Ruhe jetzt!

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Eines der Sprichworte, die in meiner Kindheit kursierten, hat mir tatsächlich viele Jahre Angst statt Weisheit vermittelt. Es war die sogenannte „Ruhe vor dem Sturm“. So hatte ich lange Zeit beklemmende Gefühle, wenn es um mich herum, in der sonst wirbligen und klangvollen Welt, plötzlich ganz still wurde. So, wie in einem Klassenzimmer, wo der Lehrer streng blickt. Das konnte ja nichts Gutes bedeuten. Wiederholt irrte ich mich. Und mit dem Reifen der Sicht des Lebens, begann ich sogar die Ruhe und Stille darin wertzuschätzen. So hab ich mich mit dem Sprichwort tatsächlich versöhnt, denn in Wirklichkeit finde ich es sehr schön, wenn es derart still und sanft in der Welt zugeht, dass man den eigenen Lidschlag hören kann.

Dann sieht man sogar, wie die Blätter an den Bäumen tanzen, weil der Baum aus Freude über jeden sanften Wind, heiter seine vielen Arme schwenkt. In dieser stillenden Ruhe kann man göttliche Inspiration empfangen, also Ideen, die sich ohne jegliches Chaos verwirklichen lassen. Doch man kann sich auch einfach in der Ruhe derart sein lassen, wie man von Hause aus in die Welt gereicht ward und auch fern von dieser – ewig bleibt. Still und rein in sich selbst, von der bedingungslosen Liebe Gottes erschaffen, bewegt und getragen.

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Die Ruhe vor dem nächsten Schritt,
nimm sie dir, jetzt und hier,
denn all das,
was wird mit Ruhe begonnen,
ist bereits halb gewonnen,
da nun Jesus still vor dir her geht,
somit zum bestmöglichen Ergebnis,
dich sicher und leicht führt.

Dies ist stets gegeben,
wenn du aus der Ruhe
in die Bewegung kommst.
Und des Heiligen Begleitung
erweist sich als beständig.
Gleichgültig, wo du grad bist,
in der Ruhe setzt Er sich
sanft und still neben dich.

Stimmt still dich ein, auf all die Wunder,
die auf dem Weg geduldig warten,
von dir empfangen zu werden.

Und leis flüstert Er dir zu:
Nicht nur in der Ruhe liegt die Kraft,
allumfassend umgibt diese dich,
wie eine sturmsichere Hülle,
welche nichts durchdringen kann.
Es sei denn, du bittest etwas herein,
damit es in Ruhe geläutert wird.

Wer in der Himmlischen Ruhe weilt,
bleibt auch in der Zeit – unerschütterlich.
Im Ruhen ist der Mensch empfänglich,
da vollkommen mit Gott vereint.
Hier liegt Sein Reich des tiefsten Friedens,
in das weder Kummer, Schmerz noch Leid
jemals eindringen können,
weil du sie nicht rufst.

Und nun freu dich,
dass es so einfach ist.
Juchhu!

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Als ich Vorstehendes dem Geliebten vorlas, sagte er nur: Netter Versuch, und lächelte still in sich hinein. Da kam mir ein Lachen, Freude zog nach und alles war gut, so wie es war.

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