Stille Post

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Die Stille Post ist ein beinahe allen Generationen bekanntes Spiel, welches jedermann mit jedem offensichtlich und doch dabei ganz leise spielen kann. Je mehr Geister mitspielen, umso bunter wird es. Mir wurde es einst in der Schule nahegebracht und hat dort an vielen Pioniernachmittagen, stets für Freude, Staunen und Lachen im Umfeld gesorgt.

Das Spiel war ein lehrreiches und zeigte auf, dass jenes – was man sich von Mensch zu Mensch in’s Ohr flüstert, desöfteren gar nicht derart im Ohr des Anderen ankommt, wie es aus des Flüsternden Mund weitergereicht wird. Das brachte die Unzulänglichkeit dieser Form des Austauschs von Informationen an’s Licht.

Eine Weiterentwicklung des Spiels zeigt sich darin, wenn ich in mir – allein still die Post abgehen lasse. Dann poste ich mich sozusagen, in die eine oder andere Richtung zu gehen, etwas in „Angriff“ zu nehmen, um mich selbst, beziehungsweise die Umstände, welche mich umgeben, aufrechtzuhalten oder weiterzutreiben, mittels Veränderung meiner Selbst und auch der Bühnenbilder, in denen ich mich gerade sehe.
So nutze ich die stille Post allzuoft, als eine Schmiede für Albernheiten, Gerüchte, Missverständnisse und haltlose Verwirrung. All dies ist geistiger Herkunft und deshalb ohne nennenswerten Aufwand, überall und an jedem Ort einbringbar. Doch niemand braucht sie, diese Rufnummer der Stillen Post. Dennoch wird sie weltweit – durch und mit uns gespielt. Was einst als Spiel, als Lernspiel erdacht worden ist, wurde eine liebgewonnene Gewohnheit, die Mensch mit Mensch und in sich selbst beharrlich pflegt.

Beendet man in seinem Leben dieses unnütze Tun, kann man nach und nach mit wachsendem Erstaunen und sich mehrender Freude erleben, dass es der Gedanken und Worte oft gar nicht bedarf, um jene – bereits vor dem Posten – gottgewollte Verbundenheit aller Geister, im Geeinten Feld des Lebens zu erkennen. Das Leben Selbst – in uns – ist still. Mir dessen stetig bewusster bleibend, kann ich als Mensch die Stille des Lebendigen nutzen, um alles gedanklich in dieses Feld zu geben, was in meinem Umfeld erscheinen und erwachsen soll. Wahrlich die Stille Selbst kann ich dafür in mir anwenden, um das in mir Vorgepflanzte, mit hellem Wachstumslicht zu umhüllen, um zu heilen und auch für das Umfeld hilfreich zu sein. Denn siehe, die Stille ist reine Liebe, pures Leben, und dies ist nun mal der einzig wirkliche Dünger für jeglichen Samen, für Träume und Wünscherfüllungen von weltlicher und auch himmlischer Art.

Letzteres kann nur so sein, weil dieser Dünger, also die lebendige Liebe, nicht hier auf Erden hergestellt wird. Denn erkenne, die Erde lebt in Ihr, in der Liebe, genau wie du und ich. So kann die Erde nicht meine Mutter sein und ich auch nicht ihr Kind. Natürlich liebe ich sie, also die Erde, erkenne ihre Schönheit und Herrlichkeit als ein Geschenk, als die wundervolle Schöpfung Gottes an. Doch wahrhaft treu kann ich nur jenem sein, was mir tatsächlich das Leben gab und erhält, der Liebe. Denn hier auf Erden, bin ich nur vorübergehend. Mein wahres Zuhause ist und bleibt die Liebe Gottes, mit all Seinem Frieden darin. Die Liebe Gottes, die nicht erklärbar, allerdings erfahrbar lebendig und beständig still in mir und um mich wirkt, genau wie in dir und um dich.

Die Stille Ist immerdar. Alle Post an mich selbst, gleitet durch Sie hindurch und wird, Gott sei gerechterweise Dank, in uns allen zunehmend bedeutungsloser. Insbesondere dann, wenn das Selbst-Briefing unerträgliche Ausmaße annimmt. Dann muss man unvermeidlich innehalten und kann wahrhaft erkennen, dass man sich überwiegend nur Unsinn mitteilt, beziehungsweise Fantasien hingibt. Da das Meiste von dem, was man so in sich denkt, mit jenem, was in der gegebenen Wirklichkeit tatsächlich Sache ist, in keiner Weise übereinstimmt. Doch nur das Ist und sonst nichts.
Gelangt man an diesen Punkt der Einsicht, kann es überraschend wirken, wenn man, anstatt sich selbst und anderen Menschen im Kopf Briefe zu schreiben, oder gar Marschmusik zu senden, immer öfter Gottes Stimme hört und nur nach dieser lauscht. Er ruft nach dir und mir, lädt uns zum Verweilen in Seinen Frieden ein und spricht ganz sanft und fühlbar wahr:

Kind, Ich liebe dich, sei wie Ich dich schuf und alles ist gut. Sei im Jetzt, wo du bist, und du wirst dir mit zunehmender Freude dessen gewiss, dass Ich stets bei dir bin. Das reine Leben in dir bin und all die Liebe darin, und wo Ich bin, kann nichts wirklich sein, was nicht aus Liebe Ist.“

 

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