Empfehlung des Tages 7

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„Meine Heiligkeit ist meine Erlösung.“* 

 

Was ist heilig? Wenn meine Heiligkeit mir Erlösung ist, will ich sie finden, also die Heiligkeit, die die meine ist. Über viele Jahrzehnte ließ ich mich vom Verstand unterrichten, was das eigentlich ist – so ein Heiliger Mensch. Ganz klar war, dass alles Heilige gegen keine Gesetze verstößt. Obwohl, wenn man es genauer beschaut, in vergangener Zeit auch jene heiliggesprochen wurden, die angeblich damals – zumindest teilweise – von den Dogmen der Mutterkirche abwichen. Man erinnere sich nur an die Worte, welche angeblich von der Heiligen Theresa von Avila geschrieben wurden, „Ich bin ein Weib und noch dazu kein gutes.“ Doch nun ist sie Heilig, gleichgültig – wie sie einst in Lebzeiten über sich selbst dachte und sprach. Sie sah mehr im Geist – als der Papst, was in der damaligen Zeit – nicht ungefährlich war. Dennoch hat es ihr nicht geschadet, weil sie wohl offensichtlich bereits vor ihrer Heiligsprechung heilig war. Denn wenn der Vater heilig ist, dann sind es auch Seine Kinder.

Wenn man nun den Gedanken der Heiligkeit und des Heilseins einfach mal in sich wirken lässt, dann bemerkt man, wie dieser Gedanke entspannend wirkt. Zum Beispiel sich mehrmals hintereinander langsam zu sagen, Ich bin heilig, bringt den sich selbst Hörenden und Fühlenden in eine seltsame Schwingung. Sich der eigenen Heiligkeit gewahr werdend, wird man für die Dauer des Moments von allem Anderen erlöst. Von allen Nebensächlichkeiten, um direkt zu sein. Denn in dieser Heiligkeit – gibt es weder etwas zu bedenken, zu planen, zu ahnen, oder was auch immer. Die Heiligkeit befreit von allem Überflüssigen, und in diesem Moment ist sich der Mensch seiner Unantastbarkeit bewusst. Dabei denkt er weder an Macht, noch lockt ihn irgendein Größenwahn, er ist einfach nur – was er wirklich ist. Heil in sich, vom Zwang für Falsch oder Richtig zu stimmen befreit, damit zugleich von Ärger und jeglichem Wollen oder Müssen.

Diese widerspruchslose Erfahrung der uns eingeborenen Heiligkeit ist ein Segen, der sich auf alles, dem man im Leben begegnet, ausdehnen lässt. Mit der Zeit gewöhnt man sich sogar daran, dass sich viele der einstigen Ärgernisse, ganz ohne Komplikationen auflösen. Anfänglich ist dies nicht leicht akzeptierbar, doch nach einer Weile – ganz selbstverständlich.

 

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* Zitat gefunden in Ein Kurs in Wundern, Übungsbuch, Lektion 39

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