Hintergründe

.

Ist die Welt – wie ich sie sehe?

Es gibt Reiche und Arme. Es gibt Krankheit, Kampf und Kriege. Geld ist eine Lebensart geworden, die in der mir bekannten Welt bereits weitreichend als unumgänglich gilt. Die Natur wird ausgebeutet, abgegrast, Menschen handeln mit Organen und überall mangelt es an Dankbarkeit, sowohl für das was ist, als auch für jenes – was nicht ist. Dies ist es, was ich als Welt annehme, wenn der Fernseher, die Zeitung und allgemein die öffentliche Meinung – mir als Bildungskanal dienen. Nur dort kann ich die Informationen bekommen, die mir mein eigenes Leben, welches mich tatsächlich durchströmt und umfließt – derart nicht liefern kann, weil ich ganz woanders bin.

Ich bin geschockt. Mein hier und jetzt stattfindendes Leben, enthält nicht einmal den Bruchteil des Grauens, welches mir alltäglich und stündlich als Realität vermittelt wird. Nun bin ich froh, dass mein alltägliches Leben im Fernsehen keinen Platz findet. Denn nirgendwo sah ich schneller die Sterne steigen und fallen, Leben verwelken, Träume enden – als dort.

Wie sehe ich die Welt?

Ganz nah, wahrhaftig und klar, da sie mich direkt umgibt. Ich sehe auch mich darin und all jene angenehmen und unangenehmen Gewohnheiten, die in meinem Kopf zuhause sind. Dort mit mir Krieg und Frieden, Mau Mau und Schwarzer Peter spielen. Dem unmittelbaren Umgeben, also jenem Streifen aus Freiraum, den ich mit mir führe, kann ich nicht entkommen, denn er ist mir auf ewig verbunden, da es aus mir kam. Gleichgültig wohin ich auch geh, was ich dort seh – alle Wahrnehmung geschieht durch mich selbst und ich ziehe an, was ich liebe und auch das, was ich nicht leiden mag.

So kann ich also nur jenem entkommen, das ich in mir selbst nicht weiterspinne, weitertrage. Denn meine Gedanken, mein steter Vorausblick, umgeben das ewig Wahre in allen Dingen – mit einem Mantel, genauso wie der Körper umhüllt, was ich wirklich bin. Der Körper, ein Gedanke, der sich durch mich selbst ausprägt, wahrnimmt – was ich gebe, mir vorfühlbar macht- was in ihm passiert und im Greifbaren Gestalt annimmt.

Wovon lebst du? Wovon leben die? Was tun die eigentlich? All dies sind Fragen, die von Menschen kommen, die an die Macht der äußeren Umstände glauben, sich selbst nicht kennen, vor diesem gar fliehen. Empfinde ich diese Fragen als unangenehm, hab ich die Antwort noch nicht in mir gefunden, dennoch lebe ich offensichtlich. Es gibt sie also, die Antwort.

Karl Marx soll einst geschrieben haben, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt. Heute ist mir bewusst, dass Selbiges auch für Schweine, Hunde und sogar das Faultier gilt.
Alles Leben kommt von Innen. Das war schon mein ganzes Leben lang so, ich war mir nur dessen nicht so bewusst, wie ich es heutzutage sein kann und darf.

Im Menschen eröffnet sich eine neue Art, sein Leben zu erfahren, die anfänglich zu absurd erscheint, denn wahrlich ist diese Lebensart unvorstellbar leicht anzunehmen. Oft sogar zu leicht – für den an Anstrengung gewöhnten Verstand.

Wie erlebe ich mich, unabhängig von der Welt und allem Geschehen darin?

