Reaktionen, Teil 5

von Luxus Lazarz

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Überraschende Wendungen

 

Ohne Vorbereitung in einen gewichtigen Tag hinein zu gehen, kann für den Verstand nicht richtig sein, schon gar nicht dann, wenn der ihm angetraute Mensch im Beruf Karriere machen will. Gleichgültig, ob das Versäumnis sich nun aus Sorglosigkeit oder einem scheinbaren Mangel an Zeit erschaffen hat, ohne Vorbereitung ist angeblich immer falsch, zumindest wenn dem Menschen das Gelingen, die Anerkennung, also der Erfolg einer Tat allgemein, wichtig und maßgeblich für Weiteres erscheint.

Dennoch bleibt die Frage, wie kann denn ein gewöhnlicher Mensch mit Gewissheit entscheiden, was richtig oder falsch ist, wenn ihm ungezählt viele Handlungsmöglichkeiten noch gar nicht bekannt sind und sich sogar so manches Mal des Menschen frühere Wahl in der Nachschau als goldrichtig offenbart, obwohl man zuvor noch zweifellos daran glaubte – sich getäuscht zu haben?

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In einem Jetzt der Vergangenheit war Karin in einer Firma angestellt, die einen – von vielen Standorten – in der größten Stadt des Landes betrieb. Der Hauptstandort und somit auch die Leitung dieser Firma, befanden sich in einer anderen großen Stadt. Manche Angestellte der Firma reisten, bedingt durch ihre Tätigkeit, häufig mittels Flugzeug oder Eisenbahn – zwischen den einzelnen Standorten hin und her. Eines Tages bekam auch Karin von ihrem Chef den Auftrag, eine Besprechung am Hauptstandort der Firma zu organisieren und darüber hinaus, diese auch zu leiten. Karin wurde beauftragt, den Kollegen während der Besprechung, ihre eigene Tätigkeit in der Firma vorzustellen und zu erhellen. Das Ganze diente dem schönen Zwecke, dass Karin gemeinsam mit den anwesenden Kollegen auch noch weitere Möglichkeiten finden wollte, wie sie durch ihre eigene Tätigkeit – die Kollegen an beiden Standorten effizient und flexibel unterstützen könnte.

Eine derartige Aufgabe war Karin das erste Mal angetragen worden. Nie zuvor hatte sie jemand gebeten, eine komplette Besprechung zu organisieren, deren Tagesordnung und Inhalt zu bestimmen sowie die Besprechung, dann auch noch zu leiten. Diese Aufgabe belebte ihren Geist und mit Tatendrang im Blut, begann sie sich vorzubereiten. Jedoch fiel Karin überraschenderweise nicht besonders viel zur Vorbereitung ein. Eine Tagesordnung fand sich schnell zusammen, denn aus den Erfahrungen der vergangenen Monate wusste sie genau, welche Informationen sie den Kollegen geben konnte und welche Fragen sie selbst an diese stellen wollte. So schrieb Karin erst einmal den Text der Einladung, fügte die provisorische Tagesordnung hinzu und schickte alles per E-Mail an die infrage kommenden Kollegen. Die weitere Vorbereitung der Zusammenkunft verschob sie auf einen späteren Zeitpunkt.

Später kam jedoch nie, und somit fand sich Karin an einem Tag im Juni des Jahres 2002 – am frühen Morgen an einer Bushaltestelle wieder. Die Linie führte zum Flughafen, und Karin wartete in der Morgensonne auf den nächsten Bus. Die Haltestelle befand sich am Rand eines verkehrsreichen Platzes der Stadt. Doch an diesem Tag zeigte sich merkwürdig wenig Verkehr auf den sonst dicht befahrenen Straßen.

