Der schöne Abschied

Nur Gewohnheiten hinterlassen tiefe Spuren. Lässt Mensch die Gewohnheit los, werden auch deren Spuren stetig flacher, bis sie schließlich ganz verschwinden und letztendlich gar in die Vergessenheit sinken. Denn, wie allbekannt, nur steter Tropfen höhlt den Stein. Die Höhlung wieder erfüllen, tut das Leben mühelos allein.

Bringt der Mensch die Spuren seiner Gewohnheit, nicht mittels der Erinnerung an Vergangenes in das Jetzt, wird er jenen Spuren – an und um sich, wahrscheinlich auch so gut wie nie Wiederbegegnen. Was wohl fühlbar keinerlei Grund zum Trauern oder Klagen bietet. Vielmehr es sich als wahrhaftes Glück entpuppt, dass der Mensch sein ganzes Weh und Wohl stets selbst bestimmt. Somit natürlich ebenfalls, was eine Gewohnheit ihm bringt und auch wieder nimmt, wenn er sich klar und wohlwollend von dieser verabschiedet.

Man stelle sich einfach vor, die Gewohnheit ist genauso berechnend, wie der Verstand. Was Sie genau besehen auch ist, denn es handelt sich um einen winzigen Teil, der eigens erzeugten Persönlichkeit, welche das Ich im Menschen stärkt. Nimmt man nun der Gewohnheit den Raum im Leben, wird sie anfänglich dagegen aufbegehren. Was ja auch menschlich betrachtet – verständlich ist. Wer will schon gern gehen, wenn die Show berauschend und er der Showmaster ist? Wer denkt da an ein Ende? Kein Mensch, kein fühlendes Wesen und auch kein noch so kleiner Teil, einer vorübergehend erscheinenden Persönlichkeit, die ohne das Licht des Ich, nur eine von ungezählten Möglichkeiten des Ausdrucks von menschlichem Leben ist. 

… und so habe ich im Heute die Entscheidung getroffen, eine Gewohnheit gehen zu lassen, die mich, so tief ich zurückdenken kann, wie selbstverständlich begleitet hat. Es handelt sich dabei um die Gewohnheit, dem scheinbar gesicherten und bewährten Wissen der Menschheit – bedenkenlos zu folgen. Es fiel mir ganz leicht, diese Gewohnheit loszulassen, da ich im Vorfeld der Entscheidung manch erstaunliche Erfahrung und Beobachtung machte, welche mich in meinem Vorhaben stets erneut begeisterten. Diese und weitere Einsichten haben mich bewogen, nun mutig den Schritt zu vollziehen und mich dem Vertrauen vollkommen hinzugeben, welches mich bereits in der Mutter Leib durch alle scheinbaren Gefahren sicher und geborgen trug.

Wahrhaft besehen – sogar bis in das Jetzt. 

 

Ein Schrittchen mehr gefällig?