Kursgerecht 3

von Luxus Lazarz

.

Im Kurs lerne ich, dass ich mein Leben träume. Gleichfalls verlerne ich, derart zu träumen – wie ich es bisher getan habe. In meiner geträumten Realität, löse ich mich von dem mir antrainierten Denksystem und öffne mich für eine neue Art, die Dinge wahrzunehmen, zu erleben und zu wissen. So, wie ich einst vom Krabbeln zum Aufstehen und Gehen überging, ist mir eine Erweiterung der geistigen Sicht ebenfalls möglich. Und im Gegensatz zu den begrenzten körperlichen Möglichkeiten, gibt es für das Potential des Geistes keine Grenzen. Der Geist ist immer wach, denn Liebe schläft nie, weil sie keine feste Form hat und niemals ausruhen muss.

Vor vielen Jahren hatte ich einen immer wiederkehrenden Traum, den ich während des Träumens für sehr real hielt und der mich intensiv Angst fühlen ließ. Eines Nachts wurde mir in diesem Traum bewusst, dass ich nur träumte und nichts real von dem war, vor dem ich Furcht haben müsste. Ich träumte den Traum und hatte somit die Kontrolle darin. Sogleich wachte ich auf, und dieser Albtraum belästigte mich nie wieder.
Seitdem glaubte ich zu wissen, wann ich wach bin und wann ich träume. Auch wenn so manches, was in meiner Vergangenheit geschah, mir heute selbst nur noch wie ein flüchtiger Traum erscheint. Damals hatte ich ebenfalls Ängste, die sich mir jetzt als grundlos aufzeigen. Diese Ängste waren somit nur Träume, die sich Gott sei Dank, nicht verwirklicht haben. Andere dafür schon, doch da ich nun weiß, dass ich immer noch träume, kann ich mir das Geschehen im Traum, mal in Stille genauer ansehen. Was soll schon passieren, wenn ich mich selbst im Traum erkenne?

Und stell dir einmal vor, vieles – was ich sozusagen denkend geträumt habe, erscheint nun tatsächlich in meinem Leben als reale Erfahrung, manchmal Tage, doch überwiegend nur Stunden bis Minuten später. Wahrscheinlich war das schon immer so. Da ich jedoch in der Vergangenheit selten beständig ganz bei der Sache war, die ich gerade bedachte, während ich nebenbei noch Anderes händelte, fiel es mir daher nicht so auf. Ich hab mein Leben mehr abgehakt und hinter mich gebracht, als wirklich erfahren. Erst im letzten Jahr, als die Zufälligkeiten und Wunder sich zu mehren begannen, nahm ich mir wahrlich die Muße, sowohl mein Inneres als auch das Passieren im Außen, mit Interesse und neutral zu beobachten. Manchmal schweifte ich auch ab und fiel wieder in den gewohnten Denktrott. Doch nun hilft mir der Kurs, im Traum wach zu bleiben, bis der ganze Traum geläutert ist. Und zwar von all dem, was darin unwirklich ist, weil es nicht von Gott erschaffen ward.

Um den Träumenden daran zu erinnern, dass er einen Traum träumt und sich auch an den Träumen all seiner Brüder und Schwestern beteiligt, gibt Gott die Wunder in die Welt Seiner träumenden Kinder. Diese Wunder zeigen auf, dass das – was man träumte, nicht die Wahrheit war, sondern eben nur ein Traum. Denn Wunder sind nie an die offiziell gültigen Gesetze gebunden und auch keiner gesellschaftlich verbürgten Unmöglichkeit unterstellt. Man braucht sie nicht beim Amt beantragen, sie passieren einfach – wo es passt.

Auch gibt es keine kleinen und großen Wunder. Denn jedes Wunder ist eine Erinnerung für den träumenden Menschen – an die von Gott gegebene Wirklichkeit. Und die Wirkungen eines Wunders sind dann auch genau das, was der Mensch wirklich will und wollte. Da das Wunder aus einer Quelle kommt, von der auch der Mensch abstammt, ist dort bis ins letzte Detail bekannt, was ihn Liebe wahrnehmen lässt und freudvoll glücklich macht. Und dieses Glück ist ein sanftes und intensives Empfinden zugleich. Man will es nicht hinausschreien, doch in sich nachspüren, den Moment halten, in dem es keine Fragen mehr gibt. Da sind nur Freude und Frieden wahrnehmbar – in inniger Verbundenheit mit allem – was ist und dem eigenen Leben. Mehr nicht, doch dieses scheinbar Wenige – ist wahrhaft unvorstellbar mehr – als jemals erdacht werden könnte. Also zumindest nicht von mir, das gestehe ich hier lachend ein.

.