Wonach sehne ich mich?

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Das temporäre Ich in mir kennt keine Sehnsucht, vielmehr wünscht es im Kopf, was es für unverzichtbar hält und auch glaubt zu kennen, beziehungsweise gar zu brauchen, um lebendig, freudvoll, zufrieden, geliebt oder normal glücklich zu sein. Das Gewünschte wurde vom Ich bereits irgendwann und irgendwo einmal entdeckt, gesehen und gemerkt. Ab da war es ein Bild in der kleinen Schatzkammer des Ich, welches jederzeit zum Vergleichen diente, um die Abweichungen der gegenwärtigen Situation vom Wunschbild messen zu können.

Da Zeit für die Seele keine Rolle spielt entspringen – alle mit zeitlichen Vorgaben bedingten Wünsche, ebenfalls dem Ich im Menschen. Sich dessen bewusst kann ein Mensch erkennen, das sein Sehnen aus der Seele kommt, denn das Sehnen akzeptiert keine Grenzen. Dann zeigen sich uns Möglichkeiten, die das Ich nicht in Betracht ziehen würde, weil aus dessen Sicht unerfüllbar, mit großen Aufwand verbunden, oder ohne überzeugende Nützlichkeit, dies allgemein bezogen auf den Rahmen all des bisher Erfahrenen.

Somit ist uns das Sehnen der Seele in all jenen Gedanken, inneren Bildern und Empfindungen einsehbar, die über alles uns bis dahin Bekannte hinausreichen. Genau betrachtet, handelt es sich dabei stets um das kaum Vorstellbare, denn man hat ja noch kein Bild davon und kann die Empfindungen des Moments anfänglich nirgendwo einordnen.

Entdecke im Alltag … Das Ich in uns strebt nach dem Bekannten, die Seele wiederum zieht es ins Unbekannte, in Gelegenheiten, Erfahrungen und Umgebungen, die sie noch nie zuvor erlebt hat. Auch in die Natur, weil es dort ebenfalls in jedem Tag etwas Neues, zuvor kaum bis nie Gesehenes zu entdecken gibt.

Dementsprechend lautet die Frage wohl wahrhaftig:

Wonach  sehnt  es  sich  in  mir?

 

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