Pusteblume

von Luxus Lazarz

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Das Hintergrundbild auf meinem Desktop wechselt. Jetzt, in diesem Moment, zeigt es mir einen reifen Löwenzahn, auch Pusteblume genannt. Hier, wo ich seit sieben Jahren verweile, im angeblich einzig echten Norden Deutschlands, wurde ich Zeuge eines seltsamen Kampfes von Menschen gegen den Löwenzahn. Möglicherweise ist es an anderer Stelle des Landes, also dort, wo gepflegte bis versteinerte Gärten im Anblick überwiegen, auch nicht viel anders.

Das Erscheinen des Löwenzahns in der Rabatte, im Rosenbeet und auch sein unerwünschtes Auftauchen im möglichst ebenmäßig grünen Rasen, stört das kultivierte Auge – eines der künstlichen Ordnung anhängenden Menschen ungemein. Man kann den Löwenzahn, doch nicht einfach so wild wachsen lassen. Denn dessen Trieb zur Ausbreitung ist derart stark, dass man dem Einhalt gebieten muss. So kam mir sogar zu Ohren, dass hier einst mancherorts den Kindern Geld für jeden – aus dem Rasen herausgestochenen Löwenzahn gezahlt wurde. Genau wie mir, wenn ich um des Geldes Willen – eine Pflegestelle für den Garten eines anderen Menschen annahm.

So vergingen mehrere Jahre, in denen ich allerdings beobachten durfte, dass man der Natur des Löwenzahns nirgendwo wirklich Herr werden konnte. Ich gebe zu, dass ich dies mit Freude sah. Bienen, Hummeln und auch Schmetterlinge tummelten sich vor meinen Augen auf leuchtend gelben Blüten. Dieses leuchtende Gelb, welches man bei vielen Frühblühern findet und welches dem Menschen das unaufhaltsame Nahen der Fülle des Lichts ankündigt. Der Winter ist vorbei!, ruft dieses sonnige Gelb. Dabei warm im satten Grün strahlend, lächelt es mir zu. Bereitet Freude und schenkt mir Zuversicht, dass die Kälte und Dunkelheit sich nun Tag für Tag weniger in mein Leben drängen werden.

So scheint mir die Natur mehr und mehr viel unerschütterlicher, als der Mensch im Allgemeinen glaubt, meint und erkennt. Der Löwenzahn ist offenbar von Gott erschaffen. Und dort, wo das Pflänzchen vom Rasenmäher bedroht wird, wächst es plötzlich nur noch so flach, dass der Mäher seine Blüten nicht mehr absäbeln kann. Dies ist wohl so, da des Löwenzahns Same den Auftrag hat, sich hemmungslos auszubreiten. Damit das lichtvolle Gelb den Garten aller Kinder Gottes, nach dem Winter unaufhaltsam flute und begründete Hoffnung mit sich bringt. Begründete Hoffnung auf eine bessere Zeit, in der das Gotteskind in Wohlbefinden schwelgen kann. Immer wieder wird es deshalb im Frühling heller und wärmer, gleichgültig auch, wie lang sich der Mensch den Winter ausdenkt. Jeder Winter muss gehen, weil Gott es so will.

Im Jetzt verweilend, bin ich mir nun dessen zweifelsfrei gewiss, dass Gott diese Art von Samen auch in jedes Seiner Kinder legt. Den Samen des Lichts, welches Frieden, Stille, freundliche und liebevolle Gedanken im Kind zum Vorschein bringt. Und total egal in welchem Alter der Same aufgeht, er wird Seinen Auftrag erfüllen und kein Kind Gottes ewig im Dunkeln weilen lassen. Einzig das, was Gottes Wille ist, wird geschehen und alles andere – wie immer – vorübergehen.

Was man auch leicht im eigenen Leben erkennen kann. Denn vieles war und ging vorüber, doch ich bin, genau wie du. Und eines ist sicher, hätte zumindest mein Leben, wahrlich in meiner eigenen Hand gelegen, könnte ich diese Zeilen – jetzt und hier gar nicht schreiben. All meine Kraft, das gesamte Leben und all das Heilsame, Schöne und Freudvolle darin, wird mir alltäglich von Gott gegeben, genau wie dir und jedem Menschen, und das war schon immer so. Alles andere ist veränderlich, nur einzig Gottes lebendige Liebe für Seine Kinder bleibt unveränderlich, stark, machtvoll und sanft zugleich. … und wer dies wirklich und wahrhaft erkennen will, dem wird die Einsicht – einfach so – geschenkt.

Danke Gott, danke Vater,
ich dank Dir für alles,
was war, ist und kommt.

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