Unsinn

von C. Luxus Lazarz

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Schon das Wort Unsinn birgt einen kleinen Lacher in sich, wenn man es ohne direkte Zuordnung sieht. Im Kurs ist immer von Ausdehnung und Weite die Rede, nun schwindet gemächlich die Dämmerung in mir, und der ganze Tag bleibt sich weitend – strahlend hell. All der Unsinn in der Welt, die ich freien Willens als die Eine annahm, mühsam zu der meinen machte, um diese dann doch letztendlich wieder zu verlieren, all dieser Unsinn schmilzt vor meinen Augen dahin, kaum kann ich es glauben, doch es passiert.

Der Geist macht mit mir Überstunden, die jedoch keinesfalls einem imaginären Zeitkonto abgezogen werden und auch nicht hinzugerechnet, weil es die Zeit ja gar nicht gibt. Nur für mich, den Menschen, wurde sie erfunden, damit man machen kann – Überstunden und ganz langsam Unsinn lernen. Was für ein unsinniges Wort. Ich erinnere mich nun, Überstunden waren auch ein fester Bestandteil in meinem vorvorletzten Leben. Man konnte sie vorzeigen, stolz sein, dass man durchhielt – bis zum letzten Gefecht. Auch brachten sie mehr Geld, machten letztendlich jedoch nur müde und müde, bis zur geistigen Flucht.
Denn ein müdes Gotteskind, hört den Geist in sich nicht. Doch so ungestillt und fehlgenährt – wird es stetig  hungriger und hungriger, nach allem – was sich konsumieren lässt, beziehungsweise möglichst kalorienarme Abwechslung bietet. Dies hat natürlich einen Preis, das wahre Leben, doch man braucht niemanden Bitten, sich nicht besinnen, nur vor sich hindösen, und genau dafür – gab uns Gott das ganze Leben. Hier folgt selbstverständlich ein Lacher, denn wir wurden ja nicht in das Leben hineingedöst, sondern vielmehr mit Schwung und Liebe gebracht.

Wenn man sich einmal vorstellt, was Gott schon alles geschaffen hat, wie viel das Göttliche schon vollbrachte, durch uns, mit uns, und auch ohne jede Hilfe, ist es ja wohl logisch, dass Es dabei auf eine – Sein Wirken reglementierende Zeit – verzichtet hat.
Denn wo wäre Es sonst jetzt?
Von der Zeit verschließen.
Und wo wären wir?
Nicht hier. Das ist ja wohl klar.
Wer gab sich sein Leben schon selbst?

Nun aber wieder den Ernst links liegengelassen, denn es ging ja um den Unsinn, der sich überall leicht entlarven lässt. Damit das Lachen sich mehre – in aller Welt und soweit diese reicht. Das Lachen ist nämlich ein wunderbarer Hinweis darauf, dass sich der enttarnte Unsinn – ungebremst auflöst. In etwa so, wie ein Kartenhaus zusammenfällt, wenn man eine Karte aus dem Fundament zieht. Alles stützt sich im wackligen Kartenhaus gegenseitig, weil man sich allein – nicht so künstlich hochmauern kann.

Die Karten im Kartenhaus, welche den ganzen Unsinn tragen, sind aus mangelhafter Wahrnehmung gebildet. Denn sie können niemals einen Rundblick riskieren, ohne das Ganze zum Einsturz zu bringen. Dass es vollkommen ohne Wert ist, was diese Karten da tapfer über sich stützen, was ihnen nimmt – die klare Sicht rundum im Jetzt, all das – wissen diese Karten nicht, weil es ihnen keiner gesagt hat, sie noch nie vom Wege abkamen, eigentlich gar keinen Weg haben, nur einen festen Standpunkt, der keinesfalls wankt, solange sie sich nicht bewegen. Gott sei Dank, dass wir Menschen keine Karten sind, sondern bewegliches Bewusstsein, das überall fest stehen kann, da die Liebe das einzige Fundament von allem und für alle ist. Auch die Liebe spielt mit Karten, doch diese bringen reines Glück und stille Zufriedenheit.

Es ist ein ursächlicher Unsinn zu behaupten, dass jener, der rastet – rosten würde. Wahrlich ist es derart, dass jener, der sparsam bis nie rastet – sich selten lange regt. Unsinn erlöst?

Selbstverständlich ist es kein Unsinn, zum Graben eines tiefen Loches, den großen Spaten zu benutzen. Wiederum könnte man sich schon fragen, ob das tiefe Loch graben an und für sich – feinsinnig besehen, nicht der wahre Unsinn ist.

Unsinn ist es zu glauben, dass man Liebe teilen könne. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass man sich ganz gibt, wenn man liebt. Man liebt nicht mal eine Stunde am Tag und auch nicht fünfeinhalb oder so, man ist es ganz – in Liebe – solange man sein Licht in allem sieht und auch fühlend wahrnimmt, was da so erlebbar wird. Ungeteilt sind wir vollkommen, getragen vom dem Einen, das uns niemals anders gab und sah. Der Morgen ist gekommen, das Morgen gibt es nicht. Ich liebe dieses Leben. Freude ist ein wunderbarer Gewinn darin.

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