Bis auf jene unvollständige Tagesordnung für die Besprechung sowie einer Bestätigung für die Buchung ihres Hin- und Rückfluges, hatte Karin wahrlich nichts weiter in der Hand und im Sinn, was sie für diesen Tag vorbereitet hätte. Doch in diesem Moment stellte der Fakt einer lückenhaften Vorbereitung keinerlei Problem für Karin dar. Ihre ganze Sorge galt zu diesem Zeitpunkt einzig dem Bus, welcher sie rasant zum Flughafen bringen sollte. Dieser Bus wollte sich einfach nicht am Horizont zeigen. Die Minuten auf der Uhr an der Bushaltestelle tropften hinweg und der Zeitpunkt des Abflugs der gebuchten Maschine, rückte mit wachsendem Druck in Karins Herz unaufhaltsam näher. Den Flug zu versäumen, käme für sie einer Katastrophe gleich. Bei allen eingeladenen Kollegen handelte es sich um Männer, die in höheren Positionen als Karin eingesetzt waren. Sie wollte keinesfalls als unzuverlässig eingestuft werden. Zwar würde sie dann den nächsten Flug nehmen können, doch so kurz dachte Karin in diesem Moment nicht. Sie dachte viel weiter. Vor ihrem inneren Auge sah sie, wie sich die Kollegen vor dem, von ihr in der Einladung benannten Raum einfanden. Der Raum würde verschlossen sein, und Karin hatte den Schlüssel, doch sie war nicht dort, sondern irgendwo.

Lange konnte Karin dieses Bild und das es begleitende Gefühl von Hilflosigkeit, nicht in sich ertragen und ließ deshalb alles wieder aus ihrer Vorstellung entschwinden. Erneut blickte sie suchend zum Horizont, doch immer noch tat sich nur ein leeres Straßenbild vor ihren Augen auf, kein einziger Bus zeigte sich dort.

Doch das tatsächlich Verrückte daran war, dass all das geschah, trotzdem Karin dieses Mal extra früh aufgestanden war. Weitaus früher als es ihr eigentlich selbst als nötig erschien. Sie hatte sich sogar absichtlich eine halbe Stunde zu früh an die Bushaltestelle gestellt. Von dem scheinbar gut geplanten Zeitpolster war allerdings nun nichts mehr sichtbar, und es blieben gerade noch 20 Minuten bis zum Abflug der Maschine übrig. Spätestens in diesem Moment hätte Karin einchecken und unverzüglich ihren Sitzplatz im Flugzeug einnehmen müssen! Doch in der Wirklichkeit stand sie immer noch an der Bushaltestelle, war mehr als pünktlich dort gewesen und begriff nicht, wie ihr geschah. Grad als ihr langsam bewusst wurde, dass es nun für den gebuchten Flug tatsächlich zu spät war, fuhr ein Bus um die entfernte Ecke der Straße und erfüllte das zuvor leere Bild mit dem ungeduldig ersehntem Inhalt.

Weitere zwei Minuten verstrichen bis der Bus schließlich vor Karin stoppte und dessen Türen sich öffneten. Karins Denken hatte zwischenzeitlich aus reinem Mangel an Lösungsgedanken, bezüglich ihrer – für sie mehr als ungewollten Erfahrung, den Rückzug angetreten. Ganz still war es in ihrem Kopf geworden. Wie ein Automat stieg Karin nun in den Bus und setzte sich auf einen Einzelplatz am Fenster. Es blieben noch 15 Minuten bis zum Abflug der Maschine. Jetzt liefen Karin dicke Tränen über die Wangen, und sie betete innerlich zu einem imaginären Gott im Himmel, dass dieser sie verschone und ihr die anscheinend unausweichliche Peinlichkeit ersparen möge. Als Dank dafür, dass das Flugzeug auf sie warten würde, erklärte Karin sich auch bereit, ihm, dem imaginären Gott, die gesamte weitere Entwicklung des Tages zu überlassen. Karin bot also vollkommen ernsthaft an, keinerlei Widerstand gegen jegliches Geschehen zu leisten und sich ab sofort, an allem zu erfreuen, was sich ihr an diesem Tag zeigen würde. Und kaum hatte sie diese Gedanken zu Ende gedacht, ertönte eine Glocke. Die Türen vom Bus schlossen sich, und die Fahrt in Richtung Flughafen nahm ihren Lauf.

