Seelenschöne Fundstücke

von Luxus Lazarz

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„Auch das Schöne ist nützlich.“
(Victor Hugo)

…und ich versichere dir, ein Mensch kann sich daran gewöhnen, in allem das Schöne wahrzunehmen. Die Wahrnehmung des allumfassend Schönen stillt den Menschen. Was einfach darin begründet liegt, dass alles echt Schöne im Umfeld, mit dem fühlbar Schönen im Innersten des Sehenden resoniert. Lautlose Kommunion findet statt, ganz frei von Angst, Absicht oder irgendeinem Wissen um Schuld und Kult.

All das natürlich Schöne im Erdenraum war bereits da, bevor der Mensch kam, um sich selbst darin zu erkennen. Und es wird bleiben, das Schöne, so lange es Menschen auf der Erde gibt, die all die wahrhafte Schönheit sehen und mit reiner Liebe im Leben halten. Nichts wird verlangt, doch gegeben dafür – so unsagbar viel. Wie groß, mächtig, liebenswert und genial ist wohl ein Wesen, das soviel Schönheit machen und ohne Forderung, zu geben bereit ist? Diesem danke ich für jeden Tag, jede Nacht und all dem schönen Leben darin.

Darüber hinaus fiel mir beim Verfolgen des Fluges der Stare auf, dass diese in ihrer kollektiv gebildeten Flugformation, desöfteren in unterschiedliche Richtungen fliegen. Dennoch sieht man keinen einzigen Star mit den Anderen zusammenstoßen oder gar abstürzen. Dabei wirkt alles so dicht, dass es beinahe unglaublich ist, wie viel Konzentration und Disziplin wohl benötigt wird, um in einer derartigen Fülle – von sich konstant in Bewegung befindlichen Geschöpfen, nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. Doch eventuell ist es auch einfach nur die vollkommene Hingabe des Einzelnen in den Strom des Lebendigen und selbstverständliche Feier des Dasein, mit einem kollektiven Freudentanz(flug). Sollte das, was Staren möglich ist, nicht auch Menschen möglich sein? In gewisser Weise gibt es ja schon Anfänge. Wie zum Beispiel Tanzgruppen, Chöre, Orchester und eventuell auch manche Völker, doch all diese haben überwiegend einen Dirigenten, einen Anführer, der die Sache im Blick behält und die Richtung weist. Bei den Staren habe ich noch keinen abseits oder auf einer Bühne im Himmel stehen sehen, der einen Taktstock schwang oder ähnliches tat.

Das erste Mal – mit diesem bewegenden Erlebnis, am kollektiven Flug der Stare teilhaben zu können, kam ich in Italien im Jahr 2005 in Berührung. Dort flogen im Herbst tausende Stare mehrmals am späten Nachmittag über die Villa Poppi hinweg, welche am an einem Ufer des Gardasees steht und ein kleines, zauberhaftes Hotel ist. Das Geräusch der zigtausend Flügel, es umhüllte mich für einen Moment und war so faszinierend, dass ich jedes Mal wieder staunend in den Himmel über mir blickte und still-tiefes Glück empfand, wenn die Federwolke über mich kam. Eine ganze Woche lang, habe ich mir dann jeden Nachmittag das fliegende Wunder angesehen. Etwa 5 Meter über mir, rauschte der Schwarm dahin und kam nach kurzer Zeit wieder zurück. Nicht ein einziges Mal wurde ich von den schönen Vögeln beschissen. Auch das empfinde ich bis heute, immer noch höchst erstaunlich und selbstverständlich außerordentlich freundlich.

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