Anstupser
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Es ruft mir im Innersten zu:
„Es gibt nichts zu fürchten, dementsprechend fürchte dich nicht! Und alles Klagen hat noch keinem genutzt, also beende das Klagen jetzt. Lausche für einen langen Moment in dich. Sei still und höre die Stille in allem.“
Leichter gesagt als getan? Ja, so schaut’s aus. Doch wie kann das nur sein, dass es schwerer ist, eine Gewohnheit zu beenden, als eine Gewohnheit zu beginnen? Zuvor ging es doch auch ohne sie, die Gewohnheit. Total verrückte Dinge passieren in dieser Welt. Manch einer quält sich sogar, um sich etwas anzugewöhnen, von dem er sich Gewinn verspricht. Nur, um letztendlich zu erkennen, dass es eine lästige Gewohnheit ist, die er sich da freiwillig angeeignet hat. Eine Last, die sich nun nicht mehr abschütteln lässt, weil man an ihr hängt.
Die tatsächlich lästigste Gewohnheit, welche mir da ganz spontan einfällt, ist jene, mir über alles und jeden so meine Gedanken zu machen, ohne dass es irgendwer verlangt. Also wenn ich die Fächer der Schrankwand in mir aufziehe, welche der Verstand im Wohnzimmer zu stehen hat, um diese mit neuen Informationen zu füllen oder bereits vorhandene zu aktualisieren. Manchmal gehe ich auch in die Dunkelkammer. Jenem Raum in mir, in dem die Erinnerungen gelagert werden. Blickdicht geschützt vor allem Licht, damit sie nicht ausbleichen, die Erinnerungen.
Ganz dunkel kann ich mich an vieles erinnern, doch ob es jemals auch wirklich so gewesen ist, wie ich es einst sah, da bin ich mir im Jetzt nicht mehr sicher. Wenn ich hier ein Fenster öffne, erscheint mir die Vergangenheit in einem wärmenden Licht. Warum auch nicht? Was ich wirklich bin, kann mich nie verlieren. Es greift stets sanft nach mir. Holt mich zurück aus Gedankenschwärmen, die nicht länger mein Zuhause sind. Weil es mich liebt, genau wie dich und alles Leben, welches auf Erden lediglich vorübergehend in eine Form gebunden ist.
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