In Karins Kopf wallte nun Leere. Sie entspannte mittels Stille den ganzen Körper. Es gab nichts mehr zu denken. Sie hatte diesen Tag in Gottes Hand gelegt und sah dem Kommenden laut- und erwartungslos entgegen. Auch als der Bus am Flughafen eintraf, stieg Karin gedankenlos aus. Ein Blick genügte ihr, um auf der Anzeigetafel der Abflüge den für sie passenden Flugsteig zu finden. In dem Moment, in welchem Karin am Schalter des betreffenden Gates ankam, streifte ihr Blick die große Zeitanzeige über dem Namen der Fluggesellschaft. Es blieben immer noch 10 Minuten bis zum Abflug der Maschine. Eigentlich war das doch gar nicht möglich! Es sei denn, dass alle Uhren dort, von wo Karin herkam, 10 Minuten nachgingen. Doch da der Schalter seltsamerweise auch noch geöffnet hatte, wurde Karin von allen aufkommenden Bedenken abgelenkt, und die Reise ging unverzüglich und nun sogar freudvoll weiter. Die Stewardess hinter dem Abfertigungsschalter nahm lächelnd das Ticket entgegen. Weiterhin lächelnd teilte sie Karin noch mit, dass ihr Ticket – aufgrund der vollen Belegung der 2. Klasse, kostenfrei in die 1. Klasse umgebucht worden sei. Karin widersprach dem nicht.

Während sie den Weg in das Flugzeug beschritt, fühlte sie sich plötzlich in ihrem Leben seltsam geborgen und beschützt.  Es war da ein Gemisch aus Staunen, Freude und Stille in ihr wahrnehmbar. Im Flugzeug angekommen, wurde sie von einer weiteren bezaubernden Stewardess zu ihrem Platz geführt. Als Karin den Platz in Besitz genommen hatte, fragte die Stewardess nach weiteren Wünschen – bezüglich der Reiselektüre für den Flug. Karin holte tief Luft, bevor sie dankend ablehnte. Es gab genug in ihr selbst zum Lesen und das für mehr als einen Flug.

Das Flugzeug setzte pünktlich zur Landung auf dem Flughafen im Süden des Landes an. Der Flug erschien Karin sehr kurzweilig und endete für sie mit dem Empfinden totaler Lebendigkeit. Das Flugzeug verließ sie mit einem Lächeln, welches den langen Weg zum U-Bahnsteig, auch keinen Moment von ihrem Gesicht glitt. Mit der U-Bahn würde sie nun in die Innenstadt weiterreisen.

Dass die U-Bahn bereits am Bahnsteig wartete, nahm Karin mit Freude zur Kenntnis. Kaum hatte sie sich bequem gesetzt, schlossen sich auch schon die Türen des Waggons, und die Reise ging nahtlos und angenehm weiter. Man könnte Denken, dass es damit der Wunder und Hilfe des Lebens für einen Tag genug gewesen wäre. Doch Karin dachte immer noch nicht, hatte nur Stille, Freude und Genießen im Kopf, und deshalb lieferte das Leben wahrscheinlich auch unbedacht, weiterhin einfach und leicht – Angenehmes und Unvorstellbares in Karins Tag.

Im selben Moment, in dem sie die Tür zum Besprechungsraum aufschloss, bogen die ersten zwei von den vier eingeladenen Kollegen in den Flur. Gemeinsam und ein paar Worte der Begrüßung wechselnd, trat Karin mit diesen in den Raum. Die Sekretärin der hiesigen Abteilung hatte die von Karin telefonisch übermittelten Wünsche liebevoll erfüllt. Die Fenster im Raum waren geöffnet. Auf dem großen Tisch standen eine Thermoskanne mit Kaffee und eine mit Tee sowie drei kleine Teller mit frischem Gebäck. Der Raum war erfüllt von Sonnenlicht und köstlich duftender Luft. Nach Karins Empfinden, zeigte sich ihr hier ein ideales Umfeld für das erfolgreiche Gelingen der Zusammenkunft. Karin empfand immer noch Freude in sich und beobachtete still fühlend die weitere Entwicklung, ohne mit Vermutungen erfüllte Gedanken in das Beobachtete einzufügen.

Im Laufe der folgenden Minuten hatten sich alle Teilnehmenden im Raum und um den Tisch versammelt. Das allgemeine Begrüßen wurde abgeschlossen und alle Fragen, nach dem gegenseitigen Befinden, waren nun ausführlich beantwortet. Im Raum wurde es still und alle Blicke wandten sich jetzt Karin zu. Nach einem schnellen Blick auf die magere Tagesordnung, eröffnete diese die Besprechung, sprach einleitende Worten zum Sinn sowie Zweck der Veranstaltung und stellte im Anschluss kurz und präzise, den möglichen Nutzen ihrer eigenen Tätigkeit vor.

