Wort und Wahrnehmung

Wie das Wort, welches die Gestalt Jesus in mein Leben schrieb, jemals entstanden ist, weiß kein Mensch genau. All die Worte, die in der Bibel und in sogenannten anderen Heiligen Schriften nachlesbar sind, wurden gefunden. Kein Lebender der Gegenwart war bei deren Niederschrift zugegen. Lang, lang ist es her. Darüber hinaus ist aus dem Geschichtsunterricht bekannt, dass diese Worte mehrfach gründlich überarbeitet, sortiert und derart ausgelesen wurden, wie wohl keine Schrift aus dem Vergangenen jemals sonst. An selbst berufener Stelle wurde entschieden, was der Mensch lesen darf, was es wissen darf, über das allgemein Gültige hinaus. Zensur ist kein Akt der Neuzeit, sondern wurde stets von den Herrschenden genutzt, um den Geist des Volkes zahm zu halten und auch mal zu stutzen. Würde der Geist des Menschen, nicht gemaßregelt werden, so könnte er uns wahrscheinlich mit ähnlicher Fruchtbarkeit und Fülle, wie sie der Natur eigen sind überraschen. Naja, und das wäre möglicherweise kaum auszuhalten.

 

Morgenrot

Alles, was wir scheinbar müssen,
hält uns davon ab,
was ist – zu lieben
und auch zu sein,
mit ganzem Herzen, klar im Geist.

Zu sein, wofür uns die Liebe bestimmt,
beflügelt, beruft und
sanft erhebt das Haupt in uns
sowie allen Sinn und Sehn darin,
fühlbar macht im Abendgold.

Tag aus, Tag ein, Tag aus, Tag ein,
kann denn noch mehr Liebe sein?
Mensch, nur du allein,
bist Same und Ernte zugleich,
im Erden- und auch Himmelreich.