Unerwartet schön
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Sobald man ganz still in sich wird, sich wach der Stille im Innersten hingibt, den Augenblick mit vollständiger Präsenz ausfüllend, gerät das verstandesgemachte Selbstbild in Not. Es kann nicht zu der Stille beitragen, welche den Geist in uns – wenn auch anfänglich nur vorübergehend – von all dem erlöst, was man gar nicht haben und fühlen will. Zwar mag man das Eine oder Andere am eigenen Ich, doch ganz und gar liebenswert kann es nur für uns sein, wenn man wirklich und tatsächlich liebt. Es ist dann bei weitem nicht mehr so aufdringlich, ratsam und drängend in uns aktiv, wie bisher gewohnt in all den Zeiten, in denen man keinen Grund zum Lieben fand.
So ist es fühlbar und offensichtlich, dass das Lieben einen jeden – liebenswerter erscheinen läßt. Dies nicht nur für die Welt, sondern gradezu auch für uns selbst und man sich sein lassen kann, wie man gottgegeben ist. Das weltliche Ich tritt nun in den Hintergrund. Gibt die Zügel ab, an die Liebe, welche stets mit sanfter Hand das Ihr Anvertraute führt.
Der Gedanke von uns selbst wird in Liebe sanft gehüllt, sodann geläutert von allem Trug und Schein, bis nur noch die Liebe bleibt, die das einstige Ich vor uns verbarg.
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