Inwendig 2

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Im Kurs werden die, einen Menschen wahrlich bewegenden Zustände, mit Angst oder Liebe benannt. Es gibt nur diese. Sie bilden das Fundament für alles darauf Aufbauende. Das Fundament der Angst bröckelt jedoch und nur jenes der Liebe erweist sich als wahrhaft unerschütterlich. Liebe und Freude sind Eins.

Die Angst gebiert all die weiteren, auf Dauer untragbaren Gefühle, welche das Ego des Menschen als sich selbst wahrnehmen lässt. Angst bewirkt auch den Hass, denn der Mensch hasst, wovor er Angst hat. Wäre ihm dies bewusst, könnte er sich mit Leichtigkeit von der Angst erlösen. Nur von seinem wahren Selbst kann der Mensch sich nicht lösen, weil er dieses nicht selbst gemacht hat und ohne Selbst ein Nichts ist. Allerdings jenes, was sein Selbst nicht ist, all dieses kann er lösen, und zwar aus seinen Gedanken und jener daraus durch ihn folgenden Wahrnehmung. Und ich versichere dir, alles – was bleibt, ist mehr als genug und beständig  wahr.

Lediglich eine einzige Frage bleibt mir noch. Wovor habe ich Angst und was ist mir in meinem Leben gänzlich liebenswert?

Angst, Hass und das Ego bedingen einander, doch wahrhaft sind diese kein fester Bestandteil in mir. Sowohl die Angst als auch der Hass und das Ego, sind einer steten Veränderung unterworfen. Mal hab ich Angst, mal hab ich keine. Mal scheine ich zu hassen, da sich das Ego in mir bedroht fühlt. Dies vollkommen zurecht, denn es ist vergänglich, da ich es nicht wirklich bin. Vielmehr ist es mein Schatten, welcher ich glaube zu sein. Der Schatten ist eine Illusion, denn er schwindet im Licht.
Diese Illusion des Schattens ist verbunden mit Schuld. Schuld, die von der Barmherzigkeit der Liebe gar nichts weiß. Schuld, die einzig und allein durch irrelevante Gedanken entsteht. Wiederum die Liebe kennt keine Schuld, weil sie den wahrhaften Raum meines Lebens niemals verlässt. Sie nimmt die Wirklichkeit wahr wie diese ist, und kämpft um nichts, weil sie beständig alles ist – im für mich tatsächlich Gegenwärtigen. Es offenbart auch keinerlei Sinn, gegen jenes was ist anzukämpfen, denn kein Mensch kann etwas in das Nichts zurückschieben, da er selbst es ist, der dem Bekämpften mittels seiner eigenen Gedanken Halt, Raum und damit den Anschein von Wirklichkeit verleiht. Des Menschen eigene Gedanken, sind nicht die Gedanken Gottes.

Man kann erkennen, dass die Liebe in uns keine Bühne braucht. Nur das Ego will und muss sich präsentieren, muss sich sorgen, um dieses und jenes. Behängt sich mit Klang, Schall und Rauch, um das wahre Leben im Geist zu unterdrücken. Weil es Angst davor hat, der freie Geist könnte erkennen, dass ihn eine Illusion beherrscht und wir diese abschütteln können. All die Gedanken, aus denen sich das Ego spinnt, sind leicht zu lokalisieren. Sie haben nie etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Gelten dem Gestern und dem Morgen, erarbeiten Erscheinungen ausschließlich aus jenem, was nicht mehr ist und noch nicht da. Das Ego ist ein Denksystem, welches dem einzig freudvollem Leben feindlich gesinnt gegenüber steht. Doch nun im Jetzt, erkenne ich, das muss keinesfalls sein. Denn all meine Sorgen, Ängste und Befürchtungen haben null Relevanz im wahrlich Gegebenen. Denn ich muss jetzt nicht wissen, was ich tun werde, wenn dieses oder jenes irgendwann passiert. Einzig im Jetzt bin ich tatsächlich handlungsfähig. So brauche ich mein Leben auch nicht weiter vorausdenken, da es dort nicht ist. Wie könnte ich jemals ein Problem lösen, dass gar nicht existiert? Denn tatsächlich forme ich derart lediglich eine Illusion. Das tat weder mir noch meinem Nächsten gut. Und weil ich dies jetzt einsehe, ist mir, dem Menschen, alles vergeben, was ich einst unwissend in meine Welt mittels Fehlwahrnehmung eingebracht hab.

Gott gab uns das Denken, etwas in uns hat es jedoch an sich gerissen und mit Kummer, Elend und Leid gefüllt. Diesen Unsinn beende ich leise und bitte den Heiligen Geist in mir, um Klarstellung und Berichtigung all dessen, was mir im eigenen Leben eine Wirklichkeit vorgaukelt, jedoch bei stiller Beschau – gar keine hat.

Wer bereit ist, in sich selbst aufzuerstehen, der sei jetzt einfach still und es wird unausweichlich geschehen. Dies bringt ein sich Aufrichten mit sich, das ohne bewusstes Zutun, aus dem Innersten bewirkt wird.

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