Aufbauwerk 2018

Die natürlichste Art zu leben, ist wohl mit Abstand betrachtet jene, der unsichtbaren Kraft zu vertrauen, die uns das Leben gab und gibt, ganz ohne dass wir darum alltäglich Bitten oder gar Betteln müssen. Denn siehe, das menschliche Wesen, welches im Mutterleib reift, kennt die Mutter nicht. Es kennt nur was ist und dem gibt es sich hin. So kann es, fast immer ohne Komplikationen, die Welt betreten und ein Leben fortan führen, für das es gar nichts tun musste, außer dieses zu empfangen, wahrzunehmen und zu sein. Was sich letztendlich und offensichtlich als ein vorzügliches Verhalten offenbart hat.

Selbstverständlich geht der Mensch von der Annahme aus, dass ein Neugeborenes zum Tun für den Selbsterhalt, noch nicht geeignet ist. Dennoch kann dem Säugling das Tun – nicht grundsätzlich abgesprochen werden. Denn dieser trinkt, isst, schreit, entleert sich, erzeugt zahlreiche Laute und blickt mit jedem Tag munterer, in die ihn umgebende Welt. Das Kleine tut ausschließlich für sich und dies innerlich sowie äußerlich.

Man bemerke, obwohl der Säugling nichts weiß, nicht einmal von seiner Existenz und auch nicht, dass er nichts weiß und dementsprechend auch niemanden fragt, tut er zweifellos sowie offensichtlich stets richtig. Den Gedanken Falsch gibt es nicht in seiner Welt. Er tut sich selbst und lässt tun für sich, bis er selbst tun kann. So kann man insgesamt erkennen, dass der Säugling alles tut, was ihm möglich ist, jedoch auch nicht mehr. Er ist noch frei von der Idee, dass er mehr tun könnte und müsste, als ihm ohne Mühe machbar ist. Kurz gesagt, der Säugling ist noch nicht verrückt, in die herkömmliche Sicht des Daseins. Für ihn ist es nicht wichtig, aus welchem Material der Löffel ist, der sich in seinen Mund schiebt. Dem noch kaum beeindruckten kleinen Menschen ist es ebenfalls gleichgültig, was er auf dem Körper trägt, was man ihm – antut, solang es bequem ist, nicht einengt oder kratzt. Stille Nähe, Gefühle, Sinneseindrücke und Bewegung bilden das zauberhaft alltägliche Leben, des in Liebe erwachsenden neuen Menschen. Kein Plan – nur Sein, Empfangen und Erleben was passiert.

Natürlich ist es nicht so, dass der Mensch geboren wird, um nichts zu tun. Sonst wäre der Fakt, dass er tun kann, wahrlich bedeutungslos. Denn wozu tun, wenn es nicht nötig ist? Wenn jedoch offensichtlich wird, dass alles, was wirklich und unausweichlich getan werden muss, sich von allein und frei von Mühe durch den Menschen tut, dann kann auch klar sein, wieso der Mensch bereits von Natur aus tun kann. Denn nur so ist er auch jederzeit bereit zu empfangen, was sich für ihn und durch ihn tut.  Tut in die Welt und für die Welt, die wahrlich nichts für den gereiften Menschen tun kann. Bis auf anscheinend zu sein, was dieser in ihr sieht, hineindichtet und als unverrückbar wahrnimmt.