Natur, die Schöpfung mit System

In der Welt des wahrnehmenden Menschen gibt es vielerlei Art Systeme, die künstliche Zusammenhänge anerkennen, gezielt ausbilden und sich in ihrer Unbeweglichkeit, weitestgehend von jedem natürlich gegebenem System unterscheiden. Jedes künstlich Erschaffene wird durch die Ansammlung von Bedeutungen erzeugt, welche sich jedoch jederzeit ändern und oft gar wahllos, gegen andere Bedeutungen ausgetauscht werden können.

Im natürlichen System bleibt ein Samen ein Samen, gleichgültig in welcher Sprache der Mensch den Samen benennt. Er ist eine materialisierte Idee der Natur, dessen Funktionalität im System der Natur, zwar mit Gewalt verändert werden kann, wodurch jedoch, die von der Natur ausgegebenen Eigenschaften, allem Überfluss Raum und Leben zu gewähren, nicht berührt werden. Das oberste Prinzip der Natur ist deren offensichtliche Großzügigkeit, mit der sie all ihre Fülle, sowohl Mensch als auch Tier, widerspruchslos anbietet. Die Natur fördert das Leben in sich selbst, in all seiner wilden Anziehungskraft und ungebändigten Schönheit. Dabei akzeptiert sie keine menschlich gesetzte Regel, lässt sich nie wirklich von anderen Systemen vereinnahmen, denn letztendlich zerbricht die Natur alle Mauern und durchströmt auch jede Grenze, ohne einen Pass vorzuweisen. Die Natur ist selbst ein Pass, und zwar jener, den der Mensch in sich trägt, um auf die Erde zu passen.

Trotz all dieser Großzügigkeit, erschöpft sich die Natur an keinem Ort dauerhaft. Gleichgültig welche Zeit auch hinter der Natur liegt, sie hat alle überlebt. Ist immer noch lebendig, frisch und jugendhaft, im Sommer wärmendes Geschenk, im Herbst die Fülle wiegend und im Winter sanft daniederliegend, sich bedeckend und erhellend, unter ein weißes Tuch aus Kristallen geschmiegt.

Dort, wo man die Natur niederbrannte, begann sie mit den ersten Regengaben – sich allein wieder aufzurichten, neu zu bilden, und dies in oft noch schönerer Art, als vor dem Feuer gesehen. Wo ihre Wasser überfließen, bilden sich unter den Wogen – neue Welten, und Möglichkeiten werden geschaffen, die ein Mensch, ohne den Fingerzeig der Natur, gar nicht hätte erdenken können. Die Natur ist ein Leben erzeugendes und bewegendes Wunder, das uns alle durchströmt, umhüllt und im Gleichgewicht hält. Da sie uns umgibt, sind alle Menschen in ihr System eingebunden, und zwar so sanft, dass es nur wahrnehmen kann, wer still in sich fühlt.

Jenes, was sich die Natur ausdachte, dieser Raum und Ausdruck gab, machte auch jene Regeln und Gesetze, die Natur sein lassen, was sie ist. Lebendig, unendlich, schöpferisch und verwirklichend. Klingt fast so, als würde man einen Menschen beschreiben, der sein Leben liebt. Wenn der Mensch der Natur entspringt, ist er doch wahrhaft ein Samen, der nur deren Gesetzen folgen braucht und diese selbstverständlich auch nutzen kann. Denn mit dem Körper, erben wir alles Natürliche, was ein Mensch jemals in seinem Leben brauchen könnte, um die ihm innewohnende Idee anzuhauchen und somit einzuleben, eventuell gar in den ewigen Raum aller Schöpfungen.

Schauen wir in die Natur, wird uns die scheinbar Jahrtausende gültige Ordnung offenbar. Der Wolf lebt mit den Wölfen, die Pferde mit den Pferden, die Spatzen gründen ganze Kolonien in den Städten, und immer sind sie dort in ihrem Lebensraum, ganz unter sich. Kein Tier verlässt den Kontinent freiwillig, weil woanders die Blumen öfter blühen. Nicht, weil es das nicht kann oder weiß, sondern weil es in der natürlichen Ordnung genau dort Sinn und Schönheit macht, wo der Schöpfer es hat eingeleibt. In der Natur gibt es ungezählt viele, unterschiedliche Arten des Lebendigen, winzig, groß, ohne Gefieder, belaubt, fließend bis steinhart. Jede Art lebt für sich und mit der Anderen, hat andere Futtergründe und Ausdrucksformen. Nie käme ein Spatz auf die Idee, mit den Krähen Nestgemeinschaften zu bilden, oder gar mit Katzen oder Rehen. So lebt all das Volk in der Natur, ganz friedlich miteinander, getrennt und nicht getrennt, ganz ohne die sichtbare Bedürftigkeit, aus den natürlichen Revieren, einen Jahrmarkt nach Menschenart zu machen. Tut es Not, dann frißt das Eine auch das Andere. Das kommt vor und erhält seltsamerweise doch nur, trotz aller Trauer, die Ordnung, welche alles hält.

Die Natur hat ihre Ordnung, eine Ordnung, die der Mensch nicht erdacht hat, nicht erdenken kann und in der auch er leben darf. Doch nur dort, wo das Leben beginnt, kann sein Licht weit, hell und warm scheinen, denn nur dort ist er mit allen Kräften, also auch jenen, die ihm von Natur aus gegeben, im Inneren und seinem Umfeld vereint. Fühlbar ist’s, was ihn dort leitet, denkbar nicht, denn Gedanke ist Welt. Welt, die flüchtig ist, nur das wahre Leben bleibt. Der Mensch kann sich nicht daran erinnern, denn sein Eintritt in das Leben, erfolgt stets gedankenfrei. So geschah, was passierte und es war gut, da ganz frei von Welt. Was daraus wurde, kann jederman im Spiegel sehen. Der Mensch, den es in fremde Länder zieht, der kennt sich noch nicht.

Bringt der Mensch sich durch die Stille erneut ein, zurück in jene Ordnung, die über alles Verständnis der Welt hinausreicht, endet die Welt in ihm.