Kursgerecht 13

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Jeder ist mit dem Gedanken der Sünde vertraut. Welche Bedeutung man diesem Gedanken gibt, was für mich eine Sünde ist, entscheide ich selbst. Auch, wenn ich mich der Meinung anderer Menschen anschließe, ist dies eine Entscheidung, die ich nur in mir treffen kann. Dies gilt selbstverständlich nicht nur für den Gedanken der Sünde, sondern ebenfalls für alles andere, was ich als festgezurrt in dieser Welt für wahr annehme.

Im Kurs wird die Sünde anders als in der Bibel beschrieben. Dort ist es, die dem Menschen gewohnte Wahrnehmung der Welt und aller Menschen und Dinge darin, die zum Sündigen verführt. So liegt die ganze Sünde im Vergessen, dass jeder Einzelne mit allem Leben, dem Himmel und der Erde in unsichtbarer Art verbunden ist. Erst auf der Basis dieses Vergessens konnten sich all jene Eigenarten der Menschen entwickeln, die man allgemein und auch im Speziellen als unangenehm bis abstoßend oder gar unverzeihlich empfindet. Denn wüsste der Mensch, um seine unzerstörbare Verbindung mit Gott und allem Leben im Universum, würde er doch wahrlich niemanden mehr zumuten, als er selbst erfahren will. Weiß der Mensch es nicht, wird ihn das nicht schützen, vor sich selbst schützen. Er wird selbst erfahren, fühlen und erleben, was er für den Anderen in sich ersinnt. Wer sein Leben reflektiert kann erkennen, dass dies kein lockerer Ausspruch ist, sondern in vielerlei Hinsicht eine Tatsache darstellt. Manchmal passiert dies unmittelbar, manchmal erst nach Tagen bis Jahren, doch es passiert. Es sei denn, man sah den Denkfehler ein und berichtigt die Sache in sich. Tut man dies einmal, kann man es immer wieder tun, bis es nicht mehr nötig ist.

Denke ich feindselig in mir über Andere, greife ich also mich selbst an. Wenn ich mich beurteile und kritisiere, ist mir das sogar bewusst. Statt dies weiterhin, wie gewohnt und bis zum Sanktnimmerleinstag so zu handhaben, könnte ich mich frei von Emotion einmal fragen, wohin mich diese Art der Wahrnehmung geführt hat. Und dann könnte ich einsehen, dass ich im Kreis laufe, lediglich vorübergehend zufrieden und dadurch friedlich bin, statt glücklich zu sein, was mir in jedem Jetzt ebenfalls möglich ist. Eben weil ich in meinem Leben allen Dingen selbst die Bedeutung gebe und nicht diese mir.

Wie viele Gelegenheiten hab ich in meinem Leben schon versäumt, in denen ich einfach hätte still und glücklich sein können, doch stattdessen die Wahl traf, weiter nach Fehlern zu suchen? In mir, im Anderen, im Leben und der mich umgebenden Welt allgemein. Gründe fand, um mich zu beschweren, weil eine Schere nicht an ihrem Platz lag, die Sonne nicht schien oder auch nur ein Mensch vor lauter Freude vergaß – Danke zu sagen. Oder Gründe erfand, um mich zu ängstigen, Angst zu haben vor dem, was nur in meiner Fantasie geschah.
Dies sind natürlich nur echt wenige Beispiele, wie man sich selbst und auch dem Anderen, Schuld zuschieben, den Tag verdunkeln, beziehungsweise vermiesen kann, obwohl es total offensichtlich ist, dass der Wahnsinn hier den Menschen führt. Denn der Weg zum Glück ist niemals holperig, anstrengend oder mit Hindernissen bestückt. Er beginnt direkt hier und jetzt. Und die Entscheidung, nur noch diesen Weg zu beschreiten, liegt einzig und allein in dir und mir. Selbstverständlich weicht man anfänglich öfter mal von diesem Wege ab, denn er ist noch ungewohnt. Doch ein wirkliches Zurück gibt es nicht mehr. Zumal es dem Beharrlichen täglich leichter gelingt, sich für das Glück im Jetzt zu entscheiden, anstatt zu leiden oder ähnlich Unnützes, sich selbst und seiner Umgebung anzutun.

Sünde ist somit also lediglich ein Versäumnis, zu sein und zu geben, wer und was wir wirklich sind. Doch ist dies weder unverzeihlich noch vererbbar, sondern bewirkt lediglich eine Verzögerung – in dem sich beständig entfaltenden Erkenntnisprozeß, dass du und ich geliebt und gottgewollt sind, aus Liebe erschaffen, in Liebe gegeben, gehalten und geführt. Kannst du dir etwas noch Besseres vorstellen? Ich kann es nicht und schon allein das, stimmt mich glücklich.

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