Das Eine im Menschen

von Luxus Lazarz

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Es ist der leere Raum, der alles miteinander offensichtlich verbunden hält. Der Raum erscheint dem Verstand zwar leer, doch das ist er nicht, denn wir wissen zum Beispiel sehr wohl von den Funkwellen, die den Raum weltweit unsichtbar durchströmen und alle Telefone anscheinend magisch miteinander verbinden.

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Spricht man vom alles ist Eins, dann ist damit auch Alles gemeint. So sind zum Beispiel alle Gedanken, die ein Mensch denkt, fühlbar Eins mit ihm, auch jenes – dem er sich zuwendet, ist verbunden mit seinem Blick. Hier allein wählt man selbst, was man blickend mit Gedanken und Worten nährt, und wovon man sich abwendet, damit es keinen Weg zu uns und in unsere Welt nehmen kann. Jeder Mensch weiß doch, wenn man das Übel im Blick behält, wird es nicht weniger, nimmt eher mehr Raum in uns ein. Zuerst im Kopf und dann auch folgend im Leben des Blickenden, und man sieht Menschen direkt darauf zulaufen, während sie sich einbilden, einen Angriff abzuwehren. Alles was der eigene Blick gedanklich fesselt, kann sich gar nicht fortbewegen. Und wenn der Blick gar verfolgend wird, ist man tatsächlich in die ungewollte Richtung stramm unterwegs. „Ja, wohin laufe ich denn?“, fragt man sich dann irgendwann selbst.

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Auf vielerlei Informationen hätte ich gern verzichtet, also in meinem Leben, nun wenigstens im Nachhinein wissend, dass sie tatsächlich bedeutungslos waren, mich Angst, Wut, Scham, Hilflosigkeit und Leid fühlen ließen, das meiste Wissen der Allgemeinbildung noch dazu fern der Wahrheit lag und häufig darüber hinaus auch durch meine Fantasie aufgepeppt worden ist. So hab ich den Lügen selbst noch Mützchen aufgesetzt und mich an der dekorativen Täuschung oft satt gesehen.

Zwischenzeitlich bin ich erwachsen und brauche keine Zeitung lesen, um zu wissen, was wirklich in mir und meinem Leben tagtäglich passiert, also in echt Fakt und Tatsache ist. Nur hier im Gegenwärtigen ist mein Leben sinnvoll eingebunden, bin ich handlungsfähig und tatsächlich da, wo ich sein wollte, denn sonst wäre ich ja nicht hier, sondern ganz woanders. Das Eine in allen Menschen wird Gründe dafür haben, wie, wo und warum es die einzelnen Seelen auf Erden einsetzt – in die Menschenform. Die Seele, also jenes innerste Wesen, welches den Menschen in seinem Leben in Abenteuer führen wird, die ihn über all das ihm bekannt Menschliche hinausblicken lassen. Oder auch gefühlt betrachtet, ihn der eigenen Seele näher bringen, und somit auch näher zu sich selbst. Denn erst, wenn ein Mensch aus sich selbst weiß, wer er ist und zu wem er gehört, kann er auch sich selbst verwirklichen.

Verwirklichen in der Erfahrung, die sein Sehnen in ihm vorbildet, und die bisher eventuell sogar – als unmöglich erlebbar galt. So etwas kommt vor und insgeheim weiß dies auch jeder, denn alles was die Menschen in der Vergangenheit entlastete, bereicherte, freier machte, war stets zuvor nur eine Idee. Eine Idee, die aus einem Menschen kam, der die Welt anders, weiter, reicher oder auch nur freudvoller sah als die Vielen zuvor. Ein Mensch, der in sich Eins war und dadurch im direkten Kontakt mit dem Einen stand, also jenem, was in allen Menschen belebend wirksam ist. Dies wahrlich Tag und Nacht, ohne Pflicht oder Gebühren.

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Dass wir gewollt sind, dass der Mensch nur ein Leben hat, weil er gewollt wird, einfach so gewollt wird, ohne Tausch und Handel, dies ist dem Menschen ein weitestgehend unbekanntes Empfinden, wogegen sich der Ich-Verstand sogar wehrt. Gewollt vom Unsichtbaren, wer soll denn das glauben können? Das wäre doch zu schön. Dennoch sind wir alle hier, um zu wachsen, zu lieben, zu entdecken und wahr zu machen, was aus uns heraus verwirklicht werden will.

Wenn ich mir innerlich nicht dessen bewusst bin, dass Alles, also wirklich Alles miteinander verbunden ist, lebe ich ein abgetrenntes Leben. Unverständnis, Einsamkeit und Hilflosigkeit sind dann vorprogrammiert.  Oft stellte sich mein kleines Ich blind gegen das Ganze. Statt nach schönen Ideen in mir zu fischen, um das Leben zu bereichern, zu erweitern, blühen zu lassen, verglich, kritisierte, urteilte ich, und begrenzte somit in mir übergriffig, das Recht des Anderen auf sein eigenes Leben, seine eigene Sicht, seine eigene Erfahrung und dessen selbst gewählten Lebensweg. Dieses kindische Verhalten bleibt solange in dem nur äußerlich Erwachsenen Menschen aktiv, bis ihm das Unbekannte mittels unvorhersehbarer Ereignisse, in eine reine oder auch erweiterte Sicht des Lebens einlädt. Und sei versichert, jeder Mensch der Wissen, Sehen, Erkennen will, wird alltäglich eingeladen. Dies natürlich genau dort, wo er gerade ist.

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Das Unbekannte kann nicht im Bekannten erscheinen. Es taucht in uns auf, macht sich bemerkbar, in einem Moment der inneren Stille, verharrend mit dem Blick auf ein Objekt, Ding, eine Situation, welche wir in uns unkommentiert sowie erwartungslos beschauen. Nur dann kann sich durch diese Stille in uns eine Einsicht offenbaren, eine Begehrlichkeit, ein Wunsch erheben, die uns noch unbekannt sind, denn nun ist der Raum in uns frei – für die Wahrnehmung einer Möglichkeit, die uns zuvor noch undenkbar war. Da es jedoch undenkbar war, kann es nicht von uns erdacht sein und erweist sich somit als eine Gabe jenes unbekannten Einen, das fühlbar alle Menschen durchströmt und gleichfalls in sich vereint.

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