Die Heilung

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Das Streng sein mit sich selbst, verlernt man ganz zuletzt. Liebe ist nie streng, sie ist gütig – gütig wie Gott.

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Geschichte wird gemacht. Gleichgültig, ob es sich um die kollektive Geschichte der Menschen handelt, oder um die des Einzelnen, Geschichte wird gemacht. Und weil Geschichte gemacht wird, kann sie jederzeit verändert werden, gekürzt, verlängert, ergänzt. Bis sie endlich als bedeutungslos in der Wirklichkeit erkannt wird, da kein Gotteskind eine eigene Geschichte hat. Nur das Unveränderliche erweist sich als beständig, da Gott stets vollkommen erschafft. Die Vollkommenheit braucht keine Geschichte, um sich lieben zu können und auch in alle Ewigkeit geliebt zu fühlen.

Geschichte wird gemacht. Das Ego ist ihr Macher. Jener Gedankenzug im Menschen, der dauerhaft machen will, ohne jemals dabei Beständigkeit anzustreben. Denn nichts ist gut genug. Das Gemachte wackelt in der Zeit und kann durch 1000 Augenpaare betrachtet, außerordentlich unterschiedliche Bilder erzeugen. Keines davon ist ein Wahres, denn da Geschichte gemacht wird, ist sie stets wandelbar. Wahrheit jedoch kann man nicht wandeln. Sie ist – bevor man wurde. Und nur, weil es die Wahrheit schon vor dem Menschen gab, kam er überhaupt zu Leben. Die Wahrheit ist Liebe. Liebe, in der sich alles irgendwann wiederfindet, was zuvor in der eigenen Geschichte verloren schien.

Erkennt das Gotteskind sich in der Liebe wieder, braucht es den Macher nicht mehr. Nun kann es ewig heil, froh und glücklich sein, weil allein die Liebe dafür genügt.

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Um zu heilen, müssen Menschen alles verlernen, was in der Geschichte als heilsam und hilfreich galt. Und das Streng sein mit sich selbst, verlernt man ganz zuletzt. Doch dann wird es zur Befreiung für alle und alles, wenn die Erkenntnis das Feld mit Licht flutet, dass Liebe nie streng ist, nur gütig, gütig wie Gott, mit jedem von uns. Ausnahmslos.

Wer dies bestreitet, macht weiter Geschichte, bis er einsieht, das muss gar nicht sein. Die Liebe war ihm schon treu, bevor alle Geschichtsmachung begann. Und ohne Geschichte leben, erweist sich wie Reisen ohne Gepäck. So leicht und strömend, dabei den Horizont ausdehnend und letztendlich beständig liebenswert.

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