Die Gaben der Erde

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Von Kindheit an wurd ich vollgestopft, mit Geschichten über die Gewalt der Natur, welche dem Menschen feindlich gesinnt sei. Vom Ringen des Menschen mit der Erde, um deren Schätze – hab ich dann eigenäugig gelesen. Im Alten Testament wird sogar empfohlen, sich die Erde zum Untertan zu machen. Dann wäre ich dementsprechend Gottes Knecht und die Erde der meinige. Jetzt entweicht mir ein Lachen und klärt still den Blick.

Kann man das auch anders sehen, eventuell einfühlsam?

Es ist die Erde, welche uns den Stoff schenkt, aus dem alle Bücher gemacht sind. Das gilt sowohl für das Buch als Ding und ebenso für dessen Inhalte. Kein Mensch könnte das Leben erfahren, gäbe es die Erde nicht. Gegen das, was uns nährt zu kämpfen, gar damit zu ringen, ergibt keinen wirklichen Sinn.

Und zu keiner Zeit war ich mir selbst ferner, wenn ich in mir und um mich kämpfte, gegen einen Bruder oder gegen die Natur – die des Menschenkörper wahre Heimat ist. Jeder Kampf entfernte mich mehr von der Wahrheit, die aus reiner Liebe ist. Liebe kämpft nie, denn sie ist unverwundbar und gleichgültig gegen wen, der Kampf mit ihr wäre nicht fair, nur aussichtslos.

Die Fruchtbarkeit der Erde ist kein Geheimnis, das der Bauer dieser entringen muss. Vielmehr gibt sie ganz ohne Forderung oder Ultimatum. Man erinnere sich, „Siehe die Vögel auf dem Feld, sie säen nicht, sie ernten nicht, und Gott ernährt sie auch.“ (Wirklich Heilige Schrift)

Allgemeingültig bleibt lediglich, dass die Natur der Erde, dem Menschen die eigene Natur und alle darin verborgenen Vorgänge und Fähigkeiten widerspiegelt. Der Erde Gedeihen offenbart uns im Außen, was in des Menschen Geist und Herz erblüht, was in seinem Innersten passiert. Selbstverständlich jene Erde und deren Natur, die den Menschen überwiegend unmittelbar umgibt. Nur dort im Gegenwärtigen, ist der Mensch tatsächlich handlungsfähig.

Eines Menschen Blut ist sein Öl, das Wasser wiederum spiegelt den uns bildenden Geist. Je klarer und reiner dieser durch den Körper strömt, um so sicherer und vertrauter ist dieser Mensch in des Einen liebevoller Wahrheit daheim. Lebendig und geliebt. Alle Gedanken sind Samen, die je nach Beetqualität zum Ausdruck kommen können. So ist des Menschen Körper wohl die einzige Erde, die er sich untertan machen kann, doch dies mit Geist und keinesfalls mit Härte.

Das wilde Schwein im Wald muss nach den Trüffeln graben. Es ist ihm Bestimmung und Gewohnheit zugleich. Der Mensch wiederum, braucht gar nichts zu tun, damit die Weisheit aller Zeiten und darüber hinaus, ihm im Innersten zur Erkenntnis gereicht wird, sodass er jederzeit und überall – mit Freude und auch frei von Anstrengung – da sein kann, wo das Göttliche ihn eingesetzt hat.

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