Das muss nicht sein

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Der Titel dieses Beitrags ist mit der Überschrift des Abschnitts IV., im Kapitel 4 des Textbuches (S. 64 online, S. 62 im gedruckten Buch) von „Ein Kurs in Wundern“ gleichlautend. Dies scheint mir, ein außerordentlich lesenswerter Abschnitt im Buch zu sein, dessen Empfehlung mir ein Bedürfnis ist. Was die Überschrift anbelangt, ist es nach meinem Empfinden kein Zitat, wenn ich diese Worte für den Beitrag ebenfalls nutze, da sich diese Gedanken in jedem Menschen finden lassen, der des Denkens mächtig ist. Meist fanden sie als Worte bereits im Verlauf der Kindheit in unsere Ohren. Nämlich stets dann, wenn irgendwer zum Kinde sprach:

Du, hör mal, das muss doch jetzt – aber wirklich nicht sein.

Bevor man dies gesagt bekam, hatte man eventuell genörgelt, gedrängelt, Antwort verlangt, gemault oder auch einfach nur Krach gemacht, mit Topfdeckeln oder Ähnlichem. Manchmal gar auch einem Älteren widersprochen, da man durch Kinderaugen keckerweise anderer Sicht der Dinge war.

Jeder, der hier liest, hat es schon gedacht. Also dieses Das muss nicht sein. Auf den ersten Blick scheinbar aufrührerische Gedanken, die andererseits auch heilsam wirken können, manchmal sogar befreien von Lasten, die nicht die eigenen und noch dazu allgemein unnütz sind.

Auch ich dachte hin und wieder in meinem Leben, das muss nicht sein. Dabei erkannte ich desöfteren, dass es allgemein kein tatsächliches Muss gibt. Das Muss sogar hauptsächlich, einem maskierten Ich will entstammt. Wie sich das Ganze, dann mit wenig bis gar kein Muss – lebensecht gestaltet, lernte ich logischerweise erst nach der Schulung des Geistes, im Erkennen von wirklichen Zusammenhängen. Genau dann, wenn man in der Erfahrung das Erlernte auf dessen praktische Wirksamkeit testet, tritt der wirkliche Lerneffekt ein. Zum Beispiel lernt man als Erstes seinen Namen auszusprechen, dann lernt man ihn zu schreiben und sich selbst sowie das Leben, nach Vorbild zu gestalten, beziehungsweise auszufüllen, um dem Namen eine Bedeutung zu verleihen. Jede Bedeutung ist nur eine Leihgabe, die der Geist oder das Ego verändern, beziehungsweise zurückfordern kann und wird.

Das muss nicht sein – und für was dies offensichtlich so alles gilt, ist im Kursbuch derart unnachahmlich und flügelleicht beschrieben worden, dass es mit eigenen Augen zu lesen, unbedingt sein muss. Zumindest für jenen – der auch geliebtes Leben – unbedingt will.

Solltest du jemanden finden, der dir freundlicherweise den Text langsam, deutlich und kommentarlos vorliest, umso besser! Denn dann seid ihr schon Zwei. Zwei die nun gemeinsam entdecken, wahr fühlen und einig werden, bezüglich all dessen – was alles nicht – im Leben des Menschen und in dessen Welt sein muss.

Noch ein zweckdienlicher Hinweis

Und das Wundervollste dabei ist, keiner braucht die Ärmel hochzukrempeln, denn mühsam machen wird nur vom Ego verlangt. Hier wird jedoch nichts verlangt, und es genügt zu lesen, zu empfangen, sich einzufühlen, wirken zu lassen und in sich letztendlich zu erkennen, wo das Muss heiteren Sinnes entsorgt werden kann. Dieses Ego ist ja auch wahrlich nur jenes kleine Ding im Lesenden, das jetzt ehh geht, wie sein Name offensichtlich verkündet. Halte es nicht auf, schon gar nicht – wenn es reizbar ist. Wink ihm auch nicht nach, sei stark und still – bis es ganz deinem Blick entschwindet und nur noch zum Vorschein kommt, wenn es tatsächlich einmal gebraucht wird.

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