Sanftes Erwachen

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Immer, wenn es gelingt, für einen Tag lang das Ungeduldige in mir zu zügeln, beziehungsweise nicht zu beachten und somit nicht weiter hemmungslos dem Kanal für Ungeduld in der Welt zu dienen, passieren Wunder, die anfänglich leicht verwirren können. Denn es ist schon mehr als bemerkenswert, wenn die jedem Menschen innewohnende sanftmütige Geduld tatsächlich Wunder bewirken kann. Wunder, die allemal Lösungen mit sich bringen, die man sich nicht einmal im Traum hätte ausmalen können. Denn eine derartige Genialität, die gleichfalls auch noch so einfach ist, kann sich der menschliche Verstand weder vorstellen noch ausdenken. Einerseits mangelt es ihm also dem menschlichen Verstand an Offenheit, Vertrauen, Weite und Großzügigkeit – nicht nur für sich selbst, andererseits ist er mit einer Überfülle an Widerspruch, Rechthaberei und Aberglauben versorgt, sodass er niemals wirklich klar denken kann. Stets lastet auf allem Bedachten ein Schatten der Vergangenheit, ein Größenwahn oder eine Spinnerei aus Angst vor der Zukunft.

Da fragt sich etwas in mir, wie man denn Ungeduld zügeln kann. Es handelt sich dabei ja um eine fühlbare Energie im Innersten, die sich ausdehnt und dichter zu werden scheint, je mehr man bemüht ist, diese zu unterdrücken. In gewisser Weise bettelt dieses Gefühl geradezu darum, ausbrechen zu dürfen, um sich Raum zu schaffen. Um den Frieden im Jetzt zu brechen, denn mit all diesem Langsamen in der Welt und auch in einem selbst wird man doch wahnsinnig. Ist das wirklich so und wenn ja, muss es so sein?

Es wäre sehr wohl möglich, dass man an dieser Stelle lacht, da überraschend der Gedanke auftaucht, dass es doch eigentlich die Ungeduld ist, die den Wahnsinn vorantreibt. Ich sitze auf dem Stuhl und kann fühlen, wie ein kraftvolles Lachen in mir aufsteigt. Da beugt es mich überraschend sanft nach links, sodass ich unter dem Tisch durchsehen kann, währenddessen sich das erfrischende Lachen gleichmäßig und still im Körper verteilt, mein Sein mit reinem Geist durchströmt.

Nun braucht man die Energie der Ungeduld gar nicht zu unterdrücken. Man wechselt nur die Form ihrer Verwendung. Einst griff man mit Worten mehr an als ein, nutzte harsche Gesten und Taten, um den Überdruck rauszulassen und abzubauen. Doch hat dies tatsächlich etwas Nachhaltiges bewirkt? Wurde das Langsame in der Welt weniger? Also jenes, was das kleine ich in mir hemmt, uns im Wege steht oder einfach nicht verstehen will? Man kann das Ganze auch heiter sehen, deshalb lache ich hier schon wieder und bin ganz geduldig bei mir.

Nun ist es wieder gut und der Geist bereit, die Frohe Botschaft mit einem tiefen Ein- und Ausatmen anzunehmen. In allen Situationen erinnerbar, die zur Ungeduld aufwiegeln. Es ist möglich, statt die Ungeduld wortreich und lautstark zu gestalten, diese einfach auszuatmen. Bis man ganz leer ist, ganz rein von Ungeduld oder irgendeinem kämpferischen Bedürfnis leer und leicht im Raum steht. Ungeduldige liegen ja äußerst selten, ob es da funktioniert, weiß ich demzufolge nicht.

Mögliche Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Nur wenn man merkt, dass aus dem Atmen ein Schnauben wird, sollte man kurz innehalten, um sich über die Schulter zu schauen. Derart vergewissere man sich, dass es nicht schon wieder die Ungeduld ist, welche einem gerade die Sporen gibt. Bewusstes und gleichmäßiges Atmen, wirft alles Tobende unwiderruflich, doch sanftmütig vom Pferd. Dies immer und immer wieder, bis die Ungeduld jeglichen Besitzanspruch über uns aufgibt.

 

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