Wenn es mir gut geht – wobei dies ein sehr relativer Begriff ist – der sich letztendlich in, „wenn ich mich in meiner Haut und meinem Leben wohlfühle“, ausführlich zusammenfassen lässt, bin ich stets bereit zur Hilfe, und dies gleichgültig, ob ich selbst die Notwendigkeit einfach nur einsehe oder direkt bis indirekt darum gebeten werde. Je wohler ich mich fühle, umso klarer und selbstverständlicher kann ich entscheiden, was als Nächstes anliegt, getan oder auch einfach nur sein gelassen werden will, wie es ist.
So ist mir das Wohlgefühl also nur wichtig geworden, weil ich nun weiß, es macht mich dem Ganzen wahrhaft nützlich. Es nordet mich ein auf dem Weg, da die damit verbundene Klarheit – den Heißsporn in mir sanft abkühlt und neu einstellt. Freudvoll nehme ich fühlbar wahr, dass es also keinesfalls eine Schande ist, sich im einzig wahren Selbst wohl zu fühlen. Auch dann nicht, wenn die ganze Welt anscheinend schreit, dass genau das nun aber wirklich außerordentlich unpassend sei. Doch das Leben gab mir wiederholt die Einsicht, dass in einem Raum – in dem viele Menschen miteinander, durcheinander, aneinander vorbei reden, ein sattes Schweigen immer paßt. Und wie der Paß, mit dem der Mensch im Außen Grenzen durchschreiten kann, öffnet manches Schweigen die Tür zu unserem Innersten, in dem der Mensch sich mit allem Geschöpf unausweichlich verbunden erkennt.

Somit liegt es außerordentlich nah, den in mir gebildeten Begriff des Egos zu beleuchten und eventuell mal ganz anders zu deuten, beziehungsweise auszulegen.

Wendet man den Blick ab von der Welt und lässt diesen fühlend für eine gewisse Zeit in sich selbst gleiten, dann wird die Welt gestillt. Erinnere dich, der erste Schrei, den der Mensch wahrscheinlich in seinem Leben ungefiltert hört – ist der eigene. Dein einzig dir möglicher Ausdruck, der zu diesem Zeitpunkt wahrgenommen Befindlichkeit, blind hörbar gemacht. Fische können nicht schreien, wenn man sie aus dem Wasser zieht, können sich nicht derart an eine total andere Lebensart anpassen, wie es den Säugetieren und ebenfalls dem Menschen gelingt. Wüsste dieser, dass dies nach heutiger Lehrmeinung gar nicht möglich ist, würde er es nicht einmal versuchen.

Dem Mensch gelingt es darüber hinaus, auch noch auszublenden, dass er diese unglaubliche Fähigkeit der Wandlung besitzt, die Gabe der Anpassung und Neugestaltung aller – zuvor noch als unverzichtbar wahrgenommenen -Verbindungsleitungen zum Mutterkern. Und all das passiert in einem einzigen Augenblick der Geburt, dieser gigantische Schritt in einen unbekannten Lebensraum und auch das unsichtbare Verbinden, mit allem Nichts darin. Also Luft zu atmen, worin man nun – wie zuvor im Wasser – lebt.

Der Schritt auf den Mond ist keine Heldentat, wenn man bedenkt, wie die Reise des Menschen in sein irdisches Leben begann.

Dementsprechend ist jeder lebendige Mensch, Tiere natürlich ebenfalls, in einem kaum noch bewusst nachvollziehbaren Grade zur Anpassung fähig, deren Wundersamkeit allerdings nur ein Mensch erkunden und enträtseln kann. So fiel mir auch die Einsicht anfänglich nicht leicht, dass meine Anpassung an jenes, was ewig währt und immer ist – bereits am Beginn meiner körperlichen Entwicklung, das für mich einzig Notwendige war.

Man lese laut und fühle in sich, ob man sein Mensch ist, oder doch noch überwiegend modische Erscheinung, Spiegelbild des Zeitgeschmacks. Es ist nie zu spät, da das Leben keine Uhr trägt, und ich überall und jederzeit in mich fühlen kann, was mich wirklich bewegt. So viel sei schon mal verraten, die „Glotze“ ist es nicht. Sie ist wie eine Nabelschnur, die meinen Verstand mit künstlicher Nahrung vollpumpt. Nahrung, die mich blaß macht, immer hungriger nach Leben und wie alter Puffreis schwer verdaulich ist.

Nun sind wir erwachsen, haben gelernt – selbst zu denken, das Schwert der Wahrheit zu nutzen, um ohne Geschrei und Blutverlust – vom wahrhaft Gegebenen allen Anschein zu entfernen.

.