Das Urteil

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Gleichgültig – wie lange, wie intensiv und anscheinend gründlich ein Mensch den ihm Nächsten, eine Situation, eine Sache oder sogar die gesamte Menschheit betrachtet, wird letztendlich sein Urteil fehlerhaft bleiben. Denn nur die Quelle aller Dinglichkeit, hat in dieser Welt und ebenfalls im allumfassenden Universum allein – den absoluten Überblick, Einblick und Rundblick für all das, was wirklich ist. Die zwangsläufig gegebenen Löcher im fehlerhaften Urteil des Menschen, füllt dieser – wenn er sie denn erkennt – oft mit Wunschgedanken, Hoffnungen, Erfahrungen aus dem Vergangenen und vielerlei Art von Vermutung aus.

Stell dir vor, Gottes Urteil wäre eine Kugel aus Licht. Aus Licht und Liebe, was außerordentlich anschmiegsame und erfreuliche Zustände sind. Auch hat Beides keine Löcher, muss also weder geflickt noch angezweifelt werden. Das menschliche Auge kann für sich ein beispielhaft rundes Licht, überall in der Natur der Erde, so auch im Himmel und sogar in sich selbst entdecken.

Des Menschen Urteil wiederum, selbst wenn auf Erfahrung und mit Verstand erbaut, gestaltet sich desöfteren wie ein Ping-Pong-Ball. Diese Kugel altert mit der Zeit, bekommt viele kleine Beulen, Dellen und manchen augenfälligen Riss. Man muss ihre Schäden schon sehr genau kennen, will man sein Ziel nicht total verfehlen, wenn man die Urteilskugel ausspielt. Doch frag ich mich, was ist dieses Ziel. Was ist das Ziel des Urteils und Urteilens im Menschen?

Da fällt einem doch gar manches ein, wonach man mit dem Urteil strebt. Zum Beispiel – Sicherheit, soll das Urteil dem Menschen vermitteln und das er im Recht ist, das wäre auch noch sehr schön. Schutz vor dem Irrtum und vor Verlust. Insbesondere dann, wenn ein Mensch sich dem Eindruck hingibt, dass sein Nächster etwas vor ihm verbergen will. Ihm eventuell sogar Schaden möchte, oder auch nur andeutungsweise glaubt, es besser zu wissen, als der Urteilende. So wehrt das Urteil scheinbar auch Peinlichkeiten ab.

Ist das so? Und was passiert beim Urteilen wirklich?

Wahrlich zieht der Mensch nur mit jedem Urteil eine Grenze. Eine Grenze um seine Gedanken, ein Ding, ein Wort, eine Situation, um eine Person, sein Leben und auch viele Menschen. Zieht eine Grenze um jedes Land, im Himmel und allgemein überall dort, wo er sich mittels eines Urteils vom Gegebenen abgrenzen will. Das selbstverständlich oft nur der Ordnung halber. Dies gilt gleichmäßig für anscheinend gut meinende Urteile, wie auch für jene, die schlechter machen wollen und ablehnen, was beurteilt wird. Sei es denn, im Kleinen wie im Großen, ohne Urteil scheint es nicht zu funktionieren. Offensichtlich muss dieses Leben nach bearbeitet bis ganz neu erschaffen werden. So leicht und lieb, wie Gott es gab, ist einfach nicht erträglich und genug. Man muss es den Gegebenheiten, den Örtlichkeiten, der Zeit, den Moden und Ideen der Toten sowie auch der Arbeiter auf den Bühnen der Welt – angleichen- damit man selbst hineinpasst.
Hineinpasst in was? Dies gestaltet sich nun der Vielfalt entsprechend, von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Die Geschmäcker sich zu irren und zu leiden, sind da so mannigfaltig – wie etwas nur sein kann, was sich selbst erdacht – beständig unbeständig gibt.

Aus diesem Grund ist die urteilige Kugel des Menschen, auch derart in Mitleidenschaft gezogen worden. Immer wieder spielte der Mensch sein Urteil aus, doch nie wollte es im Ziele verbleiben. Prallte dort ab und kam stets zum Eigner zurück. Mal langsam, mal schneller, doch auf Dauer hätte zwar der Mensch auf sein Urteil verzichten können, doch keinesfalls das urteilssüchtige Ego in diesem.
Nun ist es allerdings so: Genau wie das Gotteskind aus Gott stammt und in IHM lebt, sich jedoch selbst in der göttlichen Liebe (vorübergehend) aus dem Blick verliert und dennoch, stets wieder zurück nach Hause findet, so kehrt auch das Urteil und dies unvermeidlich, zu seinem gebenden Schöpfer, beziehungsweise Macher zurück. Jedes Urteil, das ein Mensch sich jemals macht, gehört bis zum Weltenende zu ihm selbst. Es sei denn, er erkennt den Irrtum und dass er keinesfalls tatsächlich gerecht urteilen kann, ohne Gott mit einzubeziehen. Dann kann der Mensch sich diese Blindheit tatsächlich vergeben und natürlich auch allen anderen Menschen, die er irrtümlicherweise – mit an dem unangemessenen Urteil beteiligte, beziehungsweise an seinen Maßstab hielt.

Unmittelbar danach, schickt Gott seinen schönsten Engel des Lichts und dieser fliegt mit dir über alle Stellen im Leben, an denen deine und meine Urteile jemals Spuren hinterließen. Aus des Engels Flügel regnet und sprüht es heilsames Licht. Und im Licht der Heilung stehend, können wir dann aufrecht wahrnehmen, wie dieses göttliche Licht – alle Spuren mit Liebe ausfüllt und ungeschehen sein lässt. Weil Gott es so will und wir doch auch.

Folgt ein Mensch dem Willen Gottes und vereint so den seinen, vollkommen mit der Allmacht der Liebe, kann Gott das Kind in sich – SEIN stets gerechtes Urteil erkennen lassen. Und Eines ist gewiss, Liebe urteilt von ihrem Wesen her nicht. Doch scheint es dennoch dann und wann, so angebracht zu sein, wird dieses Urteil stets – für keinen der Empfänger – ein wirklicher Schaden sein. Denn sogar dann, wenn die Liebe im Lichte urteilt – ist und bleibt SIE für alles und jedes ein lichter Gewinn. SIE grenzt nichts aus und auch nichts ein, rückt lediglich ins Licht – wo der Hase tatsächlich im Argen liegt, damit man ihn dann – in Stille heilen und liebevoll erlösen kann.

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