Wunder als Norm

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Ein Wunder kann man nicht verstehen, da der Verstand nicht an Wunder glaubt. Auch dann nicht, wenn ein Wunder vor unserer Nase passiert, da es seine Überzeugung ist, dass es keine Wunder gibt. Denn für den Verstand ist alles erklärbar und kann verstanden werden, wenn man nur lange genug darüber nachdenkt. Vergleicht, grübelt, was man sah solange infragestellt, bis sich eine Erklärung anbietet, mit der sich der Verstand zufrieden gibt. Es gelingt ihm einfach nicht, etwas zu akzeptieren, das er nicht versteht.

Für den Verstand in mir, musste es immer eine Erklärung geben. Insbesondere dann, wenn es um eine Schuldfrage ging. Denn die Schuld ist so ein Ding, vor dem sich der Verstand nur schützen kann, wenn er diese einem anderen zuweist. Doch nicht nur dafür, sogar, um für sein Leben zu danken, braucht der Verstand in mir stets einen nachweisbaren Grund. Das Leben allein – ist ihm nicht genug. Denn aus des Verstandes Sicht, mangelt es darin an vielem. Und kaum ein Augenblick vergeht, in dem der nimmermüde Geselle in mir nicht redet.

Zu Entlastung des Unruhestifters mag hier angeführt werden, dass er genau wie du und ich, nicht geben kann, was er nicht hat. Allerdings sind wir sein Wirt, haben ihn genährt, gepäppelt und verehrt. Dies nicht nur in uns, sondern auch rundherum in aller Welt. So gab man dem Armen beständig neue Informationen, damit er daraus die beste und sicherste Welt ersinne, die ihm, ja ihm und nicht dir und mir, vorstellbar wäre. Wir begrüßten seinen Eifer und niemals gab man ihm freiwillig Urlaub.
Allerdings bedenke, wenn sich der Verstand nicht, mit seinen Problemlösungen geirrt hätte, sollten doch heutzutage unglaublich viele Probleme bereits ausgemerzt sein. Sind sie aber nicht. Ständig wechseln diese lediglich ihre Form, die Kleidung und den Ausdruck, tarnen sich gar manchmal als Glück oder als ein Muss.

Auch wenn man es kaum glauben kann, man hört dennoch auf ihn. Hat den Verstand gar zum Gott erhoben, da ohne den Denkfanatiker, ja heutzutage gar nichts mehr geht. Man fühlte sich berufen dies zu tun, da es ja dem Verstande nach – weder einen Gott noch einen Schöpfer oder eine höhere Macht geben kann. So muss man für sich selbst sorgen, da man sonst untergeht. Es ist denkbar, dass man so unter die Räder der Welt kommt, die erbarmungslos alles zermalmen, was sich nicht in deren Getriebe einpasst.

Derart sah zumindest mein Verstand die Welt und dies jahrzehntelang. Heute schaue ich überwiegend ohne Verstand, beziehungsweise verstehen zu wollen, in die Welt, also leer/frei im Geist. Und was ich dort sehe, braucht in keiner Weise bedacht, verändert oder gefürchtet werden. Es ist einfach da und geht auch wieder vorbei. Das kann man jedoch nur erkennen, wenn man es gehen lässt und sich nicht, mittels Verstandeshilfe ärgert, es weiter beurteilt und somit darin festbeißt.

Nehmen wir mal an, der Hund des Nachbarn hat sich auf dem Rasen im Garten entleert. Nun steht man vor dem unschönen Anblick und der Verstand unterbreitet zügig Angebote für berechtigte Reaktionen. Das Übelste von diesen rät, unverzüglich einen Krieg mit dem Nachbarn zu beginnen. Denn eindeutig wurde hier die Grenze überschritten, was keinesfalls akzeptabel sein kann.
Der menschliche Verstand ist allgemein und ab einen gewissen Alter, außerordentlich geübt in Kriegsführung. Doch manchmal sind seine Strategien auch derart heimtückisch, dass sie schon wieder witzig erscheinen und etwas in uns, beim Vergeltung schmieden – lachen muss. Nach dem Lachen folgt stets ein Moment der Stille im Innersten. Dies sind die Momente der Heilung im Geist.

Dann taucht da zum Beispiel plötzlich in uns die Frage auf: Wozu der ganze Aufwand? Denn wahrlich geht es um nichts. So findet hier das Wunder im Geiste statt. Ganz natürlich, vollkommen selbstverständlich und ohne jede Einmischung des Verstandes, der in derartigen Angelegenheiten noch nie ein wirklich guter Ratgeber war. Vielmehr berechnend.

Ganz ohne Berechnung, holt man sich nun still eine Tüte und beseitigt die kleine Bescherrung, so ganz ohne Mühe und Frust. Das wars, mehr war nicht nötig, um den Frieden zu wahren. Den Frieden mit dem Nachbarn, mit dessen Hund, mit dem Nächsten und vor allen Dingen – in sich selbst. Denn in Wahrheit ist ja auch gar nichts passiert.

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Nachdem ich nun im Text etwas vom Wege abkam, soll hier noch einmal an den Beginn des Beitrages erinnert werden. Stellen wir uns einmal vor, wir leben in einem Leben, beziehungsweise in einer uns umgebenden Welt, in der Wunder so natürlich, ja gar selbstverständlich sind, wie es in der bisherigen Welt die Probleme waren. Wenn wir in dieser anderen Welt, allerdings weiterhin nur nach Problemen Ausschau halten, gar welche erfinden und an diese glauben sowie für alles eine Erklärung brauchen, können weder du noch ich bemerken, dass sich die direkte Welt um uns herum verändert hat. Und wir werden weiter leiden, obwohl all das, was der Verstand uns weismacht, nur ein Trugschluß ist.

Das ist weder Gottes Wille noch der Unsere. Dank sei Ihm für all die liebevollen Wunder, welche dir und mir die Augen öffnen, damit wir sehen und fühlen, wo und wie die Liebe ist! Eins im Hier und Jetzt, in dir und mir.

Dankeschön fürs Lesen und Fühlen.
Die Freude möge unerschütterlich mit dir sein!

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