Lieb und teuer 2

von Luxus Lazarz

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Das, was allgemein in dir urteilt, vergleicht und Entscheidungen trifft, bist du gar nicht. Dennoch führst du diese Entscheidungen aus und bringst dich damit beständig in Schwierigkeiten oder kannst der scheinbar eigenen Entscheidung – dann nicht wirklich konsequent folgen, was dir wiederum ein schlechtes Gefühl oder Gewissen beschert.

Wenn du in eine Situation kommst, in der du nicht darüber nachdenken musst, was hier deine Funktion ist, dann handelst du aus der Stille in dir stets richtig und tust alles, was du kannst, um die Situation zu lösen. Wenn man zum Beispiel jemanden im Winter auf dem Dorfteich im Eis einbrechen sieht, tut man automatisch, das was man kann, um zu helfen. Da ist kein Nachdenken, tue ich oder tue ich nicht? Da ist auch kein Urteilen in Form, soll sich doch ein Anderer darum kümmern. Wenn du den Menschen in Not siehst, dann siehst du dich und tust das einzig Richtige, indem du hilfst, und dies, erinnere dich: Ohne Bedenken und dennoch, oder eventuell gerade deshalb – kannst du es.

Es ist wahr, man entscheidet dann nicht mehr selbst, dennoch sind da Urteile. Doch diese stammen vom Heiligen Geist. Das Bemerkenswerte an DESSEN Urteilen ist, dass niemand durch diese verliert. Sie sind so weise, dass man nur Einsicht, Liebe und Vergebung dabei fühlt. Und es fällt keinem Beteiligten schwer, dieses Urteil anzunehmen, weil es keine Strafe gibt, sondern erlösend wirkt.

Da sind in meinem Leben auch derartige Erfahrungen, wo ich Angst vor dem Urteil des Anderen hatte. Doch dann urteilte dieser Andere ganz anders, als ich es erwartete und dieses Anders erlöste mich von der Qual des Glaubens, dass ich schuldig sei und eine Strafe verdiene. Ich hatte zwar nicht richtig gehandelt, dennoch hatte der Andere Mitgefühl und zeigte mir eine weitere Sicht der Angelegenheit und somit auch von mir selbst. Dann hat Gott, bzw. der Heilige Geist durch den Anderen geurteilt, weil dieser – wenn eventuell auch unbewusst – sein Ich in den Hintergrund treten ließ und der Heilige Geist die Sache durch ihn neutral beschaut und beigelegt hat.

Es genügt anfänglich schon, sich dessen bewusst zu werden, dass alles – was wir am Tage so tun, auf Vergleich und Urteil gründet, die auf vergangenen Erfahrungen basieren. Dann kann man sich daran erinnern, dass die schönsten Momente im Leben stattfinden, wenn man zuvor über das Kommende kaum etwas, beziehungsweise gar nichts wusste und ohne Vorurteil hinein fiel.

Dabei erinnere ich mich an eine Situation in meinem Leben, eine bevorstehende Erfahrung, über die ich im Voraus ganz übel urteilte. Alles darin ärgerte mich und ich selbst sah mich als Opfer. Doch in der wirklichen Situation, kam ich in einen Moment, indem ich über mich selbst lachen musste und über die Hartnäckigkeit in mir, meinen Groll zu nähren. Darauf verschwand das Grollige in mir sofort und zurück blieb einzig ein offenes Ich, das den Tag ab dann genoss und dankbar war für diese lehrreiche Erfahrung. Es gab ab dann nichts mehr zu entscheiden, weil sich alles in Harmonie irgendwie von allein ergab und tat. Danach hatte ich nie wieder Angst, in derartigen Situationen zu versagen und grollte auch nicht mehr im Vorhinein. Der Groll diesbezüglich, war solange in meinem Leben berechtigt, bis ich ihn erkannte und damit auch seine Nutzlosigkeit. Letztendlich sah ich ein, dass Groll niemals einen wahren Grund und eine Berechtigung für sein Erscheinen hat.

Ich hoffe, dass dich die vorstehenden Ausführungen an deine eigenen Erfahrungen erinnert haben, in denen du weder geurteilt noch etwas entschieden hast, und sich dennoch die Dinge wunderbar und hilfreich gestalteten. Genau dies sind die erstaunlichen Momente im Leben des Menschen, in denen Gott ihn unmittelbar anlacht und liebend umströmt.

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Herrenloses Bild mit Sonnenblumen

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