Vom Nutzen des Schweigsamen

Von einem sogenannten Schweigsamen spricht man, wenn die anhaltende Stille im Kopf und Umfeld des Menschen, etwas hervorbringt, das von unaussprechlichem Nutzen ist. Das Schweigen legt den Samen für das Erscheinen von bisher Unbeachtetem bis gar Undenkbarem. So bewirkt zum Beispiel das Schweigen der Waffen im Krieg, die Wahrnehmung von Stille, in der immer Frieden zu finden ist. Selbst dann, wenn dieses Empfinden nur Sekunden zuvor noch unerreichbar erschien. Im Samen des Schweigens ist alles eingewoben, was nur ein Mensch sich vorstellen kann. Sogar Musik, die aus scheinbar himmlischen Sphären zu uns gleitet und weder der Worte noch sichtbarer Instrumente bedarf, kann uns im Schweigen überraschend zufallen. Somit offenbart sich das Schweigen erstaunlicherweise als ein fruchtbarer Boden, für alle Ernten der außergewöhnlichen Art.

Doch niemand hat mir, dem Menschen, das Schweigen heiter nahe gebracht oder gar dessen Sinnhaftigkeit deutlich gemacht. Vielmehr wurde es mir als etwas dargestellt, das nur jene anwenden sollen und müssen, die lediglich bedingt das Recht auf ihre Stimme haben. Dies natürlich aus vielerlei Bedenken, wie zum Beispiel, noch zu klein, zu jung, zu unerfahren, zu unbelehrt, zu alt, zu dumm und allerlei anderes Geschwätz, was die Kraft und Macht des Schweigens – nun durch Beobachtung entdeckt – niemals wahrhaft selbst erforschte. Welch Verlust für all jene, die sich der Kunst der pausenlosen Rede, in Raum und Geist zuwandten. Eine überreiche Ernte an Missverständnis ward diesen tönenden Gestalten beschieden und noch heute nagt man weltweit an all jenen alten Knochen, die sich letztendlich noch für jeden jungen Geist und Magen, als unverdaulich und weitestgehend verzichtbar erwiesen haben. Das Leben schweigt und genießt all seine Frucht, ohne Vorurteil, Satzung und Pflichtgestammel.

Aller Genuss des Lebens, all dessen tatsächliche Köstlichkeit, begegnen uns zuerst in einem Moment des Schweigens. Auch aller Besinnlichkeit geht stets ein Schweigen voraus, weil nur durch dieses, in uns ein neuer Raum für weiteres Leben eröffnet wird. Im Schweigen sieht der Mensch weiter, tiefer und intensiver, als das Wort und auch der Gedanke ihn wahrhaben lässt. Man bedenke, wie viele Menschen sich sprichwörtlich, um Kopf und Kragen geredet haben, während zutode geschwiegen, weitestgehend belanglos erscheint und keiner Statistik erwähnenswert scheint. Wenn man diesem Fakt schweigend nachsinnt, kann man leicht fühlen, dass da noch Ungezähltes ist, was im Schweigen verborgen liegt.

So langweilig, wie dem Anfänger das Schweigen anklingt, so vielfältig sind die Möglichkeiten, es effizient, still lachbar und über alle Maßen klärend, im greifbaren Leben zu nutzen. Sich selbst erfahrend und das bisherige Verständnis von Leben, Welt und Mensch erweiternd, hat das Schweigen mich nun neugierig gemacht, auf weitere Abenteuer mit dem Unbekannten und all dem, was sich darin vor meinem Wort, auch dem gedachten – noch versteckt. Ich spiele mit dem Schweigen und lass es zu meiner eigenen Regel werden, selbstverständlich nur dort, wo es mir passend und fühlbar hilfreich dünkt.