Mensch, was ist passiert?

von Luxus Lazarz

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Ich wurde geboren
und war nicht dabei.
Ich wurde gehalten,
ohne zu tragen.
Ich entdeckte mich
und weiß nicht mehr wann.

Nackt und ohne Plan
kam ich hier auf Erden an.
Nichts brauchte ich tun,
denn man tat für mich.
Allein mein Dasein genügte,
dass alle Welt zu mir kam.

Man gab mir Speis und Trank,
liebkoste mich, gab mit mir an,
denn ich war so süß,
brav und auch folgsam,
ohne je mehr zu fordern,
als man zu geben bereit war.

Als die Zeit verging,
als das Süße von mir abglitt,
das Brave dem Müssen
und der Berechnung wich,
da rügte man mich und
legte neue Maßstäbe an.

Man gab mir Vorbilder,
denen ich mich annähern sollte,
um in der Welt bestehen zu können
und ausschließlich derart zu sein,
wie es dem Zeitgeist entsprach und
es mir die angeordnete Rolle vorgab.

Der Akt gelang.
Ich passte mich an und
wurde ein passabler Mensch,
ganz nach Vorgabe und
spielte ernsthaft mit,
in allen Stücken der Schauspielwelt.

Sammelte Daten, Namen,
Geschichten und Dramen,
nannte all das mein Leben
und fühlte mich verloren,
unter- und überfordert,
kaum verstanden,
gar überwiegend ungeliebt.

Nichts von all dem war ich,
alles war geborgt, geliehen,
gefunden und in mich geprägt.
Schicht für Schicht hatte ich
mich selbst eingegrenzt und
war zum Weiterträger
fremder Gedanken geworden.

Eines Tages dann,
passierten Merkwürdigkeiten
den Alltag meines Lebens,
was den Verstand wiederum
zeitweise schachmatt setzte,
mich derart innerlich bewegte,
wie noch niemals zuvor.

Ereignisse öffneten ein Fenster.
Und ich sah in mich,
allein dort war ich ganz ungerichtet,
konnte still und klar wahrnehmen,
was sich in und um mich herum,
lediglich den Anschein gab und
was tatsächlich war nur Illusion.

Anfänglich zeigten sich nur kleine Lügen,
denen ich fragend auf die Schliche kam,
um abzuschütteln, was trübte den Blick.
Doch je tiefer ich tauchte,
Schicht für Schicht von mir abrollte,
umso ungeheuerlicher wurde das Bild.

Monatelang fühlte ich mich zerrissen,
gespalten im Hier und Gestern,
aufgehängt zwischen Illusionen,
nichts erschien noch glaubhaft,
bis auf das, was ich wahrhaft erlebt hab.
Einzig die Stille gab mir fühlbar Trost.

Fremd – fühlte es sich dann an,
der Start in die pure Wirklichkeit,
doch es gelang mit Beharrlichkeit,
dem ewigen Übel vom Acker zu springen,
und wahrhaft im Eigenleben angekommen,
will keiner mehr zurück,
in das verordnete Geschick,
geschlagen aus dem Schaum der Welt.

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