde getan, getan, getan – von früh bis in die Nacht. Sehr viel Tun, was ich heute gar nicht mehr im Programm hab. Für das aus weiter Sicht und in meiner Welt – kein Bedarf mehr gegeben ist. Als nachvollziehbares Beispiel diene hier eventuell dieses:

Es ist noch gar nicht solange her, dass ich den Küchentisch mindestens 20 Mal am Tag abwischte und dies nicht nur im Urlaub. Auch konnte ich – nach einem gemeinsamen Essen mit Freunden, kaum entspannt dasitzen, weil etwas mich innerlich drängte, den Tisch abzuräumen und meinen Lappen zum Einsatz zu bringen. Einfach so, es war ein Programm in mir, dessen Ursprung ich vor ein paar Jahren einsehen konnte.

Die Einsicht brachte in den folgenden Monaten stetig mehr Entspannung mit sich, Freiraum und mich dazu, anfänglich beunruhigend locker zu werden, was die Sauberkeit und Ordnung im Haus anbelangte. Zwischenzeitlich habe ich mich nun auf ein Mittelmaß eingepegelt und wische nur noch dann und dort, wo es wirklich angebracht ist. Auch mein Blickwinkel hat sich verändert, denn ich betrete die Küche (und letztendlich alle Räume), nicht mehr mit dem – die Unordnung suchendem Blick, sondern vielmehr mit freudigen Aussichten, bei deren Umsetzung mir dann ganz zufällig, der eine oder andere Fleck in den Sichtbereich taucht, also nach Erlösung ruft.

So gestehe ich, seit ich die Dinge schleifen lasse, sind sie mir wahrlich entglitten, doch ganz abhauen, sich aus dem Staub machen, können die gar nicht, solange ich mich nicht dazu entscheide, dass das Eine oder Andere – nun wahrlich nicht mehr mein Ding ist.

Die Sache mit dem Küchentisch – steht selbstverständlich beispielhaft – für einen von ungezählt vielen Momenten des Tages, in dem etwas in mir um Auflösung bettelte, mich anregte etwas anders zu sehen, als bis hier gewohnt. Zwar bin ich im Allgemeinen, die wenigste Zeit des Tages in der Küche, doch um regelmäßig den Tisch abzuwischen, hatte ich mir stets die Zeit genommen. In gewisser Weise für Nichts, hab ich die Zeit über den Tisch gewischt, während die dabei empfundene Befriedigung beständig flüchtig blieb.

Wobei dem fühlend Lesenden bewusst sein wird, dass das Wort Küchentisch, auch nur eine Metapher ist, und zwar für ungezählt viele Dinge, für die ein Mensch sich Zeit nimmt, ohne sich deren Stumpfsinn bewusst zu sein.

Jede entlassene Gewohnheit, jedes beendete Programm setzt Zeit im Leben des Menschen frei, die man anfänglich als reine Freude in sich empfängt. Diese Freude muss nicht zwangsläufig – wieder in eine andere Gewohnheit gebunden werden. Wenn man diese Zeit in Freude frei lässt, kann sie sich ganz neu erfüllt wieder einbringen, zauberhaft in unser Leben finden, ganz natürlich und liebenswert.

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