Sonntagsschule 10

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Einst fragte der Vater im Himmel mich,
ob ich wüßte, was und wer ich sei,
und ganz leicht kam die Antwort zu mir.
Ich bin, was du bist, Vater,
da ich in und nur in dir bin.“

Das ist wahr, mein Kind,
Du bist die Liebe meines Lebens.
Und solltest Du dies jemals vergessen,
werde ich Dich unermüdlich daran erinnern,
dass nur das die Wahrheit ist.“

Da lachte ich freudvoll,
denn in mir war keinerlei Ahnung,
wie es tatsächlich geschehen könnte,
dass ich den Vater vergaß.
Die lebendige Liebe vergesse,
die Er Ist und ich in Ihm.
Dennoch, es geschah.

Ich schlief ein, schlief ein im Himmel und vergaß,
wer ich bin. Anfänglich war der Schlaf noch hell,
doch je länger ich schlief,
umso mehr fühlte ich Schuld in mir,
die jeglicher Erklärung trotzte,
mit mir in jedes neue Glück reiste und
nach den schönsten Momenten
ungefragt heimsuchte.

Der Schuld Gastgeschenk war stets nur
ein dreister Batzen Hoffnunglosigkeit
und trübe Aussichten, einem tiefen Loche gleich,
aus dem zu entrinnen, ganz unmöglich schien.
Und während ich, das eine und auch andere Mal,
ganz tief unten in so einem dunklen Loche saß,
fiel wundersamer Weise stets ein Stern vom Himmel
und gab ein Licht. Gab ein so starkes Licht in meinen Traum,
dass es mich regelrecht aus dem Loche hob.
Viele Male passierte das.

Eines Tages sah ich diese vielen Male, in einem Blick von oben.
Und ich wurde mir dessen gewahr, dass da irgendwer,
irgendetwas war, welches offenbar nicht zulassen wollte,
dass mir ein tiefes Loch zur gewohnten Heimat wurde.

Dies löste sofort die Angst in mir auf,
irgendwann im Nichts zu enden und
nicht mehr wert zu sein, als ein Häuflein Staub.
Und genau dort, wo diese Angst einst hauste,
lag auch die Erinnerung an den Vater und die Liebe,
die Er ewig Ist und ich bin.

Die Angst hatte alte Lumpen über die Erinnerung geworfen,
sodass ich diese nicht erkennen konnte, nur die Lumpen sah.
Doch jetzt erinnerte ich mich fühlend wieder,
dass der Vater ewig gleich liebt und
weder ich noch eines der Geschwister,
jemals Seine Liebe erschüttern können.

Sie, die Liebe des Schöpfers allen Lebens,
die Liebe des Lebens Selbst,
ist der Fels in der Brandung der Welt
und in unser aller Leben.
Dem wahrhaft Einen Leben,
das Er mit uns allen teilt.

Ein Leben, in dem alle Gaben des Vaters, allen gegeben sind.
Als Erstes hätten wir da, die Gabe des Lebens.
Diese ist eng verwoben, mit der Gabe des Liebens.
Denn offensichtlich ist, dass alles, was ohne Leben ist,
auch von der Liebe weder weiß noch lieben kann.

Wiederum ein Leben ohne Liebe, ist das wahrhaft eines?
Da könnte man doch, anstatt die Frage
nach dem Huhn und dem Ei zu stellen,
sich glatt mal fragen:

Was war zuerst da, das Leben oder die Liebe?

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