Licht in stillen Stunden

von Luxus Lazarz

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Ich muss nicht das Leben des Anderen aufräumen, es genügt, wenn ich dies in meinem eigenen tue. Dann kann ich erkennen, dass es gar nicht so viel zu tun gibt und mir bei allem geholfen wird. Und kann ebenfalls erkennen, wie auch der Andere in seinem Leben beginnt, Fortschritte zu machen. In welcher Richtung er dabei geht, hängt davon ab, was ich wähle zu sehen.

Schreitet er zum Beispiel aus meinem Leben davon, tut er dies nicht, weil er schuldig ist, sondern vielmehr um mich zu befreien. Zu befreien von all jenen Gedanken, die ich zuvor und eventuell schon lange Zeit, über den Anderen dachte. Diesen erblickend, stets gekleidet in meine Gedanken, die mich in vielerlei Weise quälten, mich grollen ließen und unzufrieden hielten, mit mir und der wahrhaft nahen Welt.

Somit kann ich tatsächlich dem Anderen dafür dankbar sein, dass er die Freiheit nutzte, die ich ihm zuvor gab. Diesen in mir frei gab, indem ich nicht weiter über ihn nachdachte, sodass er, genau wie ich, sein Leben zu wandeln begann und in die von Gott gewollte Richtung schritt.

Deshalb trag ich jetzt keinen Groll mehr in mir, stattdessen einzig Freude und Dankbarkeit dafür, dass der Andere und ich – wahrlich eins im Geiste sind, und weder er noch ich – ein Feind sind, den man angreifen, beziehungsweise vor dem man Angst haben sollte oder gar muss. Uns wird ewig das gemeinsame Ziel verbinden, frei und liebend zu sein.

Jetzt wird mir klar, wie ich den Anderen sehe, sehe ich auch mich. Doch solange ich denke, der Andere sei ein Anderer, merke ich das nicht.

Dennoch ist es unvermeidlich, irgendwann und irgendwo zu bemerken, dass man stets, wenn man jemanden in Gedanken verurteilt und bestraft, weil dieser Jemand – laut meiner Regeln – eine Strafe verdient hat, oder gar meiner Meinung nach braucht, ich mich selbst täusche, verurteile und bestrafe. Bestrafe, indem ich mich dem Frieden entziehe, der ewig in mir ist, in meinem Geist wirkt, wenn ich nicht urteile. Oft urteile ich nur, um mich gegen etwas zu verteidigen, was mich in der Wirklichkeit überhaupt nicht bedroht. All dieses Theater findet in mir statt. Also die ganze Vorbereitung, die Strategieplanung und das Stricken der Täuschungsmanöver, auch das Auswählen der Waffen und so weiter und so fort. All das, was eben so anfällt, wenn man Krieg führt – in sich selbst.

Und wenn man diesen Krieg in sich hegt, oft mit harten Mitteln, nimmt er doch alltäglich ziemlich viel Raum in eines Menschen Innenleben ein. Und mal still beschaut, was könnte ich denn im Außen anderes sehen als jenes, was mir innerlich gedanklich – lieb, teuer und des beharrlichen Bedenkens wert ist? So daß ich es in mir rufe, willentlich in mein Leben rufe, denn niemand zwingt mich dazu.
Daran erinnert mich zum Beispiel das Bibelwort vom Splitter im Auge des Bruders und dem Balken im eigenen
(Matthaeus 7:3). Hier wird nachhaltig auf die verdrehte Innensicht der eigenen Welt hingewiesen. Man vergegenwärtige sich dementsprechend, wieviel Schatten ein Balken wirft. Derart Dunkelheit über all jenes ausbreitet, was vor einem liegt. Doch Schatten haben gar keine Greifbarkeit. In gewisser Weise sind sie ein Hirngespinst, welches verschwindet, wenn man diesbezüglich jegliche Investition von Gedanken beendet.

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