Aller Liebe Wert

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Seelen aller Menschen, tretet hervor und offenbart die Verbindung zwischen allem – was ist …

Erhebt des Menschen Blick, führt ihn in die Einsicht, dass alles Wahre immer jetzt stattfindet, die Harmonie in allem bereits von Natur aus gegeben ist und wahrlich nichts, gar nichts erkämpft, gesucht oder verbessert werden muss, weder in dir, in mir noch im Anderen – der dir nahe steht.

In vergangenen Jahrhunderten hetzten die Herrschenden ihre Hunde auf das Volk, wenn dieses sich vor den Mauern einer prachtvollen Residenz zum Protest versammelte. Doch Hunde sind augenscheinlich edler Besitz und der kostbaren Zucht kann man den Pöbel keinesfalls antun.

Braucht auch keiner, denn heutzutage hetzen sich die Menschen selbst auf. Aus einer Fülle von Angeboten kann vielfach gewählt werden, wem wer bis in den Tod glauben und treu folgen will, sodass man sich in Gruppen versammeln kann, um Anderes anzufeinden und zu bekämpfen. Mensch gegen Mensch, das endet nachweislich niemals glücklich. Eher ist es wahrlich so, dass jener, der anscheinend gewinnt, der Nächste sein wird, welcher im Kampf verliert. Solange der Mensch bereits in seinem Kopf vorsorglich kämpft, mit seinen eigenen Schatten, den Vermutungen, Feindbildern und totalitären Illusionen, bezüglich all jener, die er genauso lückenhaft kennt – wie sich selbst, kann ihm im nahen Umfeld nur sein innerlich personifizierter Widerstand entgegentreten und kampfbereit anlächeln. Das ‚Ich bin‘ im Menschen, strahlt sich gottgegeben selbst aus und zieht lediglich an, was passt.

Der sogenannte Klassenkampf endet allerdings ganz gemächlich, wenn man die weltliche Schule verlässt und sich direkt dem eigenen Leben zuwendet, um all die Löcher des fragmentalen Unterrichts – nun mit Wahrhaftem zu füllen. Wahrhaftem Leben, welches niemals auf dem Papier stehen kann, weil es Jetzt stattfindet und mittendrin keiner zum Schreiben kommt. Deshalb wird alles Geschehen in der Welt – auch nachträglich auf das Papier gebracht und vom menschlichen Verstand zu einer Wahrheit gemacht. Dort wiederum – also auf dem Papier – kann ändern wer will. Und so wird sich schon nach nur wenigen bis gar 100 Jahren, dort kaum noch etwas finden lassen, was nachweislich stattgefunden hat.

Zum Beispiel steht in der Geburtsurkunde, wo und wann der Mensch geboren wurde. Allerdings, gibt es diesen – der einst kam – im Jetzt nicht mehr. Denn dieser Mensch wuchs, lernte, bildete sich, ganz dem eigenen Erfahren entsprechend, und so kann letztendlich niemand mit Gewissheit sagen, dass er geboren wurde, denn jenes Ich, welches im Jetzt darüber spricht – gab es damals noch gar nicht in ihm. Der Körper kam allein mit Seele, und all das, was ein Mensch im gegenwärtigen Punkte darstellt – hat er in der Welt gefunden, die ihn von Beginn an umgab. Solange der Mensch aus dieser Welt – ohne ein Ich empfing, war er nur Körper und Seele, denen alles zukam, was als Bedürfnis gestillt werden wollte. All das, was wohl noch natürlich war und maßloses Verlangen noch nicht empfand.

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Und nun sehe ich ein, erkenne im Licht – das Selbst in mir ist frei gewählt. Eine Einsicht, die sowohl erschreckend als auch befreiend zugleich sein kann. Der Schreck lässt nach, die Freiheit offenbart sich dahinter. Wird nun von der Seele mit mir geteilt, die zuvor hinter dem weltlichen Ich kaum noch Gehör fand. Etwas im Menschen wird sterben, sich auflösen und wandeln – bevor der Körper, die Seele und das schmiegsame Ich, ein tatsächlich eigenes Leben in dieser Welt einnehmen. Doch darüber hinaus sehe ich noch ein, dass das Glück des Menschen von nichts und niemand in dieser Welt abhängt. Denn es ist bereits in mir – vom ersten Moment an.

Das Göttliche war es, was die Seele derart reich beschenkte, dass sie niemals muss ein Leid erfahren. Dieses passiert nur dem äußeren Menschen, der sich um die Seele bildet. Letztendlich all die Erfahrungen in sich beansprucht und nach diesen beharrlich greift, mit Gedanke, Wort, Blick und Gefühl, welche ihm dabei auch noch schwer im Magen liegen. Doch stets ist er es selbst, der Mensch, welcher sich und das Ereignis zueinander zieht.
Bis die Seele – früher oder später, allerdings beharrlich nur im Jetzt – ihr großes Glück mit ins Spiel wirft und so dem unseligen Treiben im Geist – ein für alle Mal – ein Ende schenkt. Was danach kommt weiß nur die Seele, welche stets weint – durch ihren Menschen, wenn das Schöne sie allumfassend berührt. Jene Seele in uns, die dort lacht oder auch still ist, wo das ruhelose Ich haltlos Widerstand gab. Einsicht macht das neue Sein ganz leicht, denn dort in der Stille, genau wie in der Freude und allem Mitgefühl, ist der Mensch mit der Seele vereint und im geliebten Leben daheim.

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