Erscheinungsformen mit flüchtigem Charakter

Das ‚man muss‘ als hörbare Einleitung für eine Behauptung genutzt, kündigt stets an, dass die Erscheinungsform vorübergehender Natur ist, denn die Masse aller ‚Muss‘ wird im Verlauf der Entwicklung des Lebens als eine Täuschung entlarvt. Der Rest stellt sich als unbewusstes Wollen heraus und ist somit ebenfalls kein wirkliches Muss.

Ich muss alles tun, was Mutter und Vater mir sagen. Dann wird es mir immer wohl gehen und ich werde nie allein sein und stets geliebt, verlautet die Sicht auf ein Muss, welches den Menschen in der Kindheit vorübergehend begleitet. Diese Art von Muss zeigt sich dem Menschen offensichtlich als vergänglich. Was schon als ein kraftvoller Hinweis darauf gilt, dass zumindest nicht jedes Muss, dem wir im Leben unseren Glauben schenken, für immer unser Denken und Tun bestimmt. Ich muss mir die Liebe verdienen, niemals war der Mensch im Müssen weiter vom Wahrhaften entfernt. Als Kind nimmt man das Ungeheuerliche als Fakt an, trägt jedoch alle Fähigkeiten bereits in sich, um jedes einzelne Muss mit dem eigenen Reifen, in ein klärendes Licht zu rücken.

Möglichkeiten:

Lasst uns etwas tun!
(Weil wir es gewohnt sind zu tun.)

Lasst uns handeln!
(Es gibt einen Anlass, der mehr als Geld bewirkt.)

Randnotiz: Obwohl sich das Handeln und der Händler beinahe im Schriftbild gleich sind, hat das Handeln keinesfalls etwas mit der Tätigkeit des Händlers gemein. Alles Handeln erfolgt stets auf einer Idee gründend, deren Wert und Fassbarkeit sich nie absolut vorherbestimmen lassen. Genau das, ist das Neue daran. Der Händler gibt weiter, was er nicht aus sich selbst erschaffen hat und verlangt für das Weitergeben einen Preis. Der Handelnde gibt Lebenskraft, Begeisterung und Liebe, um all jene Möglichkeiten auszuloten, die ihm zur Verfügung stehen, um einen wohlgefälligen Einfluss zu nehmen, auf sein Leben und jenes, der ihn umgebenden Art.

Der Besonnene handelt bei Bedarf, der Eifrige tut vorsorglich.

Ist das Ich irgendwann im Ich-bin-Raum angekommen, entfallen zahlreiche ‚Muss‘ zwangsläufig, denn was ist, muss nicht sein, weil es ist. Doch es kann, weil ich bin. Denkt der Vogel etwa, ich muss dem Ast  ausweichen? Nein, er handelt nach Bedarf und landet mittels Feingefühl sicher im Umfeld seiner Wahl. Der Eifrige befestigt ein Schild am Ast, auf welchem Landen verboten! steht, denn Vorbeugen ist für ihn besser als Nachsorgen. Andererseits könnte das Vorbeugen ja erst den Blick in eine Zukunft ermöglichen, die uns der Sorge wert erscheint. Denn was kann man in gebeugter Haltung schon sehen? Niemals das Ganze, selten den Himmel und schon gar nicht das Meer * in dessen ganzen Weite und Pracht.