Sichtweise – 5

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Ich bin kein Körper und auch nicht der Verstand. Es ist das gesammelte und verinnerlichte Wissen der Welt, welches den Geist des Menschen in einer Form gefangenhält, die der Büchse der Pandora gleicht.

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Jeder noch so fürchterlich anmutende Moment geht vorüber, wenn sich mein Verstand nicht darin hartnäckig verbeißt. Manchmal sind da Züge voller Gedanken in mir und fährt einer dieser Züge so langsam, dass ich die Gedanken lesen kann, dann springt mein Ich hin und wieder auf. Obwohl ich weiß, dass dieser Sprung sich seltenst lohnt, kann ich es nicht zurückhalten, um der Versuchung zu widerstehen. Und kaum bin ich in einem dunklen und zugigem Waggon gelandet, nimmt die Fahrt an Geschwindigkeit zu. Was ein Glück ist, denn nur durch den kühlen Fahrtwind werde ich wieder klar und bemerke, dass das Ziel der Fahrt ein Abgrund ist, in dem ich keinesfalls landen will. Also springe ich wieder ab, von dem Zug und bleib ganz ruhig und still an der Strecke noch solange stehen, bis auch das rote Rücklicht des letzten Waggons meiner Sicht entflohen ist.

Wunderbarerweise ist auch in der Stille, an der nun leeren Strecke, ein Wind zu spüren, welcher mich ganz sanft und mühelos zurück dorthin trägt, wo ich zuvor der Versuchung erlag. Und sieh an, nichts ist inzwischen Geschehen. Alles war nur eine Vorstellung in mir, welche mir die Stille abnahm, damit ich das Leben weiter lieben kann, und zwar derart, wie es wirklich ist.

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