Lieb und teuer

von Luxus Lazarz

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Im Kurs wird wiederholt darauf hingewiesen, dass der Schüler eine Entscheidung treffen muss, die auch für den Lehrer gilt. Man muss sich entscheiden, wo man seine ganze Aufmerksamkeit hingibt, also Liebe schenkt, weil dieses Beschenkte und nur dieses, dem Menschen in seinem Leben wirklich lieb und teuer zu sein scheint. Es ist all jenes, worauf er keinesfalls verzichten will, selbst wenn er anscheinend muss.

Es hat einige Monate gedauert bis ich einsah, dass es ganz andere Dinge sind, die mir lieb und teuer waren, als ich anfänglich – allgemein beschult und eng gerahmt – als selbstverständlich annahm.

Obwohl man in weiten Kreisen weiß, dass es das Urteilen an und für sich ist, was das Eine vom Anderen durch Rahmung trennt, hatte ich dennoch nicht bemerkt und mir bewusst gemacht, wie lieb und teuer es mir zu urteilen ist und war. Auch der Vergleich, den ich zum Urteilen zwangsläufig brauche, auch dieser ist mir also lieb und teuer. Denn ich bemerke, es fällt mir nicht leicht, mich vom Vergleich weitestgehend abzuwenden. Dies am besten gänzlich, dadurch alles im Moment Gegebene anzunehmen, ohne festzuhalten und nicht mit Vergangenem abzugleichen, um ein mir bekanntes und möglichst kontrollierbares Ding daraus zu machen.

Wäre ich einfach nur da und ließe alles Geschehen, ohne Wertung und Vergleich – durch mich strömen, an mir vorüber gleiten, könnte etwas passieren, was ich mir gar nicht vorstellen kann, beziehungsweise schon längere Zeit gewünscht habe – genau das zu erleben, doch für unmöglich hielt. In beiden Fällen wäre es Liebe, die nun nachweislich Anderes bewirkt, als es zuvor das Urteilen und Vergleichen in meinem Leben bestellt haben. Mehrmals hab ich das erlebt und es verdichtet sich, seitdem ich im Kurs lese und lerne.

Da in der Hingabe an das Eine oder Andere, mir nun deutlich wird, was mir tatsächlich lieb und teuer ist, kann ich meine Wahl ändern und mich jetzt für die Liebe und den Frieden entscheiden. Denn nur diese sind mir im geistigen und auch realen Leben hilfreich lieb und teuer. Darüber hinaus werden sie auch noch unverhältnismäßig oft vom Glück besucht. Natürlich ist es eine ganz neue Art zu denken, dennoch – auch das Laufen hab ich Schritt für Schritt gelernt und dies bis heute nicht bereut.

Mit allem Urteil kann man sich irren, mit Vergleich wird man sich verzetteln und irre machen, solange bis die Liebe wirkt, alles heilt und Frieden zeugt, weil das Vergangene bedeutungslos ist und bleibt – im Jetzt. Und wenn da nichts ist, was mich aufregt, ärgert oder ängstigt, dann ist da nichts. Wie einst gewohnt, könnte ich jetzt im Vergangenen suchen, eine Vermutung vorformen, um diese dann als Kopie über das Jetzt zu legen. Doch warum sollte ich das tun? Mir fällt kein Grund ein.

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