Spiegelbilder
von Luxus Lazarz
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Wenn man in einen Spiegel blickt, sieht man solange nicht die Wirklichkeit, bis man es irgendwann fertigbringt, sich selbst vollständig frei von Urteil und Bewertung ins Antlitz zu schauen. Ein Spiegel kann dem Menschen in gewisser Weise nur jenes widerspiegeln, was er über sich selber denkt und meint. Ebenso ist es mit dem Nächsten, dieser spiegelt mir, wie ich ihn wahrnehme und als Bild in meiner Erinnerung abgespeichert habe. Was der Andere tatsächlich in sich birgt, kann mir nur offenbar werden, wenn meine Augen unverschleiert von urteilenden und feststellenden Gedanken auf des anderen Erscheinung blicken. Was hinter den Bildern meiner Gedanken lebt, kann ich erst erkennen, wenn der Geist in mir rein und still ist. Wahrlich jenseits von gestern und morgen, sodass ich mit dem Herzen sehe. Nicht fühle, sondern wahrhaft erschaue, was ist und mehr nicht.
Oft bis immer ist da gar nichts von jenem, was ich zuvor in mir sehen wollte. Das kann überraschend friedvoll stimmen und manchmal gar eine stille Freude bewirken, die sich ganz leise und verheißungsvoll im Erkennenden ausdehnt. Dann hat sich zwar im Umfeld scheinbar nichts verändert und dennoch ist plötzlich etwas anders als zuvor. Dies lediglich durch den einfachen Akt des Weglassens. Womit sich wieder einmal das für den Verstand Paradoxe bestätigt: Weniger ist stetig öfter mehr. Mehr Raum, mehr Leichtigkeit, mehr freudvolle Momente, mehr Dankbarkeit und Liebe für das Leben in und um uns selbst.
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Da hätte ich eine Frage. Meine Freundin sagt immer zu mir, ich wäre so naiv, ich würde immer nur das Gute sehen. Oft kann ich mir gar nicht vorstellen, dass man so herzlos sein kann. Dann frage ich mich, welcher Spiegel, ist real?
Sei bedankt für die Frage geliebte Nicole. Vereinfacht könnte man sagen, nur jener Spiegel, in den keiner blickt, zeigt die Realität. Für dich ist real, was du siehst und für die Freundin ist es ihre Sicht. Was ich hier schreibe, ist lediglich eine wieder andere Sicht. Du siehst im Spiegel, was du nicht verstehen kannst und ebenso gilt dies für deine Freundin. Dementsprechend regt das Spiegelbild hier an, die eigene Sicht auf die Dinge zu hinterfragen, beziehungsweise den dich betreffenden Irrtum der Freundin solange zu übersehen, nicht weiter darüber nachzudenken, dir nicht in dein sanftes Herz zu bohren, bis die Freundin aufgrund deines Mangels an Verteidigung beziehungsweise Rechtfertigung, wieder ihr Herz zu hören beginnt. Und dann ist alles gut so, wie es am Ende immer ist. Fühlbare Grüße.
PS: Die Frage bewog mich, den 3. Satz im Beitrag zu überarbeiten. So liest es sich klarer.
Dankeschön für die Anregung. 🙂
Ja, so ist es, denn der Spiegel als Metapher für die Selbsterkenntnis ist besonders eindrucksvoll, da er mich daran erinnert, dass meine Sicht auf mich selbst oft von Vorurteilen und Bewertungen geprägt ist. In der Tat zeigt sich hier eine fundamentale Wahrheit: Ich bin nicht nur passiver Betrachter meiner eigenen Existenz, sondern gleichzeitig aktiver Gestalter meiner Wahrnehmung.
Der Vergleich zwischen dem Blick in den Spiegel und der Wahrnehmung des Nächsten ist ebenso tiefgründig. Denn oft ist es doch so, dass wir unsere eigenen Unsicherheiten und Ängste auf andere Menschen projizieren, wodurch wir ihre wahre Natur verkennen. Ja, es ist so, wie du schreibst, erst wenn wir bereit sind, mit einem offenen Herzen und einem stillen Geist zu schauen, können wir die Essenz des Anderen erfassen. Dies erfordert Mut und Demut – die Bereitschaft, uns selbst in Frage zu stellen und die Komplexität des, bzw. jedes menschlischen Daseins anzuerkennen.
Liebe Rosie,🌻
sei fühlbar bedankt für deinen Beitrag zum Text.
Hab ihn mit sich ausdehnender Freude verinnerlicht.
Sonnige Grüße
Luxus