Kleine Buchhaltung

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Eröffnet am 1. Januar 2018

 

Möglichkeiten (kann stetig ergänzt werden)

 

Ich lasse weg im Innersten,

  1. alle Kopfgespräche, insbesondere mit Personen, die sich nicht mit mir im selben Raum aufhalten.
  2. jegliche Erwartungshaltung anderen Menschen gegenüber.
  3. alles Denken, das mit Missgunst zusammenspielt.
  4. alles Vergleichen hinsichtlich der Wertigkeiten.
  5. alles sinnlose Bedenken des Unveränderlichen im Vergangenen.
  6. alle Gedanken der Furcht, Sorge und Angst um Mensch und Tier sowie mein Dasein.
  7. alle Bestrebungen, Recht zu haben oder bestätigt zu bekommen.
  8. alles Vermuten bezüglich dessen, was ein Anderer denkt, meint und ausdrücken will.
  9. jeden Ansatz von Schuldzuweisung, jegliches Klagen über mich und Andere.
  10. den Drang mich einzumischen, auch um einen guten Eindruck zu hinterlassen.
  11. es dem Anderen Recht machen zu wollen,
  12. die harmonische Ordnung des Lebens infrage zu stellen,
  13. alles Ärgern über meinen Nächsten und über die ganz Fernen – sowieso,

und ab sofort lasse ich nun weg, mir täuschend echt vorzugaukeln, dass ich wüsste was gut für den Anderen ist.

 

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20. Januar im Weglass-Jahr

Während in mir die Gedanken heute Purzelbäume schlagen, gelingt es nach Stunden der Ratlosigkeit – das absurde Tun mit einer Frage zu bändigen. Wieso macht sich der Mensch, mache ich mich – wenn auch stetig seltener – innerlich verrückt, kaputt bis sozusagen fertig? 

Die Antwort folgte sofort, nahm Raum in der Stille, welche der Frage zwangsläufig anhängt, wenn man die Antwort wirklich wissen und hören will.

Wenn ein Mensch nach Dingen strebt, die nicht für ihn bestimmt sind, bringt dies zwangsläufig größere Anstrengungen mit sich, denn das Gewollte kann ihm weder entgegenkommen, noch jemals einfach so zufallen. 

Nun gibt es natürlich Ausnahmen. Doch diese sind lediglich weitere Lehrstücke. So wurde mir einst nach mehr als einem Jahrzehnt ein Wunsch erfüllt, den ich nach eigenem Ermessen sozusagen abgehakt hatte, da dessen Erfüllung anscheinend nicht für mich bestimmt war. Es ging dabei um einen Job, eine Tätigkeit in der Firma, den ich gern ausgefüllt hätte, da diese mir traumhaft zu sein schien. Doch fand ich für mich (im Rückblick erinnert), auch stetig wieder Gründe, warum gerade mir das verweigert wurde, was aus meiner Sicht-  wie geschaffen für mich war.
Damals akzeptierte ich innerlich, dass es war – wie es schien und begann nun all das wertzuschätzen und anzunehmen, was mir offiziell möglich war. Zuvor war mir das zu wenig, und doch hatte ich bereits alles getan – was in meiner Macht stand, um das Wenige zu mehren. 10 Tage nach dem innerlichen Verzicht meinerseits, bekam ich den ersehnten Arbeitsplatz unerwartet angeboten und sammelte dann dann ein Jahr lang Erfahrungen darin.

Anfänglich war es auch ganz wundervoll. Ich hatte viele Freiheiten, mehr als ich ertragen konnte. Es gab so wenig zu tun. Das war ich gar nicht gewohnt, und ein schlechtes Gewissen entwickelte sich im Untergrund. Da wurde mir überraschend bewusst, wie sehr der Anschein trügen kann, und plötzlich verstand ich den Sinn, der allem nicht Gegebenen zugrunde lag, und ich konnte auch noch andere Erfahrungen in meinem Leben erinnern, in denen mir ähnliches widerfuhr. Mir sozusagen Liebe zufiel und ich es als Strafe ansah.

 

 

Einsichten im Monat 1 von 12

 

Während ich mich im Raum des Januars aufhielt, sprossen im Umfeld die ersten Blüten, wie auch einige zarte Ideen in mir, deren einfühlsame Betrachtung keinerlei Winterstimmung in mir aufkommen ließen. Es war nur noch wahrnehmbar, was ich schon immer am Winter geliebt hab, die allumfassende Stille in diesem, die klare Luft und auch die Schönheit, der nun teilweise nackt anscheinenden Natur. Insbesondere die Bäume haben sich in ihr Innerstes zurückgezogen, um mit dem Wiederkehren des Frühlings, erneut begrünt, blühend und raschelnd – unendlich währende Lebendigkeit aus sich hervorzubringen.

Noch sind da nur die prallen Knospen an Gehölzen und Bäumen zahlreicher Art zu sehen, doch gibt es auch viele Sträucher, die grün sind und tatsächlich blühen. Im vergangenen Jahr hat das Blühen bis in den Dezember nicht geendet und sich nun direkt im Januar somit fortgesetzt. Etwas blüht immer, und so verteilt die Natur hier ihre Gaben über das gesamte Jahr, genauso wie ich es auf Mallorca erlebte und wunderbar fand. Es ist nicht so, dass ich Schnee nicht mag, oder gar ablehne, ich muss ihn nicht haben, um den Winter zu mögen.

Jetzt lebe ich im Hohen Norden Deutschlands. Die Sonne ist hier seltener zu sehen, als es auf Mallorca der Fall war. Allerdings genügt es ja zu wissen, dass sie immer da ist, die Sonne, sonst wäre es nämlich duster, weil Wolken ohne Sonne gar nicht leuchten und Licht spenden können. Und darüber hinaus, was nicht ist, kann mir immer noch erscheinen, wenn ich bereit bin dafür. Wer fordert ist nicht bereit. Wer bittet und wünscht kann es sein.

Ich danke für den Januar und betrete nun hemmungslos den Raum des Februars. Auch hier will ich wachsam sein und für mich erkennen, was ich weglasse, loslasse, der Vergangenheit zugestehe, weil es nicht mehr meins sein kann. So schaffe ich Raum für all jene Zufälle, die mir zuvor aufgrund innerer Enge, nicht zuteilwerden konnten.

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