Reines Herz und Eigentum

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Am Vergangenen kann nichts verändert werden, insbesondere dann nicht – wenn es gar nicht unsere selbst erfahrene Vergangenheit ist. Diese kann ich nur ansehen, mich einfühlen, durch Abstand weitere Zusammenhänge erkennen, doch lernen für mein Leben im zeitlosen Jetzt, kann ich aus der Vergangenheit des Anderen – nichts. Denn alle Vergangenheit fand in einem anderen Zeitrahmen statt. Beinahe alles hat sich seitdem verändert und die Bedingungen, zwischen denen mein tatsächliches Leben sich ausdrückt, gleichen den damaligen nur noch oberflächlich. So kann ich scheinbar des Anderen Fehler im Leben finden, doch wird mich dies keinesfalls vom blinden Selbstverständnis, eigene Fehler zu machen, abhalten oder bewahren.

Selbstverständlich ist es erschreckend wie groß und umfangreich – im weltlichen Maßstab – Lügen in die Geschichte gestrickt werden können. Gleichfalls weist dies allerdings auch darauf hin, wie lange der Mensch in Herz, Verstand und Denken geschlafen hat, sich einlullen ließ und auf dem rostigen Gleis den Leitschafen vertrauensvoll gefolgt ist. Denn mit Klarheit eingefühlt, war es doch weder deine noch meine Geschichte, um die es in den Medien stets ging und geht. Soweit mein Auge blickt und auch das Herz fühlt, weicht die mir nahe Realität unbeschreiblich von jener der Papiertiger und Zeitungsenten ab.

Und ich erinnere mich, als Kind sah ich nur selten fern und Zeitung las ich nie. Das wahrlich Nahe war mir Realität und Möglichkeit genug. Alle Gedanken, die es zum Leben brauchte, fand ich in mir selbst. Leid sah ich so gut wie nie, auch damals schon lediglich im Fernsehen. Obwohl ich zwischen vielen Menschen lebte, die Orte meiner kindlichen Erfahrungen häufig wechselten, war nirgendwo echtes Leid zu entdecken. Auch selbst litt ich kaum, denn es gab ja keinen Grund. Alles Wissen diesbezüglich, wieso, in welcher Form und weswegen der Mensch leiden darf, kann und muss, eignete ich mir erst in den halbzarten Jahren an.

Rechne ich also die ersten 12 Jahre Kindheit ab, folgten dieser immerhin 24 gewöhnliche Jahre, die ich wohl dringend benötigte, um Notwendiges zu erkennen, zu erinnern, enttäuscht zu werden, um als Mensch wieder aufzuwachen, um da zu sein. Und um dann auch wach zu bleiben, bedarf es wahrlich einer steten Verbindung in das Innerste, bis sich das Ganze verselbstständigt hat. Was für ein Wort! Es gibt dann zwar immer noch Höhen und Tiefen, doch die Freude füllt stetig mehr Raum, und beinahe nichts ist jemals wieder so tief – wie das gewohnte Tief zuvor. Lediglich die Einsicht, diese endet erst – im Mittelpunkt der Erde und dem Gewölbe des Himmels. Zumal es heutzutage tatsächlich so einfach ist, dass man nun in sich munter aufklären kann, was sich im Äußeren, trotz aller Schliche, Kraft und Ausdauer – nicht verrücken lässt. In gewisser Weise nähert sich der Mensch, und dies wahrhaft ohne Unterlass – sich Selbst. Es findet eine Umkehrung der Sichtweise statt, da die Antworten, welche man beharrlich in der Welt suchte, nur im Innersten des Menschen abrufbar sind und selbstverständlich einleuchten.

Das Feld, in dem wir, in dem du und ich lebendig strömen, ist rein (neutral), stark und individuell gestaltbar. Es ist bedingungslose Liebe, in die wir unsere Bedingungen mittels Gedanken und Empfindungen säen, damit vor unseren Augen, in unserer Wahrnehmung und aller Fühlbarkeit, sich all jenes ausdrücken und erfahrbar machen kann, was wir ganz allgemein unser Leben nennen. Und es ist schon ein fühlbarer Unterschied, ob ich mich und das Land meiner Geburt als Opfer wahrnehme, oder als schöpferischen Geist, der bisher aus jeder Notlage einen neuen Phönix machte. Darüber hinaus hat doch die Seele in diesen Zeiten bereits alles erlebt, was ein Mensch jemals fühlen, erfahren und tun konnte.