Für diesen Tagesordnungspunkt brauchte Karin offensichtlich keine Vorbereitung, denn sie wurde dafür bezahlt, dass sie wusste und konnte, was sie tat. Alles Benötigte floss leicht über ihre Lippen, ohne dass sie sich auch nur einen Moment etwas auszudenken brauchte. Mit klaren Worten äußerte sie abschließend ihren Dank für das Zusammenkommen und bat um die rege Mitwirkung bei der Findung weiterer Möglichkeiten, dem Wohle der Firma nützlich zu sein.

Im Anschluss stellten die Kollegen Karin Fragen und versanken zwischendurch immer mal wieder miteinander in ein austauschendes Gespräch. Hier ein Schluck Kaffee, dort ein Keks, ließen das Wohlgefühl im Raum steigen. Die Atmosphäre der ganzen Besprechung war freundlich-harmonisch und für menschliche Augen und Ohren angenehm.

Während Karin die Kollegen beobachtete und sich an deren Emsigkeit, gemeinsam etwas zu erkunden, erfreute, stiegen in ihr selbst Gedanken auf, welche eine Idee mit sich brachten, die das Zeug hatte, einige in der Firma aufgetauchte Probleme zu lösen. Sie spielte in Gedanken mit dieser Idee, bat dann um Gehör und skizzierte die Idee mit bildhaften Worten, was offensichtlich sofort auf Verständnis traf.

Kurz wurde es still, doch schon ergriff der erste Kollege das Wort, spann die Idee weiter, gab dieser ein paar Flügel und etwas mehr Greifbarkeit. Dann absolvierte die Idee die Runde und jeder einzelne Kollege hatte eine einzigartige Ergänzung, Ansicht, Einsicht oder Zugabe, welche die Idee noch erbaulicher und nützlicher entfaltete. Alles wurde nebenbei mühelos protokolliert, zusammengefasst und abschließend in Etappenziele formuliert und auch Zeiträume zur Umsetzung benannt. Das besprochene Projekt erfüllte in vielerlei Hinsicht den Zweck der Besprechung, dementsprechend konnte diese nun beendet werden.

Jeder Kollege reichte Karin zum Abschied die Hand und bedankte sich mit freundlichen Worten, für die angenehme, ergebnisreiche und überraschend wenig Zeit in Anspruch nehmende – Besprechung. Das ganze hatte lediglich zwei Stunden verbraucht, obwohl die doppelte Zeit vorgesehen worden war. Alle Teilnehmer waren auf die folgenden Ergebnisse neugierig und verließen wohl gestimmt den Raum. Karin ging an der Seite ihres Chefs, mit zu dessen Büro. Ihr Rückflug würde erst in 4 Stunden abheben, sie konnte die überraschend gewonnene Zeit nutzen, um mit dem Chef noch Ungeklärtes aufzuklären.

Rasch verging die Zeit im Gespräch und das Leben beschenkte die erwartungslose Karin genauso weiter – wie zuvor erlebt. Der Chef bedankte sich bei Karin für deren Leistungen in den vergangenen Monaten und genehmigte ihr überraschend ein Seminar, welches er noch 6 Wochen zuvor, nach Karins drängenden Anfragen abgelehnt hatte.

Die beiden Menschen unterhielten sich nun aufmerksam und konzentriert über all die Möglichkeiten, jenes, in dem angedachten Seminar vermittelte Wissen, nützlich in Karins Tätigkeitsbereich einfließen zu lassen. Irgendwann schien alles gesagt, und Karin blickte auf die Uhr an der Wand im Büro. Mit leichtem Erstaunen nahm sie nun wahr, dass die Zeit unbemerkt derart fortgeschritten war, dass es wohl eines weiteren Wunders bedurfte, damit sie pünktlich ihren Heimflug erreichte. Nach einem kurzen und herzlichen Abschied machte sich Karin deshalb ohne Umweg auf den Weg zum Flughafen.

