Reaktionen, Teil 3

von Luxus Lazarz

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Die Überschrift könnte auch: Spontan geheilt lauten, spontan geheilt von mancherlei Unwohlsein, in Körper, Herz und auch Verstand, bezieht sich somit auf innere Reaktionen des Körpers. Reaktionen, denen wir Namen geben, oder dergleichen in der Kindheit fraglos annehmen. Spontan kann alles im Menschen heilen, was auf  Irrtümern im Mentalen gründet, der Langeweile entspringt oder auch der Lustlosigkeit und Nörgelsucht. Darüber hinaus sei ebenfalls die Allergie erwähnt, welche noch nicht von Geburt an besteht. Und wieder finden wir im Leben von Karin ein einfühlbares Beispiel dazu. Kein Beispiel für die Fähigkeiten von Karin, sondern vielmehr ein Beispiel für und auch Erinnerung an all jene, jedem Menschen von Geburt an innewaltenden Kräfte.

 

Die verrückte Allergie

 

Obwohl Karin in der Kindheit mit Katzen aufgewachsen war, sogar diese wunderbaren Tiere überaus liebte und vorher nie Auffälligkeiten in Richtung Tierhaarallergien gezeigt hatte, reagierte sie, nur wenige Monate nach der Trennung von ihrem langjährigen Freund Paul,  allergisch in jeder Begegnung mit einer Katze. Die Symptome reichten von Hautrötungen, Juckreiz, tränenden Augen bis hin zu unheimlichen Erstickungsanfällen. Zwei Jahre flossen dahin, und die Allergie hatte Karin so fest im Griff, dass sie selbst nicht mehr an eine Heilung glaubte. Also begann Karin jedes Streichelbedürfnis in sich zu unterdrücken und nahm auch keine Katze mehr von Freunden zur Urlaubsbetreuung in Pflege.

Im Mai, des ihrem schmerzhaften Verzicht folgenden Jahres, nahm Karin an einem Seminar teil, welches auf der Insel Mallorca stattfand. Sie wohnte in der 1. Etage eines großen Hauses, in einem schönen Raum, der am Ende eines langen Flures lag.  Im Erdgeschoß befanden sich die Seminarräume und neben den Teilnehmern, beherbergte der Ort auch sechs Katzen. Die Räume, in denen die Seminarteilnehmer am Tage ihre Übungen absolvierten, waren in der Nacht ein Schlafplatz für die Katzen.

Schon am Ankunftstag fand Karin nach dem Betreten des Zimmers, eine zusammengerollte Katze in ihrem Bett. Sie registrierte es frei von Angst oder Sorge und setzte die Mieze charmant vor die Tür. In der folgenden Nacht nieste Karin dreimal. Mehr passierte nicht. Beruhigt und guter Laune, verzichtete sie dann am nächsten Morgen darauf, darum zu bitten, dass die überwiegend im Liegen auf Matten durchgeführten Übungen – in den Garten verlegt wurden. Stattdessen verbrachte sie fünf Stunden des Tages zwischen Staub und Katzenhaaren.

In der Nacht, sofort nachdem sie sich hingelegt hatte, begann Karin zu husten. Mit jedem Husten wurde der Husten lauter und schüttelnder. Um niemanden im Haus zu stören, versuchte Karin den lauten Husten im Deckbett zu dämpfen. Plötzlich bekam sie jedoch gar keine Luft mehr und fing beim Atmen an zu pfeifen. Nun konnte Karin weder schreien noch sprechen und war wie gelähmt. Mit wachsendem Entsetzen wurde sie sich in diesem Moment bewusst, dass sie in einem fremden Land war und die Sprache des Landes, weder verstand noch sprach. Da sie sich jedoch gar nicht bemerkbar machen konnte, spielte das auch keine Rolle mehr.

So blieb Karin letztendlich nur die Akzeptanz der Situation. In sich konnte sie Gedanken diesbezüglich lesen, dass es ihr gleichgültig sei, ob sie nun hier oder in ihrem Heimatland sterben würde. Sie sagte nicht Stopp und ließ die Gedanken einfach weiter schweben. Fort aus ihrer Wahrnehmung. Unmittelbar nach dieser seltsamen Gedankenkette, konnte Karin sofort wieder tiefer Atmen, und zwar ganz ohne Husten und Pfeifen. Dann sah sie Bilder in sich selbst, welche ihr in erstaunlicher Weise aufzeigten, wie die Allergie in ihr Leben gekommen war.

Karin sah in der Erinnerung ihren einstigen Lebenspartner Paul. Ein Mensch, der von sich stets behauptet hatte, dass er unfähig sei, zärtliche Gefühle auszudrücken, oder sanft zu sein. Ein Mangel, den er offensichtlich jedoch nur in zwischenmenschlichen Beziehungen zeigte, denn in Karins Erinnerung, hatte Paul ihr eines Tage kühl erklärte, dass das eben so und nicht veränderbar wäre. Dabei stand er direkt vor Karin, die auf einem Stuhl saß. In Augenhöhe sah Karin unmittelbar auf die Katze, welche Paul auf dem Arm trug. Während er sprach, kraulte er, direkt vor der sitzenden Karin stehend, seine Katze, die wohlig unter seiner Hand schnurrte.

Die Katze war Pauls ein und alles und durfte auch inklusive ihres Katzenklos und Futternapfes, mit in dem 10 qm großen Schlafzimmer des Paares nächtigen. Und weil Paul und Karin zu ebener Erde wohnten, durfte man aus „Sicherheitsgründen“ des Nachts auch kein Fenster öffnen. Für Karin war es ein Albtraum gewesen.

An all dies hatte sich Karin erinnert, während sie in der Nacht auf ihrem Bett im Raum lag und sich die alten Erfahrungen, wie ein Film vor ihrem inneren Auge erneut abspielten. Dieses Kalte, die ganze Situation, hatte sie letztendlich nicht länger aushalten können und sich nach fünf Jahren Beziehung von Paul getrennt. Seltsamerweise zeigten sich zwei Monate nach ihrem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung, die ersten Anzeichen einer Katzenallergie. Näherte sich Karin seitdem eine Katze, reagierte Karins Körper fortan allergisch, beziehungsweise mit Widerstand und Abwehr, aufgrund der in ihr unbewussten, noch nicht verstoffwechselten und schmerzhaften Erinnerung. Die Katze war der Hauptblickpunkt in der Erfahrung, an welche die Erinnerung anknüpfte.

In dieser Nacht empfand Karin, nun die einstige Situation mit Abstand betrachtend, wahrlich Mitgefühl. Mitgefühl für Paul und dessen Abwehr, ihr gegenüber genauso liebe- und rücksichtsvoll zu sein, wie im Umgang mit einer Katze. Auch mit sich selbst hatte Karin Mitgefühl und sie vergab sich, dass sie nicht bereits Jahre früher eine Entscheidung getroffen hatte.

***

Das Erkennen der Ursache für die Allergie und Karins Mitgefühl für Paul, bewirkten in Folge zusammen das Wunder in Karins Körper. Sie war spontan geheilt, geheilt von einer Sache, die sie unbewusst in sich selbst eingefädelt hatte und nicht tief genug hinterfragte. Ab dieser einen Nacht blieb die Allergie verschwunden, und selbstverständlich kam seitdem keine Katze jemals wieder unbemerkt, ungegrüßt oder ungestreichelt an Karin vorbei.

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