Die Ausnahme

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Der Same ist kein Lehrling und auch kein Student. Ganz ohne jede denkbare Lehre bildet er aus sich, was in ihm verborgen lebt. Empfängt, vertraut allumfassend jenem, in dem er steckt, in das er fiel und auch dem Licht, in das sein erster Spross sich reckt. Der Same ist so klein und dennoch sein Werk oft riesengroß sowie unermesslich reich an eigenem Samen. Wie kann das denn sein, trotz all der Unbelesenheit?

Ob das Werk des Samens, die Vollkommenheit auszeichnet, kann ich niemals wirklich wissen, da offensichtlich dessen Fähigkeit und Vorstellung, meine Möglichkeiten weit überragen. Wie könnte ich, ein Mensch, über zehn Meter hochwachsen und ungezählt viel köstliche Frucht tragen, jahraus, jahrein, so weit das Licht scheint und die Erde mich hält? Das Werk des Baumes ist dem meinen, scheinbar himmelhoch überlegen. Allein durch dessen Harmonie, mit dem ewig währenden Zyklus der Natur, liefert ein einziger Apfelbaum oft optimale Nahrung für ganze Generationen. Dennoch mag ich, der Mensch, mich zwanglos entblöden, meinen Geist und Daseinszweck höher wahrzunehmen, als jenen der Natur. Wie kam ich darauf nur? Im Spiegel der Natur, kann selbst ich mich erkennen, kann sehen, wozu bin ich fähig, wenn ich vertraue dem Leben – in mir, jener wahrhaften Quelle, die mich nährt und dem Körper, der sie fühlt.

Auch der Mensch ist ein Samen in dem, was die Erde umströmt, also im Unsichtbaren. Frucht sind seine Kinder und natürlich alle realisierten Ideen, in deren ungezählten Ausdruck, wie zum Beispiel als Wort, Bild, Buch oder Haus, Maschine und auch Rezept für Kuchen, können dem schöpferischen Geist des Menschen entspringen. Genau befühlt, kann der Mensch wahrlich einsehen, dass er selbst eine Frucht seines Geistes ist. Gäbe der Geist keine Ideen zur Aussaat, was sollte dann im Leben des Menschen, über das ihm Bekannte hinaus – erblühen?

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