Fragmente 2

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Was passiert, wenn einem Menschen eine Erfahrung zufällt, welche einiges bis alles, was davor in seinem Leben geschah, als weitestgehend bedeutungslos erkennen läßt? Also wenn im Jetzt, ganz überraschend, jeglicher Gedanke an ein Gestern aus dem Bewusstsein entschwindet. Bin ich dann noch der Mensch, welcher ich eventuell nur Sekunden zuvor glaubte zu sein? Und wie oft kann einem Derartiges im Leben passieren, ohne dass man aus dem Gleichgewicht gerät?

Diese Art der Erfahrung kann nur die Liebe bringen oder ein Verlust bewirken, welcher sich allerdings oftmals im Nachhinein, auch als ein Liebesdienst erweist.

Man verliert die Kindheit und erhält dafür die Jugend. Man verliert die Jugend und wird stabiler, besonnener, großzügiger. Man verläßt das Mittelalter und findet immer öfter Seinen Frieden, in ganz nebensächlichen Dingen. Man verläßt die Erde und das Leben erweitert sich, weit, weit über jeden vorstellbaren Horizont hinaus,…

…oder man bleibt noch eine Weile, da man erkennt, dass es wahrlich nichts zu fürchten gibt, da kein Leben, kein Ding, kein Umstand hier auf Erden wirklich jene Bedeutung hat, die ich diesem gab. Was all dies wahrlich bedeutet, kann ich nur erkennen, wenn ich das Kämpfen, Urteilen, Vermuten, Vorstellen in mir beende. Und so wird jenes, was ich einst für das Langweiligste im Leben ansah, jenes elterlich verordnete Stillsein im Raum, zu einer in mir scheinbar unerschöpflichen Quelle des Erstaunens, der Freude, des Friedens und der Geborgenheit.

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