Ich denk gerad mal nach, wie es sich beispielhaft abbilden lässt. Unser Leben ist ja privat. Wir alle sind Privatiers in dem Feld der Liebe, deren Energie uns bedingungslos all die Abenteuer direkt vermittelt, also erleben lässt, die uns vorstellbar sind. Die Energie der Liebe macht da gar keinen Unterschied, steht jedem Einzelnen nach Bedarf zur Verfügung, auch dem aus unserer Sicht bösen Menschen. Doch solange wir keinen Derartigen in uns vorsehen, oder sonstwie mit wertender Aufmerksamkeit begatten, kann desgleichen auch nicht in unserem wahrhaften Umfeld Ausdruck finden. Denn wie bereits dargelegt, das unbedingte Feld der Liebe ist transparente Energie, die erst bedingt durch die Idee, das Empfinden und die Vorstellungskraft des Menschen, alles liefern kann – was denkbar, formbar und auch undenkbar ist. Was der Mensch sozusagen, sich aus der transparenten Energie herauskristallisieren sehen will, was hervortritt durch ihn. Das wahre Abenteuer findet im Mensch statt, bevor er es im Außen wahrnehmen kann.

Alles passiert in uns, passiert unser Denken und Fühlen – bevor wir dessen Auswirkung im Umfeld bemerken. Oft führen wir uns in gewisser Weise sogar selbst an der Nase herum. Denken uns leidend, machen aus jeder Mücke gleich drei Elefanten, spielen gar Schicksal in anderer Menschen Leben und all dies nur aus Langeweile gewoben, in all dem Reichtum, dem Frieden und der Liebe, mit der wir offensichtlich nichts anzufangen wissen, was über das uns bisher Bekannte hinausreicht. Denn das wirklich Eigene ist kein Nachgeahmtes, vielmehr eine Qualität des Lebens, die dem Eigner und seinem Umfeld solange unbekannt bleibt, bis der Mensch fündig wird, und zwar in sich selbst.

Mit jedem Wahrnehmen des unveräußerlichen Eigentums, durchströmt den Eigner unbeschreibliche Freude und Liebe, die zur Mehrung des Wiedergefundenen kraftvoll beitragen können. Keinesfalls denkt der Eigner in Zahlen, dies ist vielmehr Stückwerk der Person im Eigner, die nun keine Rolle mehr spielt, sondernd langsam dahinschwindet, während der Mensch um den Eigner erblüht.  Und letztendlich, werfen wir noch einen Blick auf die Friedhöfe, dorthin, wo der offensichtliche Eigner die Erde ist – hier, jetzt und ewig bleibt. Die Erde erweist sich als die wahrliche Eigentümerin von allem, uns bisher bekannten und unbekanntem Leben. Denn für alles Dingliche, was der Mensch sich aus dem Nichts als Idee nahm, gab die Erde ihre Stofflichkeit, um die Idee greifbar zu machen. Alles, was der Mensch heutzutage seinen Körper nennt, alles Dasein und alles Ding, entstammt in dessen Greifbarkeit der Natur der Erde. Nichts hat der Mensch dafür getan, dass es die Erde gibt. Alle Schätze, alle Möglichkeiten, alles Bau- und Zuchtmaterial fand er vor. Kein Gebirge hat der Mensch selbst erschaffen und kein Meer mit Leben gefüllt. Von allem konnte er nur nehmen, weil es bereits vor ihm da war.

Dementsprechend kann wahrhaft nur im Lebendigen des Menschen selbst, in seinem weiten Geist, etwas wirklich Eigenes gefunden werden und nirgendwo sonst.

Folglich hat die klare Gegenwart stets eine Qualität, die derart allumfassend fühlbar und dazu auch noch derart greifbar ist, dass der Blick auf Vergangenes mehr und mehr an jeglichem Reiz verliert. Sodass der Mensch in sich erkennen kann, was hinter den gewohnten Gedanken zu finden ist und auch wie sich seine Seele aus reinem Herzen, nach dem nur ihr Vorstellbaren sehnt. Also nach dem tatsächlich Eigenen, in des Menschen Leben. Nie sehnte sie sich nach Schmerz oder gar Leid, denn die Seele ist keinesfalls masochistisch veranlagt. Die Idee sich selbst zu quälen, wird berechtigterweise dem gebildeten Menschen zugeschrieben. Doch dem Schöpfer des Lebens sei es gedankt, sind die Zeiten derart, dass die Seele im Menschen – dessen Verstand unaufhaltsam bewegt, den Blick vom Abscheulichen zu nehmen und verstärkt dem zuzuwenden, was bedenkenlos erblühen mag.

 

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