Dem Himmel treu

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Der Himmel ist blau. Er ist wolkenlos, denn die Wolken gehören nicht zum Himmel, sondern sind Bestandteil der offensichtlichen Fülle des Wassers auf dem irdischen Planeten. Die Wolken bewegen sich unterhalb des Himmels, ebenso wie zumeist der Geist im Menschen sich unterhalb der Stille in ihm. Der Himmel ist wolkenlos blau und des Nachts funkeln in seiner grenzenlosen Weite alle Sterne. Nichts kann in diesen Himmel eindringen. Er ist einfach zu weit weg von der Erde, als dass eines Menschen Hand oder Idee, ihn jemals tatsächlich berühren oder gar greifen könnte, diesen blauen Himmel. Auch Sonne und Mond reisen unter dem Himmelszelt. Am Tag lässt der Sonne Licht, den Himmel in zartem bis leuchtendem Blau erscheinen. In der Nacht ist der Himmel dunkelblau, so dunkelblau, dass man es beinahe für ein Schwarz halten könnte. Doch so dunkel, dass man die Hand nicht vor den Augen sieht, ist der Himmel nie. Eine derartige Dunkelheit kann nur in geschlossenen Räumen erfahren werden, dort, wo mich eine Wand, ein Dach vom Himmel trennt.

Was ich im Außen sehe, ist als Gedanke in mir gedacht, gefühlt und geglaubt worden. Ich kann auch den Himmel sehen, genauer beschrieben – in den Himmel schauen. Doch dies nicht, weil ich ihn mir selber erdacht habe, den Himmel, sondern weil dieser ebenfalls in mir, dem lebendigen Wesen ist. So habe es Jesus Christus bezeugt, steht in der Bibel*. Gott gab ihn all seinen Kindern mit. So dass man sich erinnern kann, an den Schöpfer und die Quelle des Lebens. Eigene Erfahrungen wiederum legen Zeugnis dafür ab, dass der Blick in den blauen Himmel auf das Innerste außerordentlich beruhigend, gar stillend wirkt. Ja, sogar heiter bis grundlos glücklich stimmen kann. Und sollten, da vereinzelt Wolken sein, lösen diese sich auf, wenn man weiter in den Himmel schaut und den Wolken keinerlei Beachtung schenkt. Die Wolke ist im Himmel nicht und somit für diesen auch kein Problem.

Viele Jahre glaubte ich, dass die Wolken zum Himmel gehören und diesen sogar vollständig verbergen könnten. Als ich begann, diesen Glauben zu hinterfragen, wurden die Wolken in meiner Welt weniger. Eine natürliche Wolke ist verschleiertes Wasser. Die Wolke regnet hernieder und löst sich so auf oder wird durch die Wärme der Sonne verdampft. Alle Wolken sind flüchtig und wahrhaft haltlos, genau wie die Gedanken in meinem Geist. All diese Gedanken, die sich vor das Himmelstor in mir gedrängt haben, weil ich sie ahnungslos und unwissend gewähren ließ. Ihnen mein Ohr lieh und oft glaubte, was sie mir weismachen wollten. Doch nur durch dieses Tun in mir, konnten die Gedanken bleiben und ihre Ausläufer in meiner Welt verzweigen, sodass ich letztendlich beinahe gänzlich, der Wolken Schatten für die Wirklichkeit hielt. Doch der Himmel ist blau und wird es ewig bleiben, vollkommen bedeutungslos, mit wie vielen Wolken ich diese Gegebenheit in meinem Geist ignoriere.

 

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Lukas 17:21 „Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“

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