Fischzug

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Freiheit ist kein Verhalten. Auch ist Sie unabhängig von materiellen, ideologischen und politischen Gedanken, Mustern und Umständen. Da die Freiheit im Geiste jedes Einzelnen ruht und dort erkannt, sich ausdehnen wird, auf alles und jedes, was des Freien Geistes Sein berührt.

Mit Mühen haben wir verlernt zu sein, was wir sind. Reines Bewusstsein für Liebe pur – frei von Identifikation mit all den Gedanken, die wir für uns selbst halten, frei von Erinnerung – an alles, was wir dachten erfahren zu haben und werden zu müssen.

Denn siehe, vieles, was man so gewöhnlich tut, tut man, um nicht als feige oder faul dazustehen. Abhängig von der eigenen Meinung und jenen der Anderen, stellt man sich vielerlei Herausforderungen, anstatt einfach zu akzeptieren, dass die Dinge in diesem Moment sind – wie sie sind. Seltsamerweise bewirkt gerade dieses – für die Welt anscheinend feige und träge Verhalten – ein überraschendes Auftauchen von Lösungen, die bei aller Anstrengung – gar nicht hätten erkannt werden können. Und so passiert es wieder und wieder, dass ich mich als Mensch gegen alle Einfachheit wehre, während ich lautstark und schwitzend vorgebe, genau nach dieser Einfachheit zu streben. Sie ist mir zwar gegeben und dies in jedem Augenblick, doch womit könnte ich glänzen, womit könnte ich mich vorbildlich identifizieren, wenn das Leben derart einfach wäre und keiner Klage wert? Selbstverständlich ist dieser Wahnsinn aufregend, vermittelt mir ein Empfinden von Lebendigkeit. Allerdings das Andere ist erfreulich anregend und lässt mich mehr und mehr – tatsächlich lebendig sein.

 

 


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Schau auf das Meer, mein Kind. Dieses Meer in deinen Träumen, welches sich aus Menschen bildet, die in dem Meere schwimmen, tauchen, versinken und auch hin und wieder auf einer Welle emporgehoben werden. Doch keine Welle lässt sich in der Bewegung zementieren, sie flacht unwiderruflich ab. Das Meer ist stabil instabil, seine Form ruhend und wandernd zugleich. Zwar kann da auch Festes im Meere leben, doch das Meer ist es nicht, festgeschrieben. Es kann nichts festhalten, nur mit sich und auch weiter tragen, was in seine allumfassenden Arme fand oder getrieben ward. Sieh mein Kind, wie das Meer alltäglich aufwallt und abschwillt, wie die Menschen darin tanzen, springen, straucheln und drängen. Und nun geliebtes Kind, frag ich dich, wohin drängt es diese? Was existiert denn, über die gottgegebene Welt hinaus, was dem Drängler mehr ein Fest sein könnte als jener einzige Zustand, in dem es auch ohne Drängeln Freude und Erfüllung gibt?

Doch sieh, auch in diesem Meer, welches alle Menschen in sich birgt, gibt es schon viele Seelige, die Drängeln nicht. Versuchen nicht, die Zeit durch ihren Tag zu drängen, oder gar über den Nächsten zu springen, um schneller zu sein, als der Durchschnittstropfen in einer Wasserleitung. Im Meer, da gibt es keine Extra-Leitung, dort sind alle Tropfen in Harmonie miteinander verbunden, nichts wird erzwungen, und dennoch bleibt jeder Tropfen in sich vollkommen.

Was wäre das Meer, ohne seine Tropfen? Und ist es nicht allemal einladender, ein Tropfen im Meer zu sein, als ein Sandkorn in der Wüste der Verlorenheit? Hier verlor sich das Kind beinahe in fragenden Gedanken, doch es blieb wach und lauschte weiter der Stimme.

Geliebtes Kind, schau weiter nach denen, die nicht Drängen. Siehst du das sanfte Leuchten, das von ihnen ausstrahlt? Ein Zeichen der Liebe aller Herzen, die Vergeben können und jener Geister, die wahrlich Frieden wollen – in Ewigkeit. Jener Geist im Menschen, welcher sich wahrhaft heimleuchten lässt, tritt durch das Tor und wird ewig bleiben, wie er von Beginn an war. Ein liebevoller Gedanke Gottes, der sich und seine Liebe ausdehnen kann, dies ganz frei von Müssen, Leid und Qual.

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