Sonntagsseiten

von Luxus Lazarz

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Wie der Sonntag unverblümt mitteilt, ist er dem Achten der Sonne gewidmet, da sie die Kraft ist, welche auf der Erde alles sichtbare Wachstum anregt, emporzieht und mit Licht nährt. Auch ist sie der Richtungsweiser für alle Samen, die blind und taub im Dunkel der Erde schlafen. Die Wärme der Sonne wirkt wie ein Licht in aller Dunkelheit, flutet die Erde, erweckt durch Berührung sanft und still.
Dem nun wachen Same, verheißt der Sonne Wärme mehr zu sein, als er bisher im Schlafe für wahr annahm. Die Wärme bewirkte im Samen die Erinnerung an den Himmel und der Sonne darin. Und so offenbart sich im Samen eine unstillbare Sehnsucht dahinführend, dieses ihm erinnerte – mit eigenen Sinnen erneut zu erreichen und zu erleben. Also beginnt er zu wachsen, sich zu recken und zu strecken, und alles – was er dazu benötigt, findet zu ihm oder ist bereits da. In dem Samen selbst ruht seine Bestimmung. Dort, in seinem Zentrum, entfaltet sich der Plan, in welcher Form und Farbenpracht der Keimling irgendwann in dem Lichte steht, das ihm treu wird sein und ihn auch weiterhin wärmend sinnlich nährt.

Einst in längst vergangener Zeit, da fiel der Same von einer Blütenkapsel, unvorbereitet aus dem Licht in die Dunkelheit. Doch er hatte Glück im scheinbaren Unglück. Ein Wind trug den Samen ein Stück des Weges und ließ das winzige Zauberding, irgendwo und irgendwann in fruchtbare Muttererde fallen. Somit war sozusagen – alles geritzt. Denn hier, im dunklen Schoß der Erde, brauchte der Same sich um nichts weiter sorgen. Alles, was ihm bestimmt war, was für den Samen von einer mächtigen Kraft jemals vorgesehen ward, genau das fällt dem Samen nun zu.
Regen, Wind, sich selbst erhaltende Natur und immer wieder das warme Licht der Sonne, wirken für den Samen – damit er in Stille keimen kann. Sich nach oben treiben kann und sowie das Licht erreicht, im Dunkel der Erde eine Wurzel bilden, die Anker und Bahnen für Nahrung und Halt sind. Letzteres entsteht aus der Schale des Samens, während sein Inneres sich als Trieb ausdehnt, unermüdlich und dennoch ohne fühlbare Eile – der warmen Spur folgend. Den Samen selbst, so wie dieser einst in die Erde fiel, den gibt es nicht mehr. Doch der Funke, der ihn einst aus seinem Innersten entzündet hat, als erstmals Wärme ihn durchströmte, dieser weilt und zeugt offensichtlich für Lebendigkeit – in der Pflanze, und dies solang wie die Pflanze und ihr Umfeld liebend sind.

Die Pflanze liebt die Sonne, ihr verdankt sie ihr Leben im Licht. Die Pflanze liebt auch ihre Wurzeln und den diesen heimischen Boden, denn dort ist hier Herz und ihre Seele zuhause und etwas Anderes kennt sie gar nicht. Gedeiht, strahlt und blüht die Pflanze, dann ist sie offensichtlich glücklich mit allem, was da in und um sie ist.

 

 

Eventuelle Ähnlichkeiten mit einstigen Embryonen der menschlichen Spezies, sind natürlich kein Zufall und liegen wahrlich näher als Mensch überwiegend denkt. Allerdings – das dem Menschen gegebene Reich der Möglichkeiten, lässt sich mit dem einer Pflanze nur schwach vergleichen, obwohl der Akt der Schöpfung für beide Spezies beinahe gleichsam beginnt.

PS: Der Montags- Tipp  …