Was ist Erlösung?

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Erlösung ist wahrlich der Moment, in dem ich erkenne, dass jenes, was mich zuvor belastete und vom freudvollen Sein abhielt, nur eine Illusion war und bleibt.

Stets dann eine Illusion ist, wenn ich mir selber weismachen will, dass etwas sei, was in Wirklichkeit nicht ist, sondern nur in meiner Fantasie als eine mögliche Entwicklung von ungezählten existiert. Dann Sorge ich vor, dass die Sorge auch noch morgen bei mir bleibt. Dann sorge ich vor, dass alles bleibt, wie es mir erscheint. Tatsächlich schicke ich die Sorge sogar im Geiste voraus, und dies auf jenem gewohnten Wege, den ich derart ausgelatscht habe, dass es bereits ein Graben ist. Ein Graben dessen Tiefe einem Burggraben gleicht, ein kreisrunder Einschnitt in der Ebene. Und dieser Graben ist so schmal, dass mich dessen Wände daran hindern, eine jenseits des Grabens liegende Wirklichkeit zu erkennen.

Aufgrund der allumfassenden Gerechtigkeit Gottes, an die ich (wenn auch öfter mal zitternd), mit ganzer Kraft glaube, kann die Erlösung aus allen Illusionen von nichts abhängig sein, was ich nicht bereits habe. Dies gilt im Allgemeinen, ebenso wie im Speziellen. Leben ist allgemein in allem wirksam, das sich in meinem Umfeld bewegt. Nur die Form kann speziell sein, das (des) Leben(s) Selbst bedarf keiner Form, um zu sein.

Dieses universelle Leben bedarf auch keiner Deutung, da Es Ist und bereits war, bevor ich es wahrnahm. Ich kann es nicht vollständig greifen, nur beobachten und fühlen. Es ist in gewisser Weise beständiger, als ich es selber zu sein scheine. Zur Erinnerung: Wenn ich komme, ist es da und wenn ich gehe, bleibt es auch ohne mich auf Erden wirksam. Und was ich nicht selbst gemacht habe, kann ich in dessen Bedeutung und allein mit dem Verstand, niemals vollständig erfassen.
Allerdings kann ich darüber urteilen, was es mit mir macht. Ich kann also Teile, Ausschnitte, Fragmente nehmen und diese in meine Erfahrungen einordnen, um daraus ein Urteil, eine Wertung oder eine Weltordnung, mit bezug auf das Ganze abzuleiten. Hab ich dies oft genug getan, dient dies tatsächlich dem Erkennen, dass ich im Normalfall stets mit meinem Urteil, kilometerweit von der Wahrheit entfernt lag. Und dies zu erkennen, erweist sich als der erste Schritt auf dem Weg zu einer wirklich nachhaltigen Erlösung. Erlösung von all dem, was mir sozusagen auf der Seele liegt, beziehungsweise das Leben in meinem unvollständigen Verstehen, desöfteren mal dunkler erscheinen lässt, als es wahrhaft im Gegenwärtigen ist.

Der Weg aus dem Graben, wieder empor in die Wirklichkeit, erweist sich für niemanden gleich. Zwar ist ein jedes Kind Gottes, mit allem und jedem Lebendigen verbunden, dennoch wirkt es einzigartig in Seinem Ausdruck, in Seiner Sicht und Erfahrung des Lebens auf Erden. Gott Ist beständig, in und um uns. Seine Liebe erhält allem das Leben. Und nur Er kennt jedes Detail und weiß um die Bedeutung dessen, was Er mit Seinem Willen liebevoll erschaffen hat. Jeder Weg in Gottes Plan ist sozusagen haargenau, auf die Bedürfnisse und Befindlichkeiten des betreffenden Kindes abgestimmt. Auch dann, wenn das Kind manches Ding, nicht so wahrnimmt, wird der nächste Schritt stets die Einsicht mit sich bringen, dass jede Akzeptanz des Nichtverstehens ein Erheben des Bodens im Graben bewirkt. Und schaut man erstmals wieder mit dem Kopf über die Ufer des Grabens hinaus, trifft man sich wahrlich auf Augenhöhe, dies mit all denen, die zwar unsere Grabennachbarn sind, doch von deren Existenz man gar nichts wahrnehmen konnte.

Und während man sich in der Tiefe des Grabens zuvor überwiegend selbst mittels Verstand beraten hatte, schaut man nun nach dem Licht des Nächsten und Übernächsten und so weiter, bis sich der Boden des Grabens erneut mit der Ebene ausgeglichen hat, sodass der Weg wieder von Bäumen, Blumen, Brüdern und Schwestern gesäumt wird. Ein Weg, auf dem man dem Licht der Sterne stetig näher kommt und die Nacht keinesfalls jemals wieder so dunkel sein kann, wie zuvor in dem Graben erfahren.

Ab dann wartet man im Licht und gemeinsam mit der Natur, bis alle im Umfeld ihre Gräben mit Liebe aufgefüllt haben. Und jetzt gibt es kein Ziel mehr, welches dazu verlockt, einen weiteren Graben zu ziehen. Denn nun sind alle Lebendigen in einer Erfahrung vereint, und das Verstehen des Anderen bedarf keiner Worte mehr. Unser gemeinsames Ziel ist das Licht, ist der Frieden, die Freude und das Glück, welches vom Verstande niemals gegeben werden wird, weil dieser es nicht machen kann, denn er kennt uns nicht. Wir waren vor ihm in der Welt.

Im Gegenwärtigen lebend, erschaffen wir jetzt Himmelsleitern, mittels Gedanken und Taten, die dem Frieden und der Freude in uns selber entstammen. Zeit, um über ein erneutes Graben nachzudenken oder nach neuen Schaufeln zu äugen, steht kaum noch zur Verfügung und wenn doch, dann nur für Lehrzwecke. Den sogenannten Urknall hat ein jeder, seit seiner Geburt bereits hinter sich. Ein eher erschreckendes Szenario. Doch das Hinter sich lassen, des daraus erwachsenen Lebensszenarios im Geiste, kann das vollkommene Gegenteil sein, wenn man bereit dafür ist. Du bist es, weil auch ich es bin. Bereit zu erfahren, was wahre Sanftmut ist, wie Liebe sich ausdrückt, bereit zu erkennen, wie sehr du im Geiste mit all dem verbunden bist, was dich unmittelbar umgibt, und dies in jedem Moment, in dem uns das Leben bedingungslos erfüllt, mit Seiner Art. Rein, klar und liebevoll leicht.

Sei bedankt, für das Lesen und in Stille wirken lassen. 🐠

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