Abweichende Wahrnehmung 7

von Luxus Lazarz

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Zurück von einer Reise, während derer Vergangenes beerdigt wurde, ergreife ich heute sofort die Gelegenheit und nehme am Vormittag an einem Seminar im Internet teil. Wie immer geht es um das Erkennen des Geistes, Der du und ich sind, Der unsere gemeinsame Quelle ist, in welcher wir alle leben.

Während ich den Ausführungen der Lehrerin lausche, gleichzeitig im Lehrbuch leise mitlesend, blicke ich dabei wiederholt zum Fenster und hinaus in den Garten. Erfreue mich dabei an der Farbvielfalt der Primeln sowie dem fülligen Wachstum der Schneeglöckchen. Im Hintergrund höre ich die Waschmaschine arbeiten, doch in meiner Einbildung, bin ich voll bei der Sache. So sehe ich jedenfalls in meiner Wahrnehmung, mein augenblickliches Dasein und Tun.

Eine Viertelstunde später klicke ich auf die Pausentaste des Videos. Die Waschmaschine gab das Signal, welches mir die Vollendung ihres Wirkens mitteilt. Ich hänge die Wäsche auf, kippe noch einen Eimer mit Wischwasser aus und ordne hier und dort, was sich auf dem Weg zurück zum Arbeitszimmer ebend leicht und nebenbei ordnen läßt.

Im Raum wieder angekommen, setze ich mich auf den Stuhl und lasse das Video mit dem Seminar weiter abspielen. Und während ich dies alles tue, gleitet mein Blick erneut durch das Fenster, umhüllt die Primeln mit Liebe und im Hintergrund höre ich die Waschmaschine im Schleudergang. Das ist mein Weckruf. Im wahrsten Sinne tauche ich im Jetzt wieder auf. Bin nun wirklich ganz da. Staunend erkenne ich, dass sich da die Vergangenheit in meine Zerrissenheit mischt. Natürlich ist die Waschmaschine in Wirklichkeit still, denn grad ebend erst, hab ich diese selbst ausgeschaltet. Ich habe die Vergangenheit gehört und bin immer wieder erstaunt, wie dies derart möglich ist und Jahrzehnte lang unbewusst mein Alltag war. Natürlich kann ich mich nicht, vollständig auf zwei oder mehr Dinge gleichzeitig konzentrieren. Das wäre wie Kinder im Blick behalten wollen, die in unterschiedliche Richtungen davonlaufen.

Gott sei Dank, geht es bei dem, was ich hier tue, nicht mehr um die Beaufsichtigung von Kindern. Nein, es geht lediglich darum, mit ganzer Aufmerksamkeit im Jetzt zu bleiben. Unerschütterlich bei dem verweilend, was dem Herzen in diesem Moment am Nächsten liegt. Selbstverständlich kann ich Pausen einlegen, doch nur, um mich für einen Augenblick bewusst Anderem zuzuwenden. Drei Dinge auf einmal, mit vollständigem Bewusstsein zu absolvieren, dass geht nun wirklich nicht. Was letztendlich zu der Erkenntnis führt, dass nur Schritt für Schritt beständig zum Ziel bringt. Dies sowohl im Körperlichen, wie auch im Geistigen. Wer überspringt, im Geiste vorauseilt, stolpert über Hindernisse, die er Schritt für Schritt elegant umgehen könnte. Und immer öfter bemerke ich, dass es da zwar in der Ferne Hindernisse zu geben scheint, doch bin ich wahrlich dort dann Schritt für Schritt angekommen, sind diese Hindernisse plötzlich verschwunden. Ganz so, als hätte ich eine Fata Morgana gesehen, in diesen Fällen also eine Luftspiegelung meiner vorauseilenden Gedanken wahrgenommen. Ich sah etwas, was nicht da war. Genau wie ich, die ja in diesen Momenten auch nicht wirklich dort ist, wo ich mich in Gedanken vorhersehe.

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Möge dein Tag heute so schön, still, freud- und liebevoll sein, wie du es willst.
Danke fürs Lesen.

Erinnerung

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