Eingemacht und übertragen

von Luxus Lazarz

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In jenen Zeiten, als die Regale in den Supermärkten noch nicht überquollen, man noch nicht alltäglich – Erdbeeren, Pflaumen und anderes saisonbedingtes Stückgut hatte kaufen können, gab es den schönen Brauch, einzuwecken. Zu konservieren, was man auch im Winter verspeisen und genießen wollte. Ich erinnere mich, an köstliches Birnenkompott, an Apfelmus und die bereits damals unglaubliche Vielfalt der Marmeladensorten, welche sanft die Kindheit mir versüßsten.

Auch wer ein Schwein schlachtete, machte ebenfalls vieles davon ein, um einen Vorrat zu haben, für den alltäglichen Bedarf und selbstverständlich für kommende Feste.

Und niemand zweifelte daran, dass dies richtig war. Niemand klagte deswegen, irgendwenn – wegen irgendetwas an. Es passte in die damalige Zeit, und das Eingemachte gehörte zum wohlen Leben von ungezählten Menschen dazu.

Auch in der gegenwärtigen Zeit, wird noch eingemacht, zwar überwiegend in großen Fabriken, doch dafür bei Tag und Nacht. Nicht mehr wirklich nach Bedarf, eher wohl so zum Spaß und um im Wettbewerb zu bleiben. Und wenn man heutzutage durch die Supermärkte streift, steht dort so viel Eingemachtes herum, dass man sich beinahe im Schlaraffenland wähnt, wären da nicht die vielen Kassen im Ausgangsbereich. Ich war an vielen Orten, dies nicht nur in diesem Land, und überall war es gleich.

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Das, was der Mensch in der Welt wahrnimmt, ist in gewisser Weise sein Eingemachtes. So könnte man zum Beispiel sogar jede Erinnerung, als ein eingemachtes Stück Leben ansehen, das man im Geiste – wieder und wieder genießen bis verabscheuen kann.

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In meinen Beziehungen, sah ich einst desöfteren jenes, was mir bereits in der Vergangenheit widerfahren zu sein schien und mir nicht gefiel. Stets naschte ich in jenen Momenten, diesen beinahe Déjà-vus, am in mir Eingemachten und übertrug in das Gegenwärtige, was dort gar nicht zu finden, zu sehen, zu hören war. Ein Vorgang, der auch Projektion genannt wird. Ich hatte eine Vorstellung von dem, was ich sah, was ich dachte und fühlte. An dieser hielt ich fest im Geist. Es war mir eine liebe Gewohnheit, denn ich tat dies oft, ohne zu wissen, was ich da tat. Eine Gewohnheit, die ich nicht mehr liebe, die mich zwar abundzu noch heut beschleicht, doch kommt sie nur noch selten und auch nicht mehr weit. Denn soweit ich mich zurückerinnern kann und will, liebe ich es nun beständig, im Jetzt zu sein.

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Während das irdische Eingemachte einem Haltbarkeitsdatum unterliegt, ist jenes, was der Mensch in sich einmacht, keinen zeitlichen Gesetzen unterworfen. Denn man erinnere sich, der Himmel ist in uns, und dort gibt es nur ein einziges Gesetz, welches ewig wirkt und gilt. Dass dies, die bedingungslose, großzügige und sanftmütige Liebe ist, weiß der Geist nun zwischenzeitlich, denn auch er altert nicht, kann sich lediglich vorübergehend, den Anschein von Verschleiß anlegen. Das Alter einmachen und mit in den Himmel nehmen, das ist ihm unmöglich. Gott sei Dank, kann der heile Geist da nur noch denken und sich daran erfreuen, dass da ein Schöpfer ist, der ihn liebt und ewig frisch erhält.

… Fortsetzung folgt

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