Umkehr 4

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Vor der Umkehr – kommt das Abwenden im Innersten, dem folgt das Äußere. Ein Abwenden, welches alles Ferne aus dem Blick entlässt, um sich der wirklichen Wirklichkeit hinzugeben, dieser wahrhaft einzuverlaiben. Um wieder darin aufzutauchen, in dem, was mein einzig wahrer Lebensraum ist und bleibt. Wer vollkommen anwesend ist im Jetzt und Hier, kann gar nichts versäumen.

In der Welt, in deren Ferne, Enge und ihren haarsträubenden Geschichten, kann ich nur meine Urteile sehen. Also sehe ich mich selbst, all meine innersten Gedanken bezüglich dessen, wie und was ich für wahr anerkenne. Ich sehe alles Tag für Tag, Nacht für Nacht, was die Welt nach meiner Deutung anbietet. Und nur das. Bis mir ein Wunder zufällt und die Sicht mächtig erweitert, mittels Entspannung.

Wer fest glaubt, dass es die Liebe sei, die ihn zum Kampfe ruft und führt, irrt sich. Nicht die Liebe kämpft durch den Menschen, es ist stets dessen einsame Angst. Diese ist tatsächlich ein angstvoller und liebloser Gedanke, mit dem ein Mensch – Sein Selbst verwechseln kann. Denn ist da nur die Angst im Menschen, was könnte er darüber hinaus noch sein? Nur still und offen, für eine andere Art von Sicht und Lösung.

Ein Kampf kann nur zwischen mindestens zwei, sich gegenseitig widerstrebenden Kräften stattfinden, und sein Ende ist am Anfang immer ungewiss. Dies ist die Liebe wahrlich nicht.

Auch ist es kein ’sich‘ Aufgeben, wenn der Mensch in Liebe, nicht zum Kämpfen bereit ist. Vielmehr wendet er sich innerlich ohne Mühe – von jenem ab, was er hat in sich selbst gemacht, im Anschluß in der Welt wahrnahm und nun nicht länger behalten oder weiterhin, mit aufrecht erhalten will. Also jenes, was auf einem Bein nicht lange stehen kann, jenes, was nur über soviel Macht und Kraft verfügt, wie ich diese selbst dem Dinge zuordne, gebe – in mir.

Das Abwenden ist weder mutig noch feige und ebenfalls nicht dumm, einzig wohl vernünftig, da aller Kampf von Mensch gegen Mensch – niemand siegen lässt. Was des Einen Niederlage, wird auch zu der Meinigen, wenn mir demnächst dann jener gegenübersteht, der anscheinend noch stärker, noch raffinierter, noch schlauer – als das Ego in mir ist. Also jener angsterfüllte und lieblose Gedanke, der über alles und jeden und auch über mich, gnadenlos richtet und urteilt, weil er die Liebe weder kennt noch will und ist.

Jetzt und hier bin ich frei, von allem Wahn und Glauben an eine traurig-wilde Welt. Und ich entscheide selbst, wer und was den Thron in meinem Geist ausfüllt. Denn die Zeit der Wegelagerer ist vorbei, ein jeder wird von mir nun liebevoll verabschiedet und auf Nimmerwiedersehen entlassen. Das kleine Volk in mir, mit all den hochgezüchteten Statisten, löst sich im Jetzt allemal auf und dahinter gibt es nichts mehr, was mir bedrohlich erscheint. Allein die Freude bleibt, welche in der Stille mit der Liebe tanzt. Dich und mich mit einem Lächeln erfüllt und derart treu ist, wie das Leben in uns selbst.

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