In der U-Bahn begegnete Karin einem ihrer Kollegen aus der Heimatstadt, der genau wie sie, aus einer Besprechung kam und auf dem Rückweg war. Diesem setzte sie sich gegenüber und die beiden Menschen plauderten über Verschiedenes.

Die Fahrt dauerte regulär eine dreiviertel Stunde, doch der Zug hielt mehrfach auf freier Strecke und stand aus unbekanntem Grund minutenlang einfach auf dem Gleis herum. Doch dieses Mal konnte das Unerwartete Karin nicht im Geringsten beunruhigen, denn der Tag hatte ihr bereits weitaus mehr, als jemals ahnbar gewesen wäre – geschenkt. Schon beim 3. Halt der unerklärlichen Art, hatte der Kollege auf Karins Reiseplan geschaut und laut aufgelacht als er die Abflugzeit las. „Das kannst du wohl vergessen!“, sagte er mit Überzeugung zu ihr, und Karin nickte dem Mann spontan zu und lachte ebenfalls.

Am Flughafen angekommen, verabschiedete sich Karin auch von diesem Kollegen und nahm auf der Treppe, die zur großen Empfangshalle des Flughafens empor führte, mit jedem Schritt zwei Stufen auf einmal. In der großen Empfangshalle angekommen, fiel ihr sofort ein Automat zum Einchecken in den Blick. Zielstrebig und frei von jeglichem Zögern, lockte Karin nun erneut ihr Glück. Denn während sie das Ticket in den Automaten schob, las sie an diesem den allgemeinen Hinweis, dass das Einchecken hier lediglich bis 20 Minuten vor dem Zeitpunkt des Abfluges möglich wäre. Bis zum Start des von Karin gebuchten Fluges, blieben jedoch lediglich noch 15 Minuten. Dem Leben sei Dank, schien der Automat jedoch von diesem Hinweis nichts zu wissen und reservierte widerstandslos einen Sitzplatz für Karin. Da diese nicht das 1. Mal den Service des Flughafens nutzte, wusste sie allerdings aus eigener Erfahrung, dass sie für den Weg bis zum angegebenen Flugsteig, mehr als 15 Minuten benötigte. Dennoch lief Karin sofort mit dem Ticket in der Hand los. Kein Gedanke behinderte ihre Bahn und die Stille in ihrem Kopf, schien Karin Flügel zu verleihen. Zu ihrer grenzenlosen Verblüffung, wiederholte sich tatsächlich die Erfahrung vom Morgen des Tages, denn der Weg offenbarte sich für sie wieder als zeitlos, denn bei Karins Eintreffen am Flugsteig war keine einzige Minute vergangen.

Jene Empfindungen, welche Karin im Flugzeug durchstreiften, konnten mit Worten nicht beschrieben werden. Ich erlebe Unmögliches, dachte Karin, und während des gesamten Rückfluges trug ihr Gesicht ein sanftes Lächeln.

Wenn einem Menschen, derartige Erfahrungen zufallen, bleibt seine bisherige Sichtweise des Lebens, von der Welt und deren Entstehen, nicht unberührt.

Karin hatte in all diesen Momenten vollkommenes Vertrauen in jenes, was das Leben ihr zeigen würde. Am Tagesbeginn schien sie gar keine andere Wahl zu haben, als sich dem Fluss der Ereignisse hinzugeben. Doch dann hatte sie im Verlauf des Tages bemerkt, wie sich alle Hilflosigkeit in ihr verflüchtigte, unmittelbar nachdem sie – was war – akzeptierte. Aus der Akzeptanz erwuchs Vertrauen. Dieses Vertrauen brachte Karin Erstaunen, Erkenntnis und darüber hinaus, eine Handvoll ihr bis zu diesem Zeitpunkt unvorstellbarer Erfahrungen – mit der Leichtigkeit und Fülle des Lebens. Auf diese Art und Weise zeigte das Leben ihr gleich mehrfach, dass es sie liebte, und dies so – wie sie war. Dabei schien es auch vollkommen gleichgültig zu sein, ob man das Unsichtbare nun Gott, Leben oder Liebe nannte – es ist, was es ist und läßt keinen Menschen fallen, der bereit zum Schweben ist.

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