Empfehlung des Tages 10

von Luxus Lazarz

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Mein Leben erschien mir normal. Es war anstrengend, doch nicht uninteressant. Rein äußerlich unterschied ich mich nicht von anderen Menschen, wie es in diesen innerlich aussah, wusste ich nicht. Ich lebte herkömmlich und dachte zu wissen, wie man leben muss. Muss. Muss. Muss. Merkwürdigerweise hab ich mich auffallend oft geirrt, wunderbarerweise den Irrtum eingesehen, liebenswerterweise mir verziehen und Freiraum bekommen, um zu verlernen, zu vergessen, zu vertrauen, umzulernen, zu empfangen und zu geben, damit das Leben mir all seine Liebenswürdigkeit überall und jederzeit, ohne Not offenbaren kann.

Natürlich erforderte dies eine gewisse Bereitwilligkeit zum Glücklichsein, zu stiller Einsicht und dem ertragen Können von intensiver Lebensfreude. Diese Bereitwilligkeit braucht nicht einmal sonderlich groß zu sein. Es genügt für einen winzigen Augenblick in Betracht zu ziehen, dass alles auch ganz anders sein könnte und dennoch unbeschreiblich schön, schöner als uns hierzulande und auch anderswo bisher vorstellbar erschien. Also das unbekannt Schöne, das kein Mensch erdenken kann. Denn frei von den alten Gedanken, dem Ächzen und Stöhnen, allem Rechtgehabe und beharrlichem Verurteilen und all dem weiteren kriegerischen Zeugs, fällt dem Menschen jede Antwort zu, nach der er in seinem Leben sucht.

Friede meinem Geist. Lass meine Gedanken stille sein.

Der Sinn des Lebens dünkt mir heutzutage wahrlich darin, es zu lieben, also das gegenwärtige Leben in und um uns. Dies bedeutet im einfachsten Sinne, es weitestgehend kritikfrei und urteilslos anzunehmen. Denn Widerspruch und Kampf machen unglaublich blind für die tatsächliche Wirklichkeit. Irgendwie ist das ja auch unbeschreiblich logisch, denn wenn der Vater will, dass seine Kinder glücklich sind, wird er ihnen fraglos all jene Wünsche und Gedanken mit Lebendigkeit erfüllen, die dies ermöglichen. Über all die anderen Wünsche sieht er hinweg, denn er kennt alle seine Kinder und weiß mit untrüglicher Sicherheit, wo diese sich irren und wo sie zurecht nach etwas verlangen, dass ihrem Glücke dienlich sein kann.

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