Vor und nach dem Irrtum

von Luxus Lazarz

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Der Richter in mir hat keinerlei Interesse daran, dass ich glücklich oder in Frieden mit dem wahrhaft Gegenwärtigen bin. Es ist auch gar nicht die Absicht des hochaktiven Mängelschürfers, mich freudvoll zu stimmen. Dieser dient nur sich selbst, denn ihm verschafft das Finden von Fehlern und Mängeln – in mir, der Welt und dem Anderen – eine Art von Genugtuung, welche er mit echter Freude oder gar dem Leben verwechselt. Dann kann er sich äußern, kann klagen und diskutieren, ja regelrecht aufleben – in der Erfüllung seiner Leidenschaft.

Doch bin ich es wirklich selbst, die diesen Zweck im eigenen Leben verfolgt, oder ist es nur eine systematisch erlernte Reaktion, die mich sprunghaft fort aus dem Frieden des Gegenwärtigen treibt? Könnte dieses seltsame Verhalten meinerseits, ein unheilvoller Mangel an Einsicht sein, gar ein Fehlen von Demut und dem unerschütterlichen Willen nach Frieden in mir? Wenn dem so ist, sehe ich ein, dass es mir nie gelingen wird, einen Diktator im Außen abschütteln, der in mir sein Unwesen treibt.

In dieser Einsicht kann ich frei von Mühe und mit sanfter Beharrlichkeit, die angriffslustigen Gedanken fallen, beziehungsweise von dannen ziehen lassen – in das Nichts, aus dem sie kamen. Dort können diese sich läutern und wenn es recht ist, sogar auflösen und all die Schleier ebenfalls, welche mit den Gedanken verbandelt waren. Und sind die aufrührerischen Gedanken letztendlich fort, bin ich immer noch da. Stehe im Reinen, in der Wahrheit meiner ureigensten Gegenwart, die nichts in sich birgt, was mir oder dem Anderen – ein Leid antun oder einen Fehler anlasten will. Bin dabei geschützt – vor mir selbst und all jenem Wahnsinn, etwas retten zu wollen, das so unbeständig wirkt, dass jeder Griff danach – ins Leere zielt.

„Die Wahrheit hat noch keinem geschadet“, so heißt es im Volksmund, und genau deshalb – tut sie auch nicht weh. Darüber hinaus löst sie alle Anspannung – aus dem Geist und Körper des Menschen, welche durch das Verdrängen, der beständig im Geist gegebenen Stille entstand. Kontinuierlich angewendet, stimmt die Stille nachhaltig friedlich und heilt alles, was in mir im Argen zu liegen scheint. Bringt Licht in die Dunkelheit, hebt die Irrtümer der Vergangenheit auf und befreit die Zukunft nachhaltig – von sinnloser Wiederholungstat. Unausweichlich wird nun dem Menschen, der wahrhaft still im Jetzt verweilt, die von Gott erschaffene Ordnung im Kosmos des Lebens offenbart. Und so kann man sich erinnern, dass Stille und somit Frieden im Geist – die heilsamsten Gaben an die Welt und für das eigene Leben sind und ewig bleiben.

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