Die Welt der Ideen – 6

von Luxus Lazarz

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Organkunde
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Es gibt ein Organ im Menschen, welches diesen kontrollieren will. Doch jenes Kontrollorgan ist nicht – wie all die anderen Organe im Lebendigen, durch natürliches Wachstum entstanden. Vielmehr hat es sich ganz unbemerkt eingefleischt, als wichtig befohlen und damit seine eigene Scheinexistenz zur unabdingbaren Notwendigkeit erklärt. Dies insbesondere dann, wenn es um das Kultivieren des Abnormen geht. In gewisser Weise machte es sich damit  eigenmächtig selbst zum Kult und gleichfalls zum Oberhaupt von all dem, was ihm in aller Wirklichkeit unbegreiflich ist und bleibt, also dem Menschsein allgemein.

Niemand widersprach dem in sich, denn es erschien so logisch und zielförderlich. Zumal all die anderen Organe – eher von stiller Zurückhaltung waren, selten sprachen und wahrhaft unbeeinflusst ohne Wanken dienten, dies ganz ihrer einzigen Funktion entsprechend, nämlich tatsächlich hilfreich zu sein. Doch eines Tages meldete sich überraschenderweise das Herz zu Wort, dies auf einer Organhauptversammlung, welche jedoch man höre und staune – ganz ohne das Oberhaupt stattfand. Und da fragte Es sanft:

Woher kommen nur all diese Ziele, die anscheinend nach und nach aus dem Leben eine Rennstrecke machen und zu Erfolgen führen, die in Durststrecken münden oder manchmal gar in schwarzen Löchern enden?

Da wurd es mit einmal ganz still und überraschend eine wärmende Stimme im Versammlungsraum der Organe erklang, von der niemand der Anwesenden wusste – woher diese kam, während sie sprach :

Ich bin wieder da, und all das, was mir schwer im Haupte lag, hat sich im Licht des Weges aufgelöst! Gott sei Dank! … für all das Licht.

Da schwieg das Herz und hatte keine Fragen mehr, welche es sich nicht selbst, mit einem Lächeln hätte beantworten können. Und dieses, dem Kontrollorgan unkontrollierbare Lächeln des Herzens, das sich unweigerlich mehr und mehr, innerhalb der gesamten Organisation auszudehnen schien, hat das Oberhaupt allmählich derart entmachtet, dass es stetig seltener zum Zuge kam, also zum Kontrollieren, Urteilen, Vergleichen, Angst verbreiten, Gefahr illusionieren und all dem anderen Zeugs, was auf Dauer doch wirklich keine Seele froh stimmen kann. Und all das Problemlose im Alltag, wurde dem Oberhaupt schlußendlich sogar derart unerträglich, dass es sich schließlich selbst still und leise in den Ruhestand begab und heutzutage nur noch auf Abruf zum Dienst erscheint.

Ja, auch derart kann es kommen, in der Welt der Ideen, wenn der Verstand für versöhnliche Zwecke zum Einsatz gebracht wird und das Herz mit ihm – erfüllt von stiller Liebe – jeden Schritt fühlt. Und wenn nun in diesem Herzen Gott wohnt, was sollte da noch Ungewolltes passieren? Wer könnte Sein Kind, Seine Tochter, Seinen Sohn, denn allumfassender glücklich stimmen und behüten, als dessen Schöpfer selbst? Der Finger zeigt hierbei nicht auf den Körper, sondern weist auf jenes, was scheinbar in diesem ist. Also der reine Geist in uns, der alles Leben um uns herum, einfach nur still beobachten kann. Jener reine Geist, in dem die Freude sich ohne Anlaß erhebt, weil der Verstand ihr nicht länger im Wege steht.

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