Der Kuchen

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Der Kurs erinnert das wahrhaft Heilige in uns – an all das, was wir im Verlauf unserer scheinbaren Entwicklung vergessen haben. Was wir rein äußerlich geworden sind, ist nämlich in Wahrheit keine Entwicklung, sondern vielmehr ein Fortschritt – ganz im ursprünglichen Sinn des Wortes – von uns selbst, hinweg von dem, was wir wirklich sind, was uns gehört und worauf wir ein Anrecht haben. Letzteres von Geburt an, und zwar in jedem Moment unseres Lebens.

Schmerzvoll macht sich dies in uns bemerkbar. Macht sich bemerkbar, dass wir die Freude gegen den Kampf eintauschten, die Liebe gegen Groll und am Härtesten wird wahrnehmbar, dass mit jedem Urteil in uns selbst, gleichgültig nun ob bezüglich der Welt, unseren Nächsten betreffend und insbesondere uns selbst, der Frieden keinen Raum mehr in uns haben kann. Denn alles im Menschen ist belegt, zwängt und drängt sich in uns aneinander, all die Ängste, Wertungen und Urteile, sodass nirgendwo mehr ein Licht zu sein scheint. Und die Dunkelheit, welche stattdessen den Menschen nun ausfüllt, dessen Gesicht mehr und mehr verfinstert, hat sein ganzes Dasein fest im Griff. Dies derart, dass er sich zwar die Dinge noch hin und wieder anders vorstellen kann, doch diese seine schöne Vorstellung – tatsächlich auch als eine wahre Möglichkeit annehmen und nur nach dieser Ausschau halten, erscheint ihm selbst lächerlich.

Bevorzugt hält er dementsprechend weiterhin an seiner Sicht von Welt fest, die ihm nicht behagt. Denn allein dies, scheint ihm jene Sicherheit zu geben, nach der es ihn innerlich sehnsuchtsvoll verlangt. Und obwohl jeder Menschen im Verlaufe seines Lebens gleichfalls erfährt, dass all jene Sicherheit, die die Welt ihm verspricht, lediglich eine trügerische Angelegenheit ist, wendet er sich nicht ab von jenem, was tatsächlich lediglich durch sein augenscheinliches Festhalten und starres Beharren – dort ist – wo er es erblickt.

Der Mensch denkt sich mit Hartnäckigkeit kompliziert, denkt sich krank und sterblich sowie in Bezug auf seine Macken – gar einzigartig. Seine Komplizen sind dabei all jene Gedanken, an denen er hängt, obwohl diese für sein wohles Sein – fühlbar ohne Wert sind. Der Kurs nun fordert den Lesenden mal sanft, mal eindrücklich dazu auf, all den Quatsch in sich zu hinterfragen und loszulassen, den er sich seit der Kindheit selbst auferlegt hat und zu einem Freifahrschein in die private Hölle macht. Die Hölle der Aussichtslosigkeit, der Unberechenbarkeit des Anderen, des leidhaften Vergehens, ohne sich auch nur ein einziges Mal seiner wahren Herkunft und Funktion in dieser Welt, bewusst geworden zu sein.

 

Woher kommt der Mensch und wohin führt  ihn sein Weg?

Der Mensch erscheint uns als ein Körper, welcher wiederum mit einem Geist gesegnet ist, der dem Körper Kraft, Beweglichkeit und einen Zweck gibt. Und wie es wahrhaft im 1. Teil der Matrix-Trilogie zum Ausdruck gebracht wird, kann der Körper ohne Geist nicht leben. Ist der Geist aus diesem gegangen, verfällt er in eine Starre, die in dieser Welt kein Mittel heilen kann. Doch der Geist kann weder erkranken noch sterben, deshalb muss er den Körper irgendwann verlassen, wenn er diesen mit seinen Gedanken abgewirtschaftet hat. Denn der Geist, das göttliche Kind in uns allen – ist der Erbe des Lebens, welches ewig währt. Dies ist das Wahre, was wir wirklich sind. Bis wir dies erkennen, tappen wir blind durch die Welt.

Der Körper wiederum bildet vorübergehend jene Hülle, welche dem göttlichen Kind in uns das Erfahren, Wünschen und Vorstellen ermöglicht. Im Kurs lassen sich auch Gedanken finden, die auf einen unverweslichen Körper hinweisen. Also wie bei Jesus Christus – der ja im Körper wieder auferstand. Ostern ist noch nicht lange vorbei und immer noch hängt Jesus Christus in den Kirchen am Kreuz, obwohl Ostern das Fest des Lebens ist, leugnet man dort mittels des Kreuzes – die wahrhafte Möglichkeit der Auferstehung. Denn dieses wollte uns der 1. Sohn Gottes aufzeigen und nicht als Opfer für unsere Sünden herhalten. Offensichtlich hat man ihn missverstanden. Denn das Göttliche will und braucht kein Opfer, und Jesus Christus wusste – dass er als ein Kind Gottes – gar nicht sterben kann.

Auch wenn es scheinbar schwer begreiflich ist, bleibt es doch des Kindes einzige Funktion in seinem Leben, zurückzufinden zu sich selbst und jener allumfassenden Liebe, die es – auf des Kindes Wunsch – hinein in die Welt gab. Das Einzige, was das göttliche Kind an seiner Umkehr hindern kann, ist hier auf Erden dessen sogenannter freier Wille, welcher stets an einen Zweck gebunden ist – und somit wahrhaft niemals frei. Und all das, was das kleine ich im Menschen kämpferisch anstrebte, erweist sich letztendlich als wert- und haltlos. Der Wille nützt dem Menschen gar nichts, gereicht ihm sogar desöfteren zum Schaden, wenn er nicht mit dem des Göttlichen Eins ist. Der Wille des Göttlichen wiederum währt ewig und besteht einzig und allein darin, dass Sein Kind glücklich, frei und freudvoll ist. All diese Zustände schließen Leid und Krankheit aus. Deren Erscheinungen ja nur die Schatten von des Menschen selbst erwählten Gedanken sind, die im Licht der Wahrhaftigkeit – keinesfalls lange Bestand haben können.

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Stell dir einmal vor, du hättest gern ein Stück Kuchen. Stell dir weiter vor, dass dieses Stück Kuchen dir von irgendwem gebracht wird, ohne dass du selbst laut danach fragst. Eventuell brachte dir sogar ein Mensch den Kuchen, den du nicht wirklich leiden kannst, doch was soll‘s, nun ist der Kuchen da. Liegt vor dir auf dem Teller. Doch anstatt den Kuchen einfach zu genießen und dankbar dafür zu sein, dass der Wunsch so leicht erfüllt wurde, beäugst du das Stück mit suchendem Blick. In dir beurteilst du, was du in der Welt auf deinem Teller liegen siehst, obwohl es dein Wunsch war, den Kuchen zu erhalten.

Und nun steigen dir Gedanken in den Sinn, die das – was ist – mit all dem vergleichen, was einmal war. Der Kuchen sieht eventuell anders aus, als du es gewohnt bist. Das Stück erscheint dir zu klein, um deinen Appetit zu stillen. Je länger du auf das Stück Kuchen blickst, umso mehr nimmst du wahr, was dich daran stört. Dich stört daran, dass dir ein Wunsch erfüllt wurde? Irgendwann greifst du doch noch zu der Kuchengabel und kostest ein Stück. Bist du dabei immer noch im Widerstand gegen das Wunder, was dir genau betrachtet zugefallen ist, wirst du die Gabel auf den Teller werfen und dir selbst bestätigen, dass dies nicht der Kuchen ist, denn du dir bestellt hast. Doch er ist es, du allein willst es nicht wahrhaben.

Lässt du jedoch zuvor all die Gedanken des Widerwillens in dir los, die im Grunde genommen gar nichts mit dem Kuchen selbst zu tun haben, schließt einfach die Augen beim Kosten und genießt das Stückchen Kuchen in deinem Mund, wirst du genau das Empfangen, was dir das Göttliche zukommen ließ.

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Der Kuchen ist nur eine Metapher für all jene Dinge, die wir uns im Leben gewünscht haben und die uns ohne erwähnenswerte Anstrengung zufielen. Die uns gebracht wurden, oder wir zu diesen. Genau wie die Liebe, wenn in dir und mir Raum für ihr Licht ist.

Wir, du und ich sind die Kinder des Göttlichen und nur dessen Gesetze haben Gültigkeit für jenen, der sich seiner Herkunft wieder vollkommen bewusst wird. Das Gerechteste von allen lautet:

Du empfängst, was du gibst.

Es ist wahrlich einfach zu verstehen. Geb ich Atem, bekomme ich weiteren Atem. Geb ich Urteil, wird mir dieses in der Welt begegnen. Geb ich Zorn, werd ich darin verbrennen. Geb ich Frieden, kann nichts wirklich meine Welt erschüttern. Und geb ich Stille oder Liebe, kann ich mich selbst darin erblühen sehen und bekomme Freude ohne Maß. Nie zuvor war der Zeitpunkt günstiger als Jetzt, um damit klar zu kommen, dass du und ich – in uns das göttliche Kind haben und sind.

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