Streiflicht

von C. Luxus Lazarz

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Wieso heißt es allgemein, dass die Liebe blind macht? Tatsächlich macht die Liebe doch sehend, denn plötzlich bis gemächlich, kann man all das erkennen, was im Umfeld und ebenfalls im geliebten Menschen, an Liebenswertem und Wunderbarem vorhanden ist. Bisher nur unerkannt, wahrlich übersehen ward. Untrüglich offenbart nun die Schau im Jetzt – all das, was einwandfrei wurde zum Lieben erschaffen.
Wie kann das denn sein, dass man etwas, was man oft unermüdlich sucht, beharrlich übersieht?

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Einmal suchte ich etwas im Haus. Ein Ding, eine Schere, welche stets an einem bestimmten Platz lag, den sie ohne meine Kenntnis oder Zustimmung, auf mir noch unbekannte Art verlassen hatte. Ohne mich weiter umzuschauen, dachte ich sofort an meinen Gefährten, genauer daran, dass nur dieser infrage kommen könnte, die Schere genommen zu haben.
Ich fasse es nun kurz. Drei Tage sah ich die Schere nicht, weil ich stets dort suchte, wo sie nicht war. Im Verhalten der Anderen, in deren scheinbaren Vergesslichkeit, deren zielloser Unordnung bis vermuteten Unehrlichkeit. Ich war urteilend unterwegs und dies führte mich von der Wahrheit nur weg. Denn tatsächlich hatte die Schere, den Raum gar nicht verlassen und lag nur etwa einen Meter vom festgelegten Platz entfernt. Kicherte dort still vor sich hin, doch meine Ohren waren taub für das Unvorstellbare.

An jenem ersten Tag, als ich den scheinbaren Verlust der Schere bemerkte, war mein Blick nur starr auf deren leeren Platz gerichtet. Und ohne weitere Umsicht, hatte ich sofort im Vergangenen, in meinen Erinnerungen nach einem roten Faden gewühlt.
An dem Tag, als ich die Schere wiedersah, stand ich zuvor am Schreibtisch, ganz in mich versunken, ob des schier unlösbaren Rätsels und gab die Suche schließlich auf. Gleichzeitig beschloß ich, eine neue Schere zu kaufen. Dann atmete ich tief ein und aus. Die Schere schrieb ich ab, und im selben Moment, sorgte der Himmel wundersam dafür, dass mir diese Erfahrung unvergeßlich blieb.
Ein sanfter Lichtreflex, der sich in meinem rechten Auge bemerkbar machte, bewegte mich dazu, den Kopf nach rechts zu drehen. Und da konnte ich sie sehen, die Schere, in der ein Strahl Sonnenlicht funkelte und mich sanft am Auge kitzelte. Und ich konnte einsehen, dass es nie ein Problem gegeben hatte. Dieses hatte ich wirklichkeitsblind und ohne Not, in mir erfunden. Denn die Lösung, lag die ganze Zeit vor meinen Augen. Es mangelte mir lediglich an der zwangsläufigen Bereitschaft – die Einfachheit, beziehungsweise das wirklich Naheliegende anzunehmen. Dem ist nun nicht mehr so. Und auch dafür * bin ich dankbar.

Möge dein Tag heute, ein Hort der Wunder